BMW war mit Elektroautos in den letzten Jahren sehr erfolgreich, erfolgreicher als Audi oder Mercedes, obwohl man keine spezielle Plattform für diese hatte. Alle Modelle basierten auf einer Mischplattform, mit der auch die Verbrenner gebaut werden. Das ändert sich ab jetzt und BMW nennt diesen Schritt „Neue Klasse“.
Wobei Neue Klasse für die neue Optik und Technik steht, nicht jedes neue Modell mit Elektroantrieb nutzt die neue Plattform für Elektroautos. Aktuell sind es nur der neue BMW iX3, den ich mir angeschaut habe, und der kommende BMW i3, denn es gibt erstmals einen elektrischen 3er bei uns. Es ist ein Neustart für Elektroautos.
PS: Es gibt noch ein reines Elektroauto bei BMW, bzw. gibt es noch, den iX. Sollte es aber bald einen iX5 und iX7 geben, wird dieser vermutlich keine Zukunft haben.
BMW iX3: Die Optik kommt gemischt an
Bisher war es so, dass die Elektroautos von BMW zwar technisch nicht immer ganz oben mitspielten, aber sie kamen gut an, weil man ein Modell kaufte und sich dann für einen Antrieb entschied. Der 4er sah aus wie der i4, der X3 wie der iX3 und so weiter. Doch der neue BMW iX3 unterscheidet sich sehr deutlich vom BMW X3.
Der Verbrenner dürfte noch nachziehen, aber dieser Unterschied kommt bisher nicht bei allen in meinem Umfeld an. Allgemein finde ich die neue Designsprache der Neuen Klasse nicht immer gut. Viele Elemente gefallen mir, endlich ist die Niere wieder dezenter, andere aber nicht, die Lichter sind mir jetzt etwas zu „globig“.
Doch Design kann man nicht objektiv bewerten, daher bin ich gespannt, wie die Kunden das annehmen werden. Vor allem die Modelle, die jetzt die neue Plattform nutzen wirken „in echt“ anders (der neue i7 sieht weiterhin wie der 7er aus, da er die Mischplattform nutzt). Was aber endlich einen entscheidenden Vorteil mitbringt.
BMW iX3: Da ist der technische Sprung
Was wir bei Audi und Mercedes seit Jahren gewohnt sind, ist endlich auch bei BMW da, der technische Sprung. Inklusive eines Autos, was beim Aufbau so optimiert ist, dass es die Vorteile von einem Elektroauto nutzt. Und es gibt nicht nur den Sprung zu 800 Volt, der überfällig war, es gibt hier auch sonst wirklich sehr gute Technik.
Der neue BMW iX3 50, den ich getestet habe, hat mit 345 kW (469 PS) mehr als genug Leistung, die sich auf zwei Elektromotoren verteilt, die Geschwindigkeit ist kaum eingeschränkt, ich finde 210 km/h reichen locker aus, und schnelles Laden mit bis zu 400 kW ist ein moderner Wert für diese Preisklasse in der heutigen Zeit.
Wirklich beeindruckt hat mich aber die Reichweite mit 800 km nach WLTP-Wert, für einen SUV in dieser Größe ist das extrem gut. Im Alltag bin ich eigentlich nur im Sportmodus und sehr viel Autobahn gefahren und kam dennoch um die 500+ km weit. So wenig „Reichweitenangst“ hatte ich lange nicht mehr bei einem Auto.
Es gibt ein paar Strecken in meinem Alltag, die (einfach) auch mal über 100 km weit sind, teilweise (hin und zurück) dann auch mal fast 300 km. Bisher war es bei den SUVs meistens so, dass ich mich sehr zurückhalten oder einen Ladestopp planen musste, hier bin ich entspannt im Sportmodus und oft über 150 km/h gefahren.
Ohne den BMW iX3 an einem Schnelllader teuer laden zu müssen.
BMW iX3: Schwächen beim Material
Dieser technische Schritt hat seinen Preis, mein Testwagen startet bei 75.000 Euro und meine Version, so wie sie bei mir stand, lag weit darüber. Für einen X3 sehr teuer, auch wenn günstigere Versionen kommen. Dann gibt es aber eben unter 650 km Reichweite und dann wird die oben erwähnte Strecke direkt etwas sportlicher.
Über die Optik kann man streiten, bei der Technik habe ich nichts zu meckern, es ist auch ein sehr gutes und weiches Fahrwerk (weniger sportlich, so eine Leistung würde man also gar nicht zwingend benötigen), aber ich weiß nicht, wieso BMW, die hier bisher überzeugt haben, ausgerechnet beim Material nachgelassen hat.
