Samsung Galaxy S8 Testbericht

Das Samsung Galaxy S8

Das Samsung Galaxy S8 ist das aktuelle Android-Flaggschiff für das Frühjahr 2017 und heute gibt es den ausführlichen Testbericht zum Spitzenmodell.

Mit dem Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge führte Samsung 2015 eine neue Design-Linie für die Galaxy-Geräte ein. Es gab außerdem erstmals ein Modell mit abgerundeter Kante. 2016 folgte die logische Weiterentwicklung, das Galaxy S7 und Galaxy S7 Edge. Da das später eingeführte Galaxy S6 Edge+ jedoch sehr gut ankam, entschied sich Samsung direkt für ein großes Edge-Modell im letzten Jahr.

Die Strategie ging auf und das S7 ist das bis dato erfolgreichste Galaxy-Flaggschiff von Samsung. 2017 folgt nun mit dem Galaxy S8 und Galaxy S8+ der nächste Schritt. Das Design hat sich nicht großartig verändert, doch der Displayrand ist noch mal kleiner geworden und es gibt für 2017 nur noch zwei große Edge-Modelle.

Beim mittlerweile eingestellten Galaxy Note 7 ging Samsung im letzten Jahr übrigens in die gleiche Richtung. Auch das hätte es theoretisch nur mit abgerundeten Kanten gegeben. Ohne abgerundete Kante gibt es bei Samsung nicht mehr. Ob sich das in Zukunft noch mal ändern wird, ist unklar. Aktuell ist das aber der Stand. Kommt für mich auch nicht überraschend, immerhin war das Galaxy S7 Edge erfolgreicher, als das kleine Galaxy S7. Ob das nun an der Größe (oder der Kante) lag, ist unklar.

Das Samsung Galaxy S7 Edge ist eines der besten Android-Smartphones. Vielleicht sogar das beste von 2016 – zumindest was reine Verkaufszahlen angeht. Ich habe mir also die Frage gestellt, ob das Galaxy S8 nun den Aufpreis wert ist.

Anmerkung: In unserem Test lag uns ein finales Modell des Samsung Galaxy S8 in Silber vor. Das Galaxy S8+ habe ich für diesen Testbericht ignoriert. Beide Geräte unterscheiden sich allerdings nur in ihrer Größe. Das Galaxy S8+ besitzt 0,4 Zoll mehr und einen 500 mAh größeren Akku. Die restliche Ausstattung ist identisch.

Samsung Galaxy S8: Testbericht als Video

Es würde mich freuen, wenn ihr dem Video bei YouTube einen Daumen hoch gebt und bei Interesse unseren Kanal abonniert. Natürlich nur, wenn euch das Video gefallen hat. Damit erkennt YouTube, dass es kein Clickbait ist.

Samsung Galaxy S8: Die Spezifikationen

  • Hersteller: Samsung
  • Modellbezeichnung: Galaxy S8
  • Preis: 799 Euro
  • Verfügbar: Ab dem 20. April 2017
  • Größe: 148,9 x 68,1 x 8 Millimeter
  • Gewicht inklusive Akku: 152 Gramm
  • Betriebssystem: Android 7.0 Nougat mit Samsung Experience 8.1
  • Akku: 3000 mAh
  • Display: 5,8 Zoll mit 2960 x 1440 Pixel
  • Kamera: 12 Megapixel (f1.7)
  • Frontkamera: 8 Megapixel (f1.7)
  • Speicher: 64 GB, erweiterbar
  • CPU: Samsung Exynos 8895
  • RAM: 4 GB

Das sind nicht alle Spezifikationen des Samsung Galaxy S8, weitere Informationen zum Gerät gibt es wie immer auf der offiziellen Produktseite des Herstellers.

