Polizei liest WhatsApp mit: Diese Methode kommt ohne Trojaner aus

Der Zoll setzt eine umstrittene Methode dauerhaft ein, mit der Ermittler verschlüsselte Messenger ohne Staatstrojaner überwachen können.

Ermittler können dafür reguläre Web- oder Desktop-Zugänge von WhatsApp, Telegram, Signal und anderen Messengern nutzen. Ein zusätzlich verbundenes Gerät ermöglicht den Zugriff auf Nachrichten. Der dafür nötige Bestätigungscode lässt sich etwa über ein beschlagnahmtes Smartphone oder eine überwachte SMS erhalten.

Das Zollkriminalamt erprobte die sogenannte Messenger-Überwachung seit Ende 2023. Seit August 2025 steht sie den Ermittlungseinheiten des Zolls dauerhaft zur Verfügung. Das geht aus einem von netzpolitik.org veröffentlichten internen Dokument hervor.

Messenger-Überwachung rechtlich umstritten

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Der Zoll testete die Methode seit Ende 2023.
  • Seit August 2025 gehört sie zum regulären Instrumentarium.
  • Web-Clients können auch ältere Nachrichten synchronisieren.
  • Bei Signal können laut BSI Inhalte der letzten 45 Tage zugänglich werden.

Der Bundesgerichtshof entschied im Januar 2026, dass eine heimliche Aufschaltung auf Messenger-Konten als Quellen-Telekommunikationsüberwachung einzustufen sein kann.

Der IT-Strafrechtler Christian Rückert hält den Einsatz gewöhnlicher Anbieter-Tools jedoch für rechtlich problematisch, weil damit technisch mehr Daten erfasst und sogar Nachrichten verschickt werden könnten, als die gesetzlichen Grenzen erlauben.

Ich halte vor allem die technische Reichweite für bemerkenswert. Wenn normale Messenger-Funktionen zur Überwachung genutzt werden, braucht es aus meiner Sicht besonders klare gesetzliche Grenzen und eine nachvollziehbare Kontrolle.


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