Mit dem VLE hat Mercedes-Benz den ersten Elektro-Van auf Basis der neuen VAN.EA-Plattform präsentiert. Die Eckdaten und die Ausstattung sind beeindruckend, während der Preis und die Optik Raum für Diskussionen bieten.

Mercedes-Benz Vans hat auf einer Weltpremiere den VLE vorgestellt, den Nachfolger des EQV und zugleich das erste Modell der neuen Elektroplattform VAN.EA. Laut Unternehmensangaben war es das erklärte Ziel, die bisherigen Kompromisse zwischen Gewerbe- und Privatkunden-Anforderungen deutlich zu reduzieren.

Elektrisch angetriebene Vans teilen sich bislang häufig die Technik mit leichten Nutzfahrzeugen, was für Privatkunden bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit spürbare Einschränkungen bedeutet. Mit dem VLE soll sich das grundlegend ändern.

VAN.EA-Plattform als flexible Basis

Die neue VAN.EA-Plattform bezeichnet Mercedes-Benz intern als modulare, flexible und skalierbare Van-Architektur. Sie erlaubt laut Hersteller sowohl preisoptimierte Basisvarianten als auch hochwertige Premiumversionen auf derselben technischen Basis.

Darüber hinaus sollen künftig weitere Modelle wie ein neuer Vito oder der geplante Luxus-Van VLS auf der gleichen Plattform aufbauen. Ursprünglich als reine Elektroplattform konzipiert, wurde parallel die VAN.CA als Verbrenner-Variante abgeleitet, nachdem sich die Transformation zur Elektromobilität langsamer entwickelte als erwartet.

Antrieb, Batterie und Laden: alle technischen Eckdaten des Mercedes VLE

Beim Antrieb stehen drei Varianten zur Wahl. Der VLE 250 bildet den Einstieg mit Frontantrieb und einer 80-kWh-LFP-Batterie, die laut Mercedes mit bis zu 300 kW DC-Ladeleistung geladen werden kann.

Der VLE 300 setzt auf einen 200 kW starken Frontantrieb sowie eine 115-kWh-NMC-Batterie und beschleunigt in 9,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das Topmodell VLE 400 4MATIC verfügt über Allradantrieb mit 305 kW Systemleistung und schafft den Sprint in 6,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beider stärkeren Varianten liegt bei 180 km/h.

Verbaut werden ausschließlich permanenterregte Synchronmaschinen, die laut den Mercedes-Entwicklern die beste Kombination aus Leistung, Effizienz und Leistungsdichte bieten.

Die 115-kWh-NMC-Batterie in VLE 300 und VLE 400 4MATIC basiert auf prismatischen CATL-Zellen im Cell-to-Pack-Prinzip und ist als 800-Volt-System ausgelegt.

Laut Hersteller ermöglicht sie eine WLTP-Reichweite von rund 700 Kilometern in der reichweitenstärksten Ausstattung sowie eine DC-Ladeleistung von bis zu 320 kW. Von 10 auf 80 Prozent soll die Ladung in 25 Minuten abgeschlossen sein, in 15 Minuten sollen laut Mercedes bis zu 320 Kilometer Reichweite nachgeladen werden können.

AC-seitig sind bis zu 22 kW möglich, zudem unterstützt der Onboard-Charger bidirektionales Laden für Vehicle-to-Home und Vehicle-to-Grid. Eine Batterievorkonditionierung, die sich automatisch über die Navigation oder manuell aktivieren lässt, soll unter möglichst vielen Bedingungen die volle Ladeleistung sicherstellen.

Technische Eckdaten im Überblick:

  • VLE 250: Frontantrieb, 80 kWh LFP, 300 kW DC-Laden, ca. 400 bis 450 km Reichweite
  • VLE 300: 200 kW, Frontantrieb, 115 kWh NMC, 320 kW DC, ca. 700 km WLTP, 0-100 in 9,5 s
  • VLE 400 4MATIC: 305 kW, Allrad, 115 kWh NMC, 320 kW DC, 0-100 in 6,5 s
  • Ladezeit 10 bis 80 Prozent (DC): 25 Minuten (VLE 300 und 400)
  • AC-Ladeleistung: bis zu 22 kW, bidirektionales Laden serienmäßig

Karosserie, Abmessungen und Anhängelast

Der VLE misst laut Datenblatt 5,31 Meter in der Länge, zwei Meter in der Breite und 1,93 Meter in der Höhe bei einem Radstand von 3,34 Metern. Dank einer serienmäßigen Allradlenkung beträgt der Wendekreis laut Hersteller 10,9 Meter. Der cW-Wert liegt bei 0,25, der Verbrauch wird mit 18 bis 21 kWh pro 100 Kilometer angegeben.

Das VLE 400 4MATIC darf laut vorläufigem Datenblatt Anhänger bis zu 2,5 Tonnen ziehen, beim VLE 300 sind es derzeit 1.000 Kilogramm, wobei laut Mercedes noch an einer Erhöhung auf bis zu 1,8 Tonnen gearbeitet wird. Gefertigt wird der VLE im Mercedes-Werk im nordspanischen Vitoria-Gasteiz.

