LG

LG G3 Testbericht

Wenn man im Jahr 2014 einen Test für ein Android-Flaggschiff schreibt, muss man sich sehr anstrengen, dass man nicht einfach den Wortlaut von 2013 wiederholt. Die meisten großen Hersteller (HTC, Samsung) haben sich damit eingerichtet, alten Wein in neuen (größeren) Schläuchen zu verkaufen und selbst die Underdogs (OnePlus, Oppo) liefern ein Abziehbild nach dem anderen und setzen darauf, dass der Preis als Alleinstellungsmerkmal schon ausreichen wird.

Und trotzdem gibt es noch Überraschungen. Das LG G3 zum Beispiel.

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Die ersten Jahre nahm ich LG im Smartphonemarkt einfach nur als “me too”-Fabrik von Samsung wahr. Ebenso viele Modelle, die sich alle nicht wirklich auseinanderhalten ließen und Softwareanpassungen, die das Handling durch die Bank weg verschlechterten sind mir bis heute ins Hirn gebrannt. Aber irgendwann zwischen Galaxy S3 und Optimus G hat LG die Kurve gekriegt. Nach dem Überraschungshit G2 letztes Jahr folgt dieses Jahr mit dem G3 ein Telefon, das ordentlich Vorschusslorbeeren für sein Design bekommen hat. Ob es auch in allen anderen Disziplinen überzeugen kann, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest.

Außerdem habe ich natürlich auch ein kleines Video für euch zusammengeschnitten. Einfach oben anklicken und berieseln lassen!

Technische Daten

Alle Android-Flaggschiffe einer Generation liegen technisch extrem nah bei einander. Meistens unterscheidet sich nur ein Detail bei den jeweiligen Spezifikationen. Hier die Daten des LG G3

  • Qualcomm Snapdragon 801 (2,5 GHz Quadcore)
  • 5,5-Zoll Quad HD IPS (2560 x 1440, 538 ppi) Display
  • 16/32 GB Speicher, 2/3GB DDR3 RAM, micro SDXC Slot (bis zu 2 TB, wenn sie denn auf den Markt kommen) (unser Testgerät ist die 16gig/2GB Version)
  • 13 MP Kamera mit OIS+ und Laser-Autofokus / Selfiekamera 2,1 MP
  • 3.000 mAh Akku
  • Abmessungen: 146,3 x 74,6 x 8,9 mm
  • Kampfgewicht: 149g
  • Standard heutzutage und auch beim G3 fehlen nicht: WLAN, LTE, NFC, Bluetooth, GPS

Hardware

Display

LG hat es mit dem G3 geschafft, dass sich 5,5 Zoll Displaygröße in der Hand anfühlen wie 4,7 Zoll. Mein aktuelles Alltagsmodell ist das HTC One classic und vom Handling her unterscheiden sich beide Geräte in meinen Augen praktisch nicht. Das liegt zum einen daran, dass das One ordentlich aufträgt, aber die LG Designer haben auch einen extrem guten Job gemacht.

LG gibt an, dass das Verhältnis von Bildschirm- zu Gesamtoberfläche bei über 76% liegt. Damit einher gehen extrem dünne Displayränder. In meinen Augen ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sind zu große Displayränder unnötiger Ballast, andererseits leidet bei zu dünnen Displayrändern die Stabilität und die Software muss speziell angepasst werden, um Fehleingaben durch dicke Finger zu vermeiden. Zumindest letzteres schafft das LG G3 spielend.

Ich hatte nie irgendwelche versehentlichen Taps. Was aber auch daran liegen kann, dass ich das Gerät die meiste Zeit über mit zwei Händen bedient habe. Denn so klein das Handy wirkt – einhändige Bedienung hat sich (zumindest für mich) erledigt.

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Das Display kann aber nicht nur durch schiere Größe punkten: Sowohl die Blickwinkelstabilität als auch die Farben sind hervorragend. Dazu läutet das G3 die Post-Full-HD Ära ein: 2560 x 1440 Pixel, das sind über drei Megapixel und obwohl das G3 diese Datenfülle spielend bewältigt und es daran nicht wirklich etwas auszusetzen gibt, frage ich mich, wo das Ganze hinführen soll. 538 PPI sind keine sinnvolle Verbesserung mehr, sondern einfach nur noch Marketing, damit LG auf dem Datenblatt den Längsten hat angeben kann.

Dazu kommt, dass einige Apps mit der Auflösung schlecht umgehen können. Trotzdem gehört das Display des G3 natürlich zum besten, was man momentan in einem Smartphone findet und sollte auch kritische Scharfseher zufrieden stellen.

Kamera

Das zweite Highlight des G3 ist die 13 Megapixel Kamera mit Laser-Autofokus. Und diese Kamera hat echt was drauf! Im Rahmen ihrer Möglichkeiten schießt die Kamera des G3 ziemlich gute Fotos, die nicht nur auf dem Display, sondern auch auf dem großen Bildschirm sehr knackig und farbenprächtig daherkommen.

