LG gibt Smartphone-Business nicht auf

LG hat (noch) nicht vor, sich aus dem Smartphone-Markt zu verabschieden. Auch, wenn man damit seit Jahren nur noch Verluste einfährt.

Man könnte meinen, dass ein Unternehmen nach 15 Quartalen ohne Gewinn bei einer Sparte irgendwann mal auf die Idee kommt, diese einzustellen. LG Mobile ist so ein Fall. Man hat sich zwar schon aus den ersten Märkten (unter anderem China) verabschiedet, aber eingestellt wird das Geschäft nicht.

LG: Umbau dauert noch bis 2020 an

Qiao Yujin (CEO von LG Electronics) möchte weiterhin Smartphones bauen. Sie gehören zum Portfolio dazu und alle Produkte sind miteinander verknüpft. Seit Ende 2018 leitet der ehemalige TV-Chef die Sparte und Anfang 2018 gab man bekannt, dass ein Umdenken bei den Smartphones stattfinden wird.

Man befinde sich noch mitten im Umbau, so der CEO. Und das wird auch noch bis Ende 2020 anhalten. Der Chef betonte, dass man das Vertrauen der Kunden gewinnen möchte, unter anderem mit einem besseren After-Sale-Support.

All die Versprechen und Ankündigungen sind schön und gut, aber ich habe nicht den Eindruck, als ob man wirklich etwas geändert hat. Aktuelles Beispiel: Das LG V40 startet jetzt in Deutschland, allerdings viel zu spät. Fast schon gleichzeitig kommen das LG G8 und LG V50 – und viele Modelle der Konkurrenz.

Anderes Beispiel: Der neue After-Sale-Support ist nicht besser, als der alte Support. Das G7 wird so langsam mit Pie in Südkorea versorgt. Konkurrenten wie Sony, Samsung und Huawei haben ihre Flaggschiffe von Anfang 2018 bereits aktualisiert. Man rennt immer ein kleines Stück hinterher.

LG: Keine Besonderheit, zu spät und zu teuer

Das Unternehmen schafft es nicht eine klare Strategie zu entwickeln und an dieser festzuhalten. Ende 2017 wurde man dafür kritisiert, dass das V30 viel zu spät kam und 2018 kam es noch später. Es ist ja nun sogar ein 2019er Modell in Deutschland. Erwartet man, dass die Kunden das mitmachen?

Glaubt man wirklich, dass die Kunden jetzt noch mit Freude ein LG V40 kaufen, wenn ein Samsung Galaxy S10, Huawei P30 Pro und OnePlus 7 in wenigen Wochen folgen? Doch nicht nur das, man muss nur einen Monat warten und kann sich mit dem G8 auch ein besseres Flaggschiff von LG selbst anschauen.

Wer kauft denn da ernsthaft ein LG V40 für 900 Euro?

Keine Alleinstellungsmerkmale, kaum PR, zu spät und dafür zu teuer. Sony hat es auch nicht leicht, aber dort habe ich wenigstens das Gefühl, dass man sich bemüht. Bei LG habe ich das nicht mehr. Und wenn man die Smartphone-Sparte lieblos behandelt, dann darf man keine Wunder erwarten.

LG: Drei Jahre Zeit für einen Wandel?

Doch LG hat, ähnlich wie Sony, andere und erfolgreiche Bereiche. Damit kann man sowas ausgleichen. Aber auch hier stelle ich mir die Frage: Warum macht man keinen radikalen Schnitt und wagt einfach mal einen richtigen Neuanfang mit einer komplett neuen Strategie. Man hätte nichts zu verlieren.

Ich befürchte aber, dass in solchen Unternehmen die Strukturen schon viel zu festgefahren sind. Schon die Aussage, dass der Wandel noch 2019 und 2020 anhalten wird, sagt alles. Man darf sich auf diesem Markt nicht einfach drei Jahre für eine neue Strategie Zeit lassen. Es sei denn, man will Geld verbrennen. Das macht LG momentan und man macht vorerst damit weiter.

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