Innenraum und Ausstattung

Der Innenraum bietet je nach Konfiguration sechs, sieben oder acht Sitzplätze. Das Laderaumvolumen beträgt laut Hersteller 795 Liter bei vollständiger Bestuhlung und bis zu 4.078 Liter bei ausgebautem Gestühl. Die Sitze verfügen über integrierte Rollen für einfachen Ausbau, elektrisch verstellbare Sitze lassen sich zudem per App oder Zentraldisplay positionieren.

Zu den optionalen Ausstattungsmerkmalen zählen ein ausfahrbarer 79-Zentimeter-Panoramascreen mit 8K-Auflösung, ein Kühlschrank in der Mittelkonsole sowie ein elektrischer Komfortsitz mit Massagefunktion und Wadenauflage. Serienmäßig sind elektrisch betriebene Schiebetüren sowie eine Wärmepumpe an Bord. Das Cockpit erhält einen durchgehenden Superscreen über nahezu die gesamte Fahrzeugbreite.

Preisübersicht laut Unternehmensangaben:

  • VLE 250: ab ca. 57.000 Euro netto (ca. 68.000 Euro brutto)
  • VLE 300 Serienausstattung mit Advanced-Plus-Paket: ab ca. 79.000 Euro
  • VLE 300 AMG-Line mit Premium-Paket: ca. 94.000 Euro
  • VLE 300 Exklusive mit Premium-Plus-Paket: ca. 113.000 Euro
  • VLE 400 4MATIC AMG-Line Plus mit Night- und Premium-Paket: ca. 97.000 Euro

Mit dem VLE liefert Mercedes-Benz auf dem Papier ein überzeugendes Gesamtpaket, das den Elektro-Van endlich aus der Nische für Gewerbekunden herausführen könnte. Ich bin gespannt, ob die Kombination aus hoher Reichweite, kurzen Ladezeiten und großzügigem Innenraum tatsächlich dazu beiträgt, den Elektroanteil im Van-Segment spürbar zu steigern.

Ob Familien allerdings bereit sind, für den Einstieg ab 68.000 Euro auf den Tisch zu legen, darf durchaus bezweifelt werden. Und auch das Design dürfte nicht jeden ansprechen, denn der VLE ist ein Fahrzeug mit einem unverkennbar eigenem Gesicht, das man mögen muss.

Alle Bilder im Beitrag: Mercedes-Benz


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  1. René Hesse ♾️

    Im ntv Video gibt es mal einen ganz guten Blick in die Basisversion, die kommt deutlich geerdeter daher

    PS: ja, das ist neu, YouTube-Videos werden jetzt automatisch in den Kommentaren eingebettet, sobald ein Video-Link gepostet wird. 🤓

  2. cby ☀️

    Find den VLE echt gut gelungen, sieht modern und auch edel aus. Haben sie einen guten Kompromiss gefunden.

    Innenraum gefällt mir auch sehr gut. Preislich wie erwartet natürlich sehr hoch. Da wirkt sogar der zu teure ID Buzz noch günstig ;)

  3. Heiko Dröse ☀️

    sehr schöner Artikel – und so viele schöne Bilder, ich bin angenehm überrascht – Danke dafür

    Mein letzter Kaufversuch eines EQV scheiterte an der fehlenden AHK – sonst hätte mir alles gereicht (300km Reichweite, kein Allrad, Ladedauer)

    Jetzt kann ich endlich in eine elektrische Zukunft blicken – dieses Auto ist sowas von gekauft…

  4. JonP 🌀

    Was leider nirgends thematisiert wird, ist die stark abfallende Fensterlinie wie bei einer Limousine. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das für die Passagiere in der 3. Reihe angenehm sein soll.

    1. René Hesse ♾️

      Das ist der Preis für den cW-Wert. Ich persönlich finde das allerdings weniger schlimm. Ich würde sogar behaupten die wenigsten wollen denen wegen den drei Reihen, sondern man nimmt einfach zwei Reihen plus viel Platz.

  5. Neuhier 🔅

    Oh, ein Govee LED Strip ist glücklicherweise auch wieder drin.

    Nein, Konzept und Technik find ich gut. Ob es in Verbindung mit dem Design und dem Preis dafür eine Zielgruppe gibt, wird sich zeigen.

    Mir gefällt der XPeng X9 um einiges besser.

    1. Heiko Dröse ☀️

      x9 ist kein Van 🙈

      1. Neuhier 🔅

        Ähm… also was ist er denn dann? Wir beide reden schon vom gleichen Fahrzeug?

        https://www.xpeng.com/x9

  6. Stefan K. 🔅

    Wenn die Front sich an klassischeren Mercedes-Vans orientiert hätte, wie dem Vito oder EQV, dann ja, aber so finde ich den eher abschreckend.

    Naja, bin eh nicht die Zielgruppe, geschweige denn Gehaltsklasse. 😅

  7. Dom 🏆

    Naja, also preislich ist der doch echt „attraktiv“. In Relation zu dem was Mercedes sein will und im Vergleich zum ID.Buzz find ich das für Mercedes Verhältnisse okay.

    1. Robert 💎

      Also, wenn du es wirklich nur als Familienauto willst, wirst du unter 80.000 nicht wegkommen

      1. Dom 🏆

        Das ist halt der Preis für nen Mercedes. Es ist ausschließlich in Relation okay für das Gebotene.
        Eigentlich wäre der Kia PV5 die perfekte Wahl, aber da muss man mMn viel zu viele Kompromisse machen (Ladedauer, Reichweite).

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