Die schleppende Digitalisierung deutscher Behörden ist für 75 Prozent der Unternehmen ein internationaler Standortnachteil.
Das geht aus einer repräsentativen Bitkom-Umfrage unter 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten hervor. Besonders auffällig: Nur 2 Prozent können mit ihren zuständigen Behörden ausschließlich digital kommunizieren. Bei 60 Prozent halten sich digitale und analoge Kommunikationswege die Waage.
Digitale Verwaltung: Unternehmen beklagen lange Wartezeiten
Die Schwierigkeiten gehen weit über Briefe und Faxgeräte hinaus. Viele Unternehmen müssen Informationen mehrfach übermitteln oder zwischen verschiedenen Systemen wechseln. Auch die Bearbeitungszeiten sorgen für Unzufriedenheit.
Die größten Probleme im Behördenkontakt:
- 57 Prozent beklagen lange Wartezeiten auf Termine.
- 57 Prozent nennen umfangreiche Dokumentationspflichten.
- 52 Prozent kritisieren lange Bearbeitungszeiten.
- 43 Prozent müssen dieselben Daten mehrfach einreichen.
- 42 Prozent vermissen Schnittstellen zwischen Unternehmenssoftware und Behördenplattformen.
Insgesamt betrachten 62 Prozent der Unternehmen die Bürokratie als Hindernis für ihre eigene Digitalisierung. Bei Betrieben mit mindestens 500 Beschäftigten sind es sogar 71 Prozent.
Entsprechend fällt das Zeugnis für die Behörden aus. Im Durchschnitt vergeben die Unternehmen die Schulnote 3,9. Ein Viertel bewertet den Digitalisierungsstand sogar als mangelhaft oder ungenügend.
84 Prozent fordern deshalb, dass die Politik der Verwaltungsdigitalisierung höhere Priorität einräumt. Bitkom verweist unter anderem auf die geplante European Business Wallet, mit der Unternehmen digitale Identitätsnachweise und Dokumente einfacher gegenüber Behörden verwenden könnten.
Das eigentliche Problem scheint dabei weniger das Fehlen einzelner Online-Angebote zu sein. Solange digitale Anträge weiterhin Papierunterlagen und manuelle Zwischenschritte erfordern, bleibt der versprochene Effizienzgewinn für Unternehmen überschaubar.
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