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Ich bin kein großer Fan davon, mich tief in Kameramenüs zu graben, um die beste Einstellung herauszufinden. Wenn ich mit dem Handy fotografiere, dann muss es schnell gehen. Die Kamera-App des G3 ist nicht überladen mit Funktionen, sondern beschränkt sich auf das Wesentliche – das gefällt mir. Der Autofokus benutzt jetzt Laser für die Entfernungsmessung und ist sehr schön fix. Außerdem klappt das Fokussieren auch in dunkleren Situationen.

Eine kleine Galerie mit Beispielbildern findet ihr wie immer bei Google+.

Auch Videos klappen ganz gut mit der Kamera. Wie auch beim G2 gibt es die Möglichkeit, 4k aufzunehmen, was besonders cool ist, wenn man später das Video noch zuschneiden oder entwackeln will.

Verarbeitung

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Ich schreibe es frei heraus: Das G3 fühlt sich genau so gut an wie es aussieht. Die Rückseite ist abgerundet und es gibt keine scharfen Kanten. Auch wenn das Handy komplett aus Plastik besteht, hat mich das nie wirklich gestört. Immerhin wird das G3 nicht ganz so schwer wie ein HTC One. Außerdem sieht das Plastik auf der Rückseite gebürstetem Alu verdammt ähnlich (und zwar nicht auf eine zombiemäßige Art wie das „Leder“ beim Galaxy S5). Die Rückseite bleibt weitgehend frei von Fingerabdrücken und bleibt immer schön anzusehen.

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Die Knöpfe auf der Rückseite sind wie schon beim G2 im wahrsten Sinne des Wortes gewöhnungsbedürftig, aber die Gewöhnung dauerte bei mir ca. zwei Tage. Danach war die Bedienung ein Kinderspiel. Am Anfang hatte ich Bedenken, ob ich mit dem Finger nicht auf die Kamera patsche wenn ich das Handy bediene, aber das kam sehr selten vor. Das liegt zum Großteil daran, dass die Knöpfe super ertastbar sind.

Die Seiten des Telefons sind wunderbar frei von Knöpfen und können somit sehr schön schmal zusammenlaufen, was das Handy insgesamt noch graziler macht.

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Zusammengefasst ist das Design des LG G3 in meinen Augen extrem gelungen. Genau so soll ein Smartphone im Jahr 2014 aussehen und sich anfühlen. Übrigens: sogar der Kopfhörereingang ist auf der richtigen Seite! (nämlich unten)

Software

Von außen macht das G3 also eine super Figur, dazu kommen das super Display und die tolle Kamera – also wo ist der Haken?

In der Vergangenheit war LG einer der schlimmsten Sünder wenn es um Verschandelung Umgestaltung des Android Systems ging. Und auch beim G3 ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Aber LG passt sich zum Glück dem allgemeinen Flachheitstrend an und hat seine Oberfläche optisch vereinfacht.

Das ändert nichts daran, dass ich bei der Inbetriebnahme fast 15 Minuten damit beschäftigt war, AGBs und Hinweisgrafiken zu lesen. Natürlich ist das vorgeschrieben und natürlich bleibe ich bei keinem neuen Handy davor bewahrt, aber die erste Erfahrung, die ein Neukäufer mit der Software macht, ist eine zutiefst bürokratische.

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Eine zweite Unart, die bei vielen großen Herstellern grassiert, ist die Angewohnheit, für so ziemlich jede Funktion des Systems einen Knopf einzubauen. Ernsthaft: Warum soll ich mich entscheiden, ob das Einstellungsmenü als Liste oder in Tabs dargestellt werden soll?

Zum Glück haben einige Hersteller damit angefangen, wichtige Apps ihrer Systeme in den Play Store auszulagern. Was hauptsächlich dafür gedacht ist, Updates schneller verteilen zu können, hat auch den Vorteil, dass ich mich entscheiden kann, ob ich eine App installiert lasse oder nicht. Ich sehne den Tag herbei, an dem alle Hersteller Stock-Android nutzen und sich nur durch durchdachte Apps mit einzigartigen Funktionen unterscheiden. Ungefähr so wie Nokia/Microsoft das mit den Lumias macht.

Aber so weit ist es noch nicht. Und so lange müssen wir damit leben, dass LG einen Launcher programmiert hat, der trotz des 2,5 GHz Quadcore Prozessors ruckelt. Ihr seht das im Video oben sehr gut. Zum Glück gibt es den Nova Launcher, mit dem das G3 so lief, wie ich es erwartet habe. Nämlich butterweich und (fast) immer frei von Rucklern. Die Performance ist über jeden Zweifel erhaben (nur halt nicht mit dem Standard Launcher), auch ohne, dass ich dies mit Benchmarks nachgemessen hätte. Wenn gerade Apps installiert werden, gibt es den einen oder anderen Schluckauf, aber das habe ich noch bei keinem Android-Telefon anders erlebt.

