Googles kaputtes Bewertungssystem bekommt endlich ein Korrektiv

Die neue Google-Maps-Funktion macht ein kaputtes Bewertungssystem endlich wieder halbwegs brauchbar.
Man muss es so klar sagen: Die alte Bewertungswelt war ein Witz. Nicht, weil Menschen unfair bewerten, sondern weil Unternehmen gelernt haben, wie leicht sich Kritik ausradieren lässt. Ein bisschen „Diffamierung“ rufen, ein Formular ausfüllen, und zack war die Ein-Stern-Warnung verschwunden.
Ja, theoretisch konnte man Einspruch einlegen. Praktisch bedeutete das Aufwand, Zeit und Nerven. Also haben viele einfach aufgegeben. Das Ergebnis war eine künstlich geglättete Realität, in der plötzlich jeder zweite Laden angeblich hervorragend ist. Wer das geglaubt hat, glaubt vermutlich auch an ehrliche Influencer-Werbung.
Und genau hier setzt Google jetzt endlich an. Nicht perfekt, aber längst überfällig.
Google Maps Bewertungen: Warum Transparenz das System retten kann
Der neue Hinweis, wie viele Bewertungen gelöscht wurden, ist mehr als nur eine nette Zusatzinfo. Er ist ein Kontext-Generator. Plötzlich sieht man nicht nur Sterne, sondern auch, wie viel daran herumgedoktert wurde.

Google Maps Screenshot: mobiFlip
Ein Laden mit 4,8 Sternen wirkt eben anders, wenn daneben steht, dass über 200 Bewertungen entfernt wurden. Dann wird aus „Top bewertet“ ganz schnell „Vorsicht ist geboten“. Andererseits kann es auch positiv wirken, wenn bei einer hohen Bewertungszahl nur zwei bis fünf Bewertungen gelöscht wurden. Genau diese Einordnung hat gefehlt.
Google begründet und erklärt den Schritt übrigens mit der hohen Zahl an Diffamierungsanträgen in Deutschland. Übersetzt heißt das wohl: Das Problem war so groß, dass man es nicht mehr verstecken konnte.
[…] Angesichts der hohen Anzahl an Anträgen auf Entfernung wegen Diffamierungen in Deutschland zeigen wir bei Unternehmensprofilen einen Hinweis an, wenn Bewertungen entfernt wurden. […
Natürlich bleibt das System angreifbar. Unternehmen können weiterhin löschen lassen, oft mit erstaunlich niedrigen Hürden. Aber der entscheidende Unterschied ist: Es bleibt sichtbar. Und Sichtbarkeit ist Gift für Manipulation.
Das Ganze wirkt wie ein stiller Machtwechsel. Nicht mehr der Löschantrag entscheidet allein über das Bild, sondern auch die Transparenz danach. Wer zu viel bereinigt, liefert gleich den Verdacht mit.
Am Ende wird Google Maps dadurch nicht perfekt, aber wieder nutzbar. Und das ist nach Jahren der geschönten Bewertungen fast schon eine kleine Revolution.
Oder würdet ihr einem 5-Sterne-Laden noch blind vertrauen, wenn ihr wüsstet, wie viele Bewertungen verschwunden sind?
-->








Die Idee find ich erstmal gut, aber ich finde man sollte auch beide Seiten betrachten.
Gibt ja auch Leute die ohne einer wirklich objektiven Meinung ein Laden abstrafen. Sowas ist dann auch sehr geschäftsschädigend. Sowas wie „Kellnerin hat rote Haare. 1. Stern“ :P
Guter Punkt, und da hast du absolut recht. Es gibt natürlich auch ungerechtfertigte oder schlicht absurde Bewertungen, die für Unternehmen richtig schädlich sein können.
Genau deshalb ist es ja grundsätzlich sinnvoll, dass solche Inhalte gelöscht werden können. Mir ging es im Artikel eher darum, dass dieses Instrument in der Praxis oft sehr leicht genutzt werden konnte und dadurch ein verzerrtes Gesamtbild entstanden ist.
Mit der neuen Anzeige sieht man jetzt zumindest, ob und wie stark eingegriffen wurde. Das hilft, beide Seiten besser einzuordnen und genau das hat vorher gefehlt.