Samsung Galaxy S8: Design, Verarbeitung und Haptik

Der Fokus beim neuen Galaxy-Flaggschiff liegt auf dem Design und dem „Infinity Display“, welches sich über einen großen Teil der Frontseite erstreckt. Das sieht sehr gut aus und ist noch mal eine Ecke beeindruckender, als beim Galaxy S7 Edge. Das Design gefällt mir und es ist gut, dass sich Samsung bei allen Farben für eine schwarze Frontseite entscheiden hat. So sieht das Display besser aus.

Was mir beim Design nicht gefällt: Ich bevorzuge eine matte Optik beim Rand und beim silbernen Modell hätten das Silber der Rückseite (welches mehr Grau ist) und das Silber auf der Seite ruhig identisch sein können. Schaut man seitlich auf das Galaxy S8, dann sieht man drei Farben. Was mir noch besser gefallen hätte: Ein grauer Rand. Doch Design ist eine sehr subjektive Sache, würde ich mir das S8 kaufen, dann würde ich ohne zu überlegen zum schwarzen Modell greifen.

Die Verarbeitung ist tadellos. Nichts knarzt und wackelt, alles fühlt sich hochwertig an und die Tasten haben einen sehr guten Druckpunkt. Kann man bei einem 800 Euro teuren Smartphone glaube ich erwarten und hier zeigt Samsung auch keine Schwäche. Der Übergang zwischen Display, Rand und Rückseite ist ebenfalls sehr angenehm, hier gibt es keine scharfen Kanten (nicht selbstverständlich).

Bei der Haptik würde ich zum kleinen Modell greifen, das reicht mir persönlich aus. Ich hatte das Galaxy S8+ auch für ein paar Minuten in der Hand. Das kleine Modell bietet immerhin auch ein 5,8 Zoll großes Display. Würde ich ein größeres Display bevorzugen, würde ich vermutlich auf das Galaxy Note 8 warten, welches dann im Herbst kommt. Das dürfte dem S8 sehr ähnlich (nur eben mit S Pen) sein.

150 Gramm finde ich super beim Gewicht, das ist für mich nicht zu leicht und nicht zu schwer. Knapp 68 Millimeter in der Breite und 8 Millimeter in der Dicke geht für mich auch in Ordnung, in der Höhe hätten es jedoch ein paar Millimeter weniger sein dürfen. Doch auf diesen Punkt möchte ich beim Display noch ausführlicher eingehen. Kurz: Das Galaxy S8 ist für meinen Geschmack etwas zu lang.

Samsung Galaxy S8: Das Infinity Display

Womit wir direkt beim Display, dem zweiten Highlight des Galaxy S8 wären. Das ist ehrlich gesagt schon beeindruckend im ersten Moment. Und auch im Alltag habe ich gemerkt, dass die abgerundeten Seiten optisch super sind. Ich finde den Mehrwert bei den Edge-Funktionen nicht so groß und habe die Funktion nach kurzer Zeit deaktiviert. Für mich ist so ein Display vor allem optisch ansprechend.

Ab und an kommt man mal mit der Handfläche auf eine Kante und löst vielleicht auch mal unbeabsichtigt etwas aus, doch daran gewöhnt man sich. Optisch ist so eine abgerundetes Display allerdings netter, als bei der praktischen Nutzung. Doch ich glaube das würde ich in Kauf nehmen, um diese Optik zu haben. Nur wie gesagt, mehr als eine nette Optik ist diese „Edge“ für mich bisher immer noch nicht.

Das Amoled-Display ist vielleicht das beste auf dem Markt. Laut DisplayMate ist es das auch. Am Ende kommt es natürlich auch darauf an, ob man Amoled, oder LCD bevorzugt. Beide Displaytechnologien sind mittlerweile ausgereift. Amoled bietet den Vorteil eines Always On-Displays (Inhalte wie Anrufe und Nachrichten werden auf dem Standby-Bildschirm angezeigt), ohne viel Akku zu verbrauchen.

Müsste ich wählen, so könnte ich mich vermutlich nicht entscheiden. Das beste LC-Display und das beste Amoled-Display sind quasi gleich auf. Es ist eine Frage der persönlichen Vorliebe (und am Ende müsst ihr das nehmen, was der Hersteller eingebaut hat). Das QHD-Display des Galaxy S8 ist aber ein Pluspunkt.

