Vibe Coding: Warum KI bei Apps für uns kein Ausschlusskriterium ist

Uns erreichen inzwischen praktisch täglich E-Mails von Menschen, die eine neue App entwickelt haben. Mal steckt ein einzelner Entwickler dahinter, mal ein kleines unabhängiges Team und mal jemand, der das Projekt neben seinem eigentlichen Beruf umgesetzt hat. Und bei einem erstaunlich großen Teil dieser Apps spielt KI bei der Entwicklung eine wichtige Rolle.

Gefühlt dürfte inzwischen deutlich mehr als die Hälfte der Apps, die uns auf diesem Weg erreichen, zumindest teilweise „vibecoded“ sein. Also mit Werkzeugen entstanden sein, bei denen künstliche Intelligenz beim Schreiben, Überarbeiten oder Strukturieren des Codes hilft. In den Leserkommentaren wird genau das allerdings immer wieder beinahe reflexartig als Kritikpunkt aufgegriffen.

„Ist das vibecoded?“ oder „Wurde die App mit KI gebaut?“ klingt dann häufig so, als wäre die Antwort auf diese Frage bereits ein Qualitätsurteil. Für uns ist sie das nicht.

KI beim Programmieren ist längst Alltag

Wer heute Software entwickelt, wird an KI-Werkzeugen kaum noch vorbeikommen. Das gilt für einzelne Hobbyentwickler genauso wie für professionelle Entwickler in Unternehmen. KI kann Code erklären, Fehler suchen, Funktionen umsetzen, Tests erstellen oder schlicht repetitive Arbeit beschleunigen.

Entscheidend ist deshalb aus unserer Sicht nicht, ob KI benutzt wurde, sondern was am Ende dabei herauskommt.

Funktioniert die App zuverlässig? Ist die Idee sinnvoll? Löst sie ein echtes Problem? Ist sie vernünftig gestaltet? Kann der Entwickler erklären, wie seine Anwendung funktioniert und warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden? Und natürlich gehört auch die Frage dazu, ob beim Thema Datenschutz und Sicherheit sauber gearbeitet wurde.

Eine schlechte App wird nicht dadurch besser, dass jede einzelne Zeile Code von Hand geschrieben wurde. Umgekehrt wird eine gute App nicht automatisch schlechter, nur weil ein großer Teil des Codes mithilfe einer KI entstanden ist.

Uns interessiert das Gesamtpaket

Wir schauen uns regelmäßig Apps an, die uns von ihren Entwicklern vorgestellt werden. Dabei gibt es keinen Automatismus. Nur weil uns jemand anschreibt, entsteht daraus noch lange kein Beitrag.

Interessant wird eine App für uns dann, wenn das Gesamtpaket stimmt. Dazu gehört eine nachvollziehbare Idee, ein erkennbarer Nutzen und im besten Fall ein Entwickler, der auch auf Rückfragen eingehen kann und weiß, was hinter seinem eigenen Produkt steckt.

Gerade bei kleinen Projekten kann KI außerdem etwas ermöglichen, was früher vielleicht gar nicht wirtschaftlich gewesen wäre. Eine Person kann heute eine Anwendung umsetzen, für die vor einigen Jahren möglicherweise ein kleines Entwicklerteam nötig gewesen wäre. Das kann Entwicklungszeiten verkürzen und Kosten massiv reduzieren.

Und manchmal führt genau das dazu, dass eine App überhaupt erst entsteht.

Das finde ich grundsätzlich eher spannend als problematisch. Gute Ideen müssen schließlich nicht daran scheitern, dass jemand kein Budget für fünf Entwickler hat.

Vibe Coding ist weder Gütesiegel noch Warnschild

Natürlich hat die Entwicklung mit KI auch ihre Schattenseiten. Wer sich Code generieren lässt, den er selbst nicht versteht, kann Fehler übersehen. Sicherheitslücken verschwinden ebenfalls nicht dadurch, dass eine KI den Code geschrieben hat. Und eine schnell zusammengeklickte App ohne Konzept wird durch einen hübschen KI-generierten Unterbau noch lange nicht zu einem guten Produkt.

Deshalb sollte man genauer hinsehen.

Aber genau das gilt letztlich für jede Software.

Für uns ist „mit KI entwickelt“ daher weder ein Qualitätsmerkmal noch ein Ausschlusskriterium. Es ist zunächst einmal lediglich eine Information darüber, wie ein Werkzeug entstanden ist. Wir wünschen uns jedoch auch, dass Entwickler transparent damit umgehen und nicht versuchen, das zu verheimlichen. In der Regel merkt man es sowieso.

Wenn eine App gut gemacht ist, eine interessante Idee verfolgt, ein Problem sinnvoll löst und unseren Lesern einen Mehrwert bietet, dann werden wir sie auch weiterhin vorstellen. Ganz unabhängig davon, ob der Entwickler jede Zeile selbst getippt oder sich dabei massiv von KI unterstützen lassen hat.