Da wären durchaus viele „Billig-Plastik-Elemente“ im Innenraum. Klar, das, was man sieht und häufig berührt, ist hochwertig und schön, aber man darf wirklich nicht zu sehr davon abweichen, dann wird es für diese Preisklasse so schnell grenzwertig. Hier und da hätte ich mir im „nicht fühlbaren“ Bereich mehr Qualität gewünscht.
Berührt man nicht so häufig, aber es ist eben ein sehr teures Auto.
Doch das größte Problem ist das neue Lenkrad. Haptisch wirklich gut, davon war ich überrascht, optisch, nun, man gewöhnt sich dran, aber die Tasten sind für mich ein großer Rückschritt. Schlecht zu fühlen, keine guten Druckpunkte (weil keine echten Tasten) und vor allem auch ein unlogischer und viel zu komplexer Aufbau.
BMW iX3: Neue Software und Display
Müsste ich etwas ändern, dann würde ich aber nicht nur hier und da beim Material ansetzen, vor allem in der Top-Version und dieser Preisliga, ich würde das Lenkrad sogar komplett überarbeiten und auch das Display angehen. Die Qualität ist wie immer sehr gut, aber die Form ist komisch und passt auch nicht immer bei mir.
Durch die abgeschrägte Form kann ich die Inhalte, wenn ich die rechte Hand am Lenkrad nicht optimal habe, im linken Teil des Displays nicht sehen. Und im rechten Teil sind sie ganz unten viel zu weit entfernt. Und ich habe mit 1,90 nicht unbedingt kurze Arme. Ein quadratisches Display mit optimierter Position wäre hier besser.
Aber ich finde den Aufbau der Software von BMW jetzt deutlich angenehmer und logischer als früher. Und optisch schöner. BMW nutzt teilweise auch Android Automotive, aber ohne Google-Dienste. Es gibt also Apps, aber nicht die volle Auswahl des Google Play Store. Wenn Android, dann gerne direkt mit Google-Apps.
BMW iX3: Mein persönliches Fazit
Der neue BMW iX3 ist für mich das spannendste Elektroauto von BMW (nicht nur das) seit Jahren, denn ich war überrascht, wie gut die Elektroautos bisher doch bei den Kunden ankamen, weil ich selbst die Technik immer kritisch sah. Aber BMW lieferte das gewohnte „BMW-Erlebnis“ mit Elektroantrieb und das kam gut an.
Jetzt weicht man erstmals davon ab und baut einen anderen iX3 als X3 und bringt eine ganz neue Optik, einen ganz neuen Aufbau, eine ganz neue Plattform, eine ganz neue Software, ein ganz neues Lenkrad und vieles mehr. Es ist der technische Sprung, auf den ich seit Jahren bei BMW warte, aber er bringt auch ein Risiko mit.
Grundsätzlich wäre der BMW iX3 aber ein Auto, was ich mir selbst gut vorstellen könnte, wenn er nicht so unglaublich teuer mit passabler Ausstattung wäre. Er ist technisch hervorragend, er hat viel Platz, er fährt sich gut, das ist wirklich eine „Neue Klasse“ bei BMW und die Nachfrage wird zeigen, ob diese gut ankommt.
Kurz: Der BMW iX3 ist ein wirklich tolles Auto, die Technik, grundsätzlich die Qualität, die Assistenzsysteme, das Fahrgefühl, wie auch das One Pedal Driving (das ist bei BMW sehr angenehm), ein sportlicher Sound (der optional ist, mir aber im Sportmodus gut gefällt), das ist ein rundum sehr gelungenes Gesamterlebnis.
Ein paar Punkte sind schade, wie eine Optik, die eine doch stark andere Richtung einschlägt und abschrecken könnte, hier und da Abstriche beim Material, vor allem in der Top-Version, und eben das Lenkrad. Oder der Displaystreifen unter der Frontschutzscheibe. Ganz nett, ich finde aber ein HUD weiterhin besser (gibt es).
Viele Punkte sind sehr subjektiv, die Tasten auf dem Lenkrad werden andere sicher mögen. Grundsätzlich sind es für mich auch keine großen Kritikpunkte, beim iX3 sind es Details, die ich noch ändern würde. Das Auto wäre aber eine Option für mich, wenn es mit der wirklich guten Technik (wie Reichweite) nicht so teuer wäre.
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