Das G3 bietet auch noch jede Menge Zusatzapps, die alle mehr oder weniger sinnvoll sind. Zu den weniger sinnvollen zählen sicher McAfee und die Smart World. Ersteres ist einfach nur Bloatware, die ich am liebsten sofort deinstallieren würde und zweiteres ist sowas wie ein Appstore, in dem man auch Designs fürs G3 herunterladen kann. Für mich persönlich ist das nichts und daher habe ich die beiden Apps nicht weiter beachtet.

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Die coolste Erweiterung ist Dual Window, mit dem man zwei Apps gleichzeitig laufen lassen kann. Das klappt leider nur mit bestimmten Apps, aber wenn die Navigation mal zu eintönig ist, kann man wenigstens nebenbei YouTube schauen. 😉

Die zweite Überraschung war für mich die Tastatur, die LG ziemlich gut gelungen ist. Diese lässt sich in der Höhe verstellen und hat ein ziemlich gutes Tippgefühl. Ich verschreibe mich damit deutlich seltener als mit der HTC Tastatur.

Weitere Screenshots der Oberfläche findet ihr in der Galerie von René:

Galerie

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Akku

Bei all den schönen Features und dem riesigen Display müsste das G3 eigentlich permanent an der Steckdose hängen. Aber der 3000 mAh starke Akku hält erstaunlich lang durch. Ich kam mit einer Akkuladung durch einen Arbeitstag, eine Strandparty mit vielen Bildern und Videos, die ganze Nacht und bis 18 Uhr des darauf folgenden Tages. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt mal mein Handy eine Nacht nicht aufgeladen habe. Klar, der Akku ist neu und wird natürlich irgendwann nachlassen, aber trotzdem ist der Eindruck, den der Akku des G3 abliefert, sehr positiv.


(es war kein Bug)

 Was noch?

  • Das Handy ist mir in zwei Wochen ein Mal in der Nacht einfach ausgegangen, obwohl es am Strom hing. Nicht schön, wenn man das G3 als Wecker nutzt. Ich hoffe auf ein zukünftiges Update.
  • Das Handy wird bei Benutzung in der Sonne recht schnell warm und regelt dann die Helligkeit nach unten. Gerade in der Sonne blöd. Da wäre es sicher sinniger, den Prozessor stärker herunterzutakten. Auch beim anfänglichen Apps installieren wurde das Handy recht warm. Irgendwo muss die ganze Performance halt hin.
  • Die Sprachqualität beim Telefonieren ist guter Durchschnitt. Ich war immer gut zu verstehen und ich habe auch mein Gegenüber gut verstanden.
  • Der Lautsprecher ist wirklich laut und zum Freisprechen (auch im Auto) gut zu gebrauchen, aber Musik oder Videos anhören mag ich damit nicht. Das mag auch daran liegen dass ich vom HTC One verwöhnt bin. Den Lautsprecher verdeckt man allerdings auch recht schnell mit einem Finger.
  • Einige Apps kommen mit der hohen Auflösung nicht klar. Die Spiegel Online App zum Beispiel zeigte in der Benachrichtigungsleiste nur ein winziges Icon:
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Fazit

Mit dem G3 hat LG es geschafft, die wenigen Schwächen des G2 von 2013 auszubügeln. Der Kunststoff ist hochwertiger, das Display ist größer, die Kamera ist besser, die Software ist erträglicher. Eine Verbesserung in so vielen Bereichen hätte ich (und viele andere) LG nicht zugetraut.

Das G3 ist eines der komplettesten Android-Telefone, die ich bisher testen durfte. Natürlich gibt es Schwächen wie die mittelmäßige Performance mit dem Standardlauncher und den in meinen Ohren eher schlechten Lautsprecher, aber irgendwas ist ja immer und Geschmäcker sind ja sowieso verschieden.

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Vielleicht wäre beim G3 aber an einer Stelle weniger mehr gewesen: Ich wage zu bezweifeln, dass irgendjemand es LG übel genommen hätte, wenn „nur“ ein 1080p Display verbaut gewesen wäre. Das hätte den Strombedarf gesenkt und die Akkulaufzeit wäre noch besser geworden.

Natürlich ist die Wahl eines Android-Flaggschiffes auch 2014 nicht leicht, denn egal ob One M8, S5 oder Z2 – auch die Konkurrenz hat extrem gute Geräte im Angebot. Eine Pauschalempfehlung kann ich daher nicht aussprechen, aber es gibt verdammt wenig Gründe, das LG G3 nicht zu kaufen.

Was sagt ihr zum G3?

Das Testgerät wurde uns freundlicherweise von 1&1 zur Verfügung gestellt.

Wertung des Autors

Hannes Reinberger bewertet LG G3 mit 4.8 von 5 Punkten.

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