Ein Pluspunkt, den ich aber auch kritisieren muss. Es ist schön, dass der Rand rund um das Display so klein geworden ist, doch am Ende ist das Display eigentlich nur länger geworden. Statt 16:9 leben wir nun mit 18,5:9-Seitenverhältnis.

Ich sehe ehrlich gesagt keinen Vorteil in diesem Seitenverhältnis. Im Gegenteil, die meisten Inhalte (Videos, …) sind im 16:9-Format. Ich habe zu keinem Zeitpunkt im Test den Eindruck gehabt, dass das 18,5:9-Format irgendwo Vorteile hätte.

Was ich mir stattdessen gewünscht hätte: Das Gerät genau so bauen, nur nicht so lang machen. Also einfach ein paar Millimeter weniger hoch (was in meinen Augen auch die Haptik verbessern würde) und mit einem knapp 5,5/5,6 Zoll großen 16:9-Display. Würde ausreichen und man hätte auch noch ein kompakteres Gerät.

Samsung Galaxy S8: Die Kamera

Samsung wollte vermutlich eine Dual-Kamera verbauen, darauf deuten alte und aktuelle Leaks hin. Es wurde am Ende aber nur ein leicht besserer Kamera-Chip und die gleiche Auflösung wie beim Galaxy S7. Die Bildqualität hat sich ein kleines bisschen verbessert, doch der Unterschied ist in meinen Augen marginal.

Eine Dual-Kamera wird kommen und ich bin mir sicher, dass Samsung für das neue Note und das Galaxy S-Modell im nächsten Jahr aufrüstet. Beim Galaxy S8 lag der Fokus nicht auf der Kamera, sondern dem Display und dem Design.

Das ist aber nicht direkt ein Kritikpunkt, denn die Kamera ist sehr gut und macht wirklich tolle Bilder. Wer jedoch beispielsweise wegen der Kamera vom S7 zum S8 wechseln möchte, dem würde ich eher davon abraten. So groß ist der Mehrwert in meinen Augen nicht. Natürlich habe ich euch auch eine Galerie verlinkt:

Samsung Galaxy S8 Kamera-Fotos

Was mir im Test allerdings oft passiert ist: Ich hatte eine verschmutzte Kamera, weil ich die Linse statt dem Fingerabdrucksensor erwischt habe. Samsung hat sogar einen Hinweis eingebaut, der einen ans Reinigen erinnert. Man weiß, dass das ein Design-Fehler ist, daher habe ich diesem einen eigenen Punkt spendiert.

Samsung Galaxy S8: Der Fingerabdrucksensor

Das neue Flaggschiff von Samsung besitzt, wie das eingestellte Galaxy Note 7, einen Iris-Scanner. Für mich als Brillenträger nutzlos. Doch auch ohne eine Brille finde ich diese Technologie in einem Smartphone unpassend. Im meinem Alltag ist das eher unpraktisch. Man hält das Gerät nicht immer optimal vor sich.

Doch Samsung hat noch eine Gesichtserkennung eingebaut. Die funktioniert sehr gut und ist wesentlich angenehmer, als ich gedacht hätte. Man kann nur eine von beiden Funktionen nutzen, ich habe mich für die Gesichtserkennung entschieden.

Wem jedoch Sicherheit wichtig ist, der sollte die Funktion deaktivieren. Ich habe die Gesichtserkennung mit einem Foto ohne Übung direkt austricksen können. Ich sehe sie daher eher als nettes Extra und nicht als entscheidende Funktion.

Eine solche ist ein Fingerabdrucksensor für mich. Die für mich beste Position ist die Frontseite. Doch der Rand wird kleiner und unter dem Display kann man diesen nicht verbauen. Das wird kommen, doch bis dahin kann ich mit einem Sensor auf der Rückseite leben. Das haben auch viele andere Modelle.