Ich glaube sogar, dass wir uns an diese Diskussion ziemlich schnell gewöhnen müssen. Der Anteil von Software, bei deren Entwicklung KI überhaupt keine Rolle gespielt hat, dürfte in den kommenden Jahren eher kleiner als größer werden.

Am Ende sollte deshalb nicht die Frage lauten: „Ist das vibecoded?“

Sondern: „Ist es gut?“


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  1. Leif 🏅

    Gerade für den Eigenbedarf empfinde ich Vibe Coding als ziemlichen GameChanger – denn seien wir mal ehrlich … oftmals sind vorhandene Apps zwar nicht schlecht, aber sie versuchen halt die Bedürfnisse einer großen Masse zu treffen und fokussieren sich (aus guten Gründen) weniger auf sehr individuelle Workflows.

    Ich hab mir in den letzten Monaten so einige kleine Tools & Apps für den rein privaten Gebrauch gebastelt die ich im Alltag nicht mehr missen möchte und finde der Artikel trifft es ganz gut. Am Ende bleiben weiterhin ein sehr ausgiebiges (und oft zeitaufwendiges) Testen, Optimierung im Alltag, Design / UX Entscheidungen usw mit das wichtigste. Eine gute Idee und viel Zeit für Optimierungen wird ne KI auch nicht so leicht ersetzen – aber sie macht vieles zugänglicher.
    Es gibt halt auch viele Bereiche wo es sehr vorteilhaft sein kann wenn die Person die etwas entwickelt auch direkt aus der Zielgruppe stammt, und es eben nicht externe Entwickler sind die mit dem Thema eigentlich nichts mit dem Problem was gelöst werden soll zu tun haben. Da scheitert es gern an der Kommunikation und Interpretation.

    Ich glaub das wird so ein bisschen die Zukunft – dass man sich für viele Dinge einfach eigene Apps entwickelt. Zumindest in den Bereichen die nicht extrem komplex oder sicherheitsrelevant sind. Bin gespannt wie sich das auf den „klassischen“ App Markt auswirken wird. Dort dürfte dann sowohl ein Preis- als auch Qualitätsdruck entstehen.

    Bei veröffentlichen Apps wäre ich dann aber auch immer etwas vorsichtig. Bleibt halt immer die Frage wie gut die „Entwickler“ dann im Alltag grundlegende Dinge einhalten. Trennen sie sauber die dev von der produktiven Umgebung? Wie sicherheitsbewusst gehen sei mit den Sign Keys und sowas umn. Aber die Risiken gab es ja schon immer. Ob es nun früher Leute waren die ihre erste App entwickeln oder nun welche die mit Vibe Coding starten. Ist dann mehr eine Frage ob sie sich solcher Themen bewusst sind und wie sie mit denen umgehen.

  2. Mårtiň 💎

    Am Ende liest man ja genauso einen Blog wie diesen hier, weil die Betreiber beziehungsweise Autoren die Auswahl für mich übernehmen und ich bin jetzt nun viele Jahre hier dabei und finde die Auswahl nicht nur bei Apps aber vor allem auch da sehr gut. Von daher spielt auch ein gewisses Vertrauen mit, dass ihr schaut, was sind das für Apps und sind hier wirklich nützlich und steckt da eine nützliche Idee dahinter oder nicht. Es ist natürlich absolut illusorisch, dass man an KI in diesem Bereich irgendwie noch vorbeikommt

  3. Valentin ☀️

    Ich muss sagen so intensiv hab ich darüber bisher noch nicht nachgedacht und für mich hatte das auch immer ein bisschen negativen Geschmack aber das liegt vor allem daran, dass man bei manchen „Entwicklern“ das Gefühl hat sie wollen die schnelle Mark machen mit irgendeiner App, die die KI mal eben gemacht hat. Bei Apps wo man merkte, hat sich ein Mensch wirklich Gedanken gemacht ist es natürlich was anderes, das Thema ist gar nicht so einfach. Ich vermute, auf lange Sicht werden Apps sowieso aussterben, weil jeder normale Nutzer einfach sagt, was er machen will und sein System im Zweifel live eine App baut.

    1. Leif 🏅

      Denke ich auch. Vielleicht hat es auch einen positiven Effekt auf den Markt, da man sich nun für viele Dinge relativ fix eigene Alternativen schaffen kann. Gerade in App Bereichen die sonst von viel Werbung oder überzogenen Abosgebühren geprägt sind.

      Mit nem 20$ Claude Pro Plan bekommt man in einem Monat schon sehr viel hin wenn man zeitlich etwas flexibel ist und Spaß dran hat. Da überlegt man sich dann 3x ob man für ne eher simple App 20-40€ im Jahr an Abo zahlt, oder sich nicht davon lieber für 1-2 Monate nen Claude Abo holt und sich für mehrere Apps eigene Alternativen baut.

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