Das staatlich organisierte Standarddepot zur neuen Altersvorsorge verzögert sich und könnte möglicherweise ganz entfallen.
Ab Januar 2027 soll das Altersvorsorgedepot die bisherige Riester-Förderung ablösen. Staatliche Zuschüsse, höhere Renditechancen und geringere Kosten sollen die private Altersvorsorge attraktiver machen. Während Banken bereits um Kunden werben, fehlt ausgerechnet das geplante öffentliche Vergleichsangebot.
Altersvorsorgedepot: Staatliches Standardangebot auf der Kippe
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, prüft das Bundesfinanzministerium weiterhin die Umsetzung des öffentlichen Standarddepots. Einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen zufolge verfügt bislang keine Behörde über die notwendigen Verwaltungsstrukturen. Hinzu kommen europarechtliche Hürden, etwa bei einer möglichen Zusammenarbeit mit privaten Finanzdienstleistern.
Das Ministerium verweist außerdem auf bereits angekündigte Privatangebote, deren Kosten deutlich unter der gesetzlichen Obergrenze von einem Prozent liegen sollen. Ein staatliches Produkt könnte damit aus Sicht des Ministeriums weniger dringlich erscheinen.
Verbraucherschützer sehen das anders. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bezeichnet das öffentliche Standardprodukt als wichtigen Preisanker. Es könne verhindern, dass zunächst günstige Angebote später deutlich teurer werden.
Auch der Grünen-Finanzexperte Stefan Schmidt warnt vor einem Verzicht. Gerade die Aussicht auf staatliche Konkurrenz könne den aktuellen Preiswettbewerb unter privaten Anbietern befördert haben.
Keine Eile beim Neuabschluss
Für Sparer sind die Unterschiede keineswegs nebensächlich. Selbst geringe jährliche Kostenabweichungen können sich über Jahrzehnte auf mehrere Zehntausend Euro summieren. Nauhauser empfiehlt deshalb, mit einem Neuabschluss oder Wechsel zunächst zu warten. Bis Ende 2027 dürften mehr Angebote und Vergleichsmöglichkeiten vorliegen.
Die Reform verspricht eine attraktivere private Altersvorsorge. Ohne ein öffentliches Standarddepot fehlt allerdings ein unabhängiger Maßstab, an dem sich die Konditionen privater Anbieter messen lassen. Gerade bei langfristigen Sparverträgen wäre das ein spürbarer Nachteil.
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