Das ist also gar nicht meine Kritik an der Position des Sensors beim S8. Die Kritik ist die Position neben der Kamera und so weit oben. Der Fingerabdrucksensor wurde direkt neben der Kamera platziert und fühlt sich identisch an. Es gibt eine kleine Erhöhung um beide, mit der man Kamera und Sensor erfühlen kann.

Bei mir hat das dazu geführt, dass ich am Anfang quasi immer auch die Kamera erwischt habe. Reinigen war dauerhaft angesagt. Weil ich aber auch Bilder machen wollte, habe ich den Sensor irgendwann nicht mehr genutzt. Für mich stand nach nur einem Tag fest: Das ist ein Design-Fehler. Ein dicker Kritikpunkt.

Doch welche Stelle wäre optimal gewesen? Ich habe keine kleinen Hände, für mich wäre die beste Position des Sensors aber entweder direkt unter der Kamera, oder vermutlich noch besser an der Stelle des Samsung-Logos. An der Stelle des Logos und mit einer noch besseren Abtrennung vom Gehäuse, das wäre optimal.

In meinem Test habe ich meistens die sehr gute Gesichtserkennung genutzt, doch diese wäre mir im Alltag zu unsicher. Über Ostern war ich eher bei der Familie und daheim, da war mir das also egal. Ein Fingerabdrucksensor ist für mich sehr wichtig und mittlerweile ein entscheidendes Element bei einem Smartphone. Eine Lösung wäre leicht gewesen, daher ist das für mich auch ein großer Kritikpunkt.

Samsung Galaxy S8: Die Leistung

Das Galaxy S8 ist extrem schnell. Der Exynos 8895 in Kombination mit 4 GB RAM ist derzeit mit die beste Kombination auf dem Markt und ich bin mir sicher, dass das auch noch eine Weile so bleiben wird. Immerhin ist ein Galaxy S7 (Edge) mit dem Exynos immer noch schnell. Es ist außerdem der erste 10 nm-Prozessor.

Dieser Punkt könnte für viele ein entscheidender Pluspunkt im Vergleich mit dem LG G6 sein, das noch mit einem alten Prozessor auf den Markt kommt. Im Alltag habe ich jetzt keinen Unterschied gemerkt, doch bei Benchmarks sieht man dann doch Unterschiede und auf lange Sicht (viele kaufen sich nicht jedes Jahr ein neues Smartphone) ist der Exynos 8895 womöglich auch die bessere Wahl.

Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich im Vergleich zum Galaxy S7 keinen extrem großen Unterschied merke. Wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo die Leistung nicht unbedingt der Grund für ein Upgrade ist. Wenn man von einem Galaxy S6 (oder noch älter) kommt ja, aber nicht, wenn man ein relativ aktuelles Smartphone besitzt. Hinzu kommt: Die Mittelklasse, teilweise sogar Modelle für unter 400 Euro, besitzen (für die Nutzung im Alltag) ausreichend Power.

Das Samsung Galaxy S8 ist auf dem Papier eines der schnellsten Smartphones und das ist bei einem 800 Euro-Modell auch wichtig. Für mich spielt dieser Punkt aber keine große Rolle mehr, denn es gibt so gut wie keine Software, die das ausreizt. Ein Punkt, der hier allerdings wichtig ist: Neue Prozessoren schonen den Akku.

Samsung Galaxy S8: Die Akkulaufzeit

Womit wir beim Punkt Akkulaufzeit wären. Es ist ein Punkt, auf den ich in einem Test wirklich sehr ungern eingehe, denn es ist so subjektiv, wie keine andere Sache. Wie lange ein Akku hält ist nicht zu bestimmen. Es gibt offizielle Zeiten, doch wer nutzt sein Smartphone bitte ohne Apps mit laufenden Hintergrundprozessen.

