Der Bundestag hat den ersten Teil der Führerschein-Reform wie erwartet beschlossen, die den Erwerb der Fahrerlaubnis günstiger und flexibler machen soll.
Die Bundesregierung will Fahrschulen von Bürokratie entlasten und neue Ausbildungsformen ermöglichen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hält Einsparungen von bis zu 1.000 Euro für möglich. Der Pkw-Führerschein kostet derzeit durchschnittlich rund 3.400 Euro. Ob die Reform tatsächlich zu einer spürbaren Entlastung führt, ist allerdings umstritten.
Führerschein-Reform: Diese Änderungen sind geplant
Das Reformpaket betrifft sowohl die theoretische als auch die praktische Ausbildung. Besonders weitreichend ist die geplante Möglichkeit, Fahrpraxis außerhalb der Fahrschule zu sammeln.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:
- Online-Theorie: Die Präsenzpflicht soll entfallen. Fahrschüler könnten vollständig digital lernen. Der Fragenkatalog soll von 1.169 auf rund 840 Fragen schrumpfen.
- Übungsfahrten mit Angehörigen: Nach bestandener Theorieprüfung und sechs praktischen Fahrstunden sollen private Übungsfahrten möglich werden. Begleitpersonen benötigen mindestens sieben Jahre Fahrerfahrung und dürfen höchstens einen Punkt in Flensburg haben.
- Weniger Sonderfahrten: Die bisher zwölf vorgeschriebenen Sonderfahrten sollen auf drei reduziert werden. Je eine Überland-, Autobahn- und Nachtfahrt bleibt verpflichtend.
- Kürzere Fahrprüfung: Die praktische Prüfung soll von 55 auf 40 Minuten verkürzt werden, davon 25 Minuten reine Fahrzeit.
- Mehr Preistransparenz: Fahrschulen sollen ihre Preise zentral melden, damit Verbraucher Angebote besser vergleichen können.
Die sogenannte Laienausbildung soll zunächst fünf Jahre lang erprobt werden. Die Bundesländer können selbst entscheiden, ob sie daran teilnehmen. Zusätzlich ist eine Hospitationsfahrt vorgesehen, bei der die Fähigkeiten des Fahrschülers vor dem Wechsel zur privaten Übung überprüft werden sollen.
ACE sieht Chancen, zweifelt aber an den Einsparungen
Der ACE Auto Club Europa begrüßt die Modernisierung grundsätzlich, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. Die angekündigten Einsparungen seien keineswegs garantiert. Fahrschulen müssten Kostenvorteile tatsächlich weitergeben, Fahrschüler weniger Unterricht benötigen und private Übungsfahrten überhaupt möglich sein.
Marc-Philipp Waschke-Deden, Führerschein-Experte beim ACE, erklärt:
Die Reform schafft neue Möglichkeiten, aber keine Garantie für einen günstigeren Führerschein!
Wesentliche Kostentreiber wie gestiegene Betriebskosten, der Fahrlehrermangel und teure Prüfungswiederholungen würden nur teilweise angegangen. Der ACE fordert deshalb ein sogenanntes Führerschein-BAföG, um junge Menschen finanziell zu unterstützen, die auf eine Fahrerlaubnis angewiesen sind.
Kritik übt der Automobilclub außerdem daran, dass die ursprünglich geplante Veröffentlichung der Bestehensquoten von Fahrschulen vorerst nicht umgesetzt werden soll. Dadurch fehle Verbrauchern eine zusätzliche Vergleichsmöglichkeit.
Bei privaten Übungsfahrten fordert der ACE verbindliche Qualitätsstandards. Die zusätzliche Hospitationsfahrt dürfe keine bloße Formalität werden. Positiv bewertet der Club hingegen die neue Verpflichtung der Fahrlehrer zu einem respektvollen, diskriminierungs- und belästigungsfreien Umgang mit Fahrschülern.
Auch mögliche Veränderungen des Fahrschulmarktes sollten wissenschaftlich untersucht werden. Der ACE befürchtet unter anderem, dass zusätzliche Versicherungskosten mögliche Einsparungen wieder aufzehren könnten.
Noch ist die Reform nicht vollständig abgeschlossen. Der Bundesrat muss sich mit den entsprechenden Regelungen befassen. Die nächste Sitzung findet am 20. November statt. Als Starttermin ist derzeit Juli 2027 vorgesehen.
Digitaler Führerschein soll Ende November 2026 starten
Unabhängig von der geplanten Fahrschulreform steht eine weitere Neuerung bevor. Nach Angaben des ADAC soll der digitale Führerschein bereits Ende November 2026 in Deutschland eingeführt werden. Dass er kommt, wussten wir bereits, das Datum war bisher aber unklar.
Autofahrer können ihren Führerschein dann auf dem Smartphone hinterlegen und bei Verkehrskontrollen als Nachweis verwenden. Der bisherige Kartenführerschein muss bei Fahrten innerhalb Deutschlands damit nicht mehr zwingend mitgeführt werden, sofern der digitale Nachweis verfügbar ist.
So soll der digitale Führerschein funktionieren:
- Die Speicherung erfolgt über die kostenlose i-Kfz-App des Kraftfahrt-Bundesamtes.
- Zur Einrichtung wird die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises einschließlich PIN benötigt.
- Der digitale Führerschein gilt zunächst ausschließlich in Deutschland.
- Der bisherige Kartenführerschein bleibt gültig und kann weiterhin verwendet werden.
Bei Fahrten ins Ausland muss der physische Führerschein deshalb weiterhin mitgenommen werden. Ein europaweit gültiger digitaler Führerschein ist im Rahmen der neuen EU-Führerscheinrichtlinie ebenfalls vorgesehen, wird aber erst in einigen Jahren erwartet.
Während der digitale Führerschein schon in wenigen Wochen den Alltag erleichtern könnte, wird die eigentliche Führerschein-Reform deutlich länger brauchen. Für angehende Autofahrer ist vor allem die Kostenfrage relevant. Neue Lernmöglichkeiten und weniger Pflichtstunden sind durchaus interessant, aber eine Ersparnis von 1.000 Euro lässt sich daraus noch lange nicht automatisch ableiten.
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