Der eine hat 30 Apps aktiv, der andere 5 Apps. Der eine nutzt das Display mit 70 Prozent Helligkeit, der andere mit 40 Prozent. Ich stelle mir immer eine Frage: Kann ich mit dem Smartphone über den Tag kommen? Ich nutze ein Smartphone sehr aktiv, habe viele Apps installiert und die Helligkeit etwa bei 50 Prozent.

Das Galaxy S8 schlägt sich hier nicht komplett schlecht, aber auch nicht gut. 5,8 Zoll (Amoled und schwarzes Wallpaper hin oder her) wollen versorgt werden. Und man will sein S8 mit Infinity Display ja nicht nur mit 20 Prozent Helligkeit nutzen. Mit dem Galaxy S8 komme ich nicht über den Tag, da reichen 3000 mAh nicht aus.

Einen Alltagsvergleich zum Galaxy S7 habe ich aktuell nicht, aber der größte Akku-Fresser ist immer das Display und das ist beim Galaxy S8 größer. Optimierung hin oder her, das Galaxy S8 ist kein Akkuwunder. Wie es beim Galaxy S8+ aussieht weiß ich nicht, aber 500 mAh mehr dürften von 0,4 Zoll mehr ausgeglichen werden.

Für mich ist sowas nicht dramatisch. Wer ein Akkuwunder möchte, der kauft kein aktuelles Flaggschiff mit QHD-Auflösung, 5,8 Zoll und 3000 mAh. Der kauft sich ein Mittelklasse-Smartphone mit einem Snapdragon 6XX, einem 5,X Zoll großen FHD-Display und einem 4000 mAh Akku. Hätte man die Laufzeit beim S8 optimieren können? Möglich. Doch dann hätte man woanders Abstriche machen müssen.

Ich möchte ein kompaktes und schmales Gerät, doch es muss nicht so dünn wie ein Galaxy S8 oder iPhone 7 sein. Wenn 1-2 Millimeter mehr eine deutlich bessere Akkulaufzeit bedeuten würden, wäre das für mich in Ordnung. Ganz so einfach ist das am Ende aber natürlich auch nicht.

Was ich sagen möchte: Die Akkulaufzeit ist mittelmäßig, doch in dieser Klasse ist das eigentlich Standard. Große Displays und gleichzeitig dünne Geräte fordern nun mal ihren Preis. Ein großer Kritikpunkt ist das in meinen Augen aber nicht. An langen Tagen habe ich für solche Fälle immer einen kleinen Zusatzakku dabei.

Was ich Samsung hier anrechnen muss: Endlich gibt es beim Galaxy S-Modell USB Typ C. War nach dem Galaxy Note 7 logisch, doch ich wollte es erwähnt haben. Ebenfalls Standard: Schnelles Laden. Auch das ist in der heutigen Zeit, es sei denn man ist ein iPhone-Nutzer, normal. Gleicht die schlechte Akkulaufzeit aus.

Großer Pluspunkt für mich: Kabelloses Laden. Natürlich ist das nicht komplett kabellos, denn das Ladegerät muss via Kabel mit der Steckdose verbunden werden, doch ein Smartphone bequem auf eine Platte zu legen ist super. Das ist so eine Funktion, an die man sich gewöhnt und die man dann nicht mehr missen möchte. Samsung ist hier immer aktiv gewesen und auch das Galaxy S8 unterstützt Laden nach Qi-Standard. Das ist für mich ein großer Mehrwert beim Galaxy S8.

Samsung Galaxy S8: Der Sound

Samsung legt dem Galaxy S8 eigene Kopfhörer von AKG bei, die man auch für 100 Euro kaufen kann. Das Galaxy S8 ist aber auch 100 Euro teurer, als das Galaxy S7 im letzten Jahr zum Marktstart war. Und da gab es sogar noch eine Gear VR dazu. Die Kopfhörer haben in meinen Augen keinen Wert von 100 Euro. Hätte man lieber weglassen und das Modell dafür gerne günstiger anbieten dürfen.

Was einige freuen wird: Das S8 besitzt weiterhin einen 3,5 mm-Anschluss für alle Kopfhörer. Das ist so ein Punkt, der mir vollkommen egal ist. Ich nutze seit Jahren keine kabelgebundenen Kopfhörer mehr und werde das auch nicht mehr machen, wenn es sich vermeiden lässt. Bluetooth ist für mich die Zukunft und ein Kabel zum Smartphone wäre für mich sogar ein großer Kritikpunkt.

Was Samsung aber immer noch nicht hinbekommen hat: Zwei Frontlautsprecher. Sowas war mir vor einem Jahr noch nicht wichtig, mittlerweile ist es das aber. Ein so großes Display bietet sich für YouTube-Videos und andere Inhalte an. Ein einzelner Lautsprecher auf der unteren Seite, den man (wenn man das S8 quer hält) auch sehr schnell mit der Hand verdeckt ist keine gute Lösung.

Also, wegen mir hätte Samsung auf den 3,5 mm-Anschluss verzichten, die AKG-Kopfhörer weglassen, das Galaxy S8 für 100 Euro weniger anbieten und dafür aber einen zweiten Lautsprecher auf der Frontseite verbauen dürfen. Ich schaue viele Videos mit dem Smartphone und da habe ich in den letzten Monaten bemerkt, dass ein zweiter Lautsprecher auf der Frontseite ein großer Mehrwert ist.

Samsung Galaxy S8: Das User Interface

Samsung liefert das Galaxy S8 mit Android 7.0 Nougat aus. Android 7.1 wird sicher bald kommen, es gibt aber noch keine Details dazu. Über dem Android-UI liegt die Samsung Experience 8.1. Früher hieß das TouchWiz. Hübscher ist das UI nicht geworden, doch auch hier bleibt: Über Design kann man nicht streiten.

Immerhin hat Samsung mittlerweile viele Optionen eingebaut, mit denen man sein Gerät anpassen kann. Neben einem Wallpaper gibt es noch Themes und Icons. Die habe ich direkt geändert. Das Standard-UI finde ich hässlich, doch ein Kritikpunkt ist es nicht, da man es nach Belieben anpassen kann. Man kann sich sogar ein Design für das Always On-Display herunterladen. Das macht es sogar zu einem Pluspunkt, denn ein Launcher ist für mich beim Galaxy S8 überflüssig.

Was ich sagen möchte: Die Samsung Experience 8.1 ist in meinen Augen nicht schön und wirkt teilweise sehr kindisch. Doch man kann beim S8 sehr viel anpassen und das Angebot an alternativen Designs ist groß. Selbst für die Navigationsleiste gibt es zwei Layouts und mehrere Farben zur Auswahl. Daher ist es ein Pluspunkt.

Samsung Galaxy S8: Tschüss Bixby

Apple hat Siri, Microsoft hat Cortana, Amazon hat Alexa und Google hat den Google Assistant. Samsung wollte auch so einen Assistenten und hat daher in den letzten Jahren an Bixby gearbeitet. Problem: Der Assistent ist komplett überflüssig.

Warum das? Man kann mit Bixby noch nicht sprechen. In den USA wird man das im Sommer tun können, in Deutschland erst im Winter. Ich vermute, dass Bixby sogar erst mit dem S9 so richtig in Deutschland landen wird. Das ist schon mal keine gute Voraussetzung für einen erfolgreichen Start eines neuen Dienstes.

Was kann Bixby also? Der Assistent kann euch an Dinge erinnern. Dafür gibt es viele Apps und der Google Assistant ist vorinstalliert, der beherrscht diese Funktion auch. Bixby kann euch Dinge empfehlen. Das sieht wie bei Google aus und ist im Grunde genommen eine Mischung aus Kalender, News, Sport und anderen Apps. Die Karten-Optik von Bixby kennt man ebenfalls von Google.

Bixby erreicht man übrigens, wie den Assistent von Google beim Pixel, mit einem Wisch nach links. Er hat einen eigenen Bildschirm, der kann aber auch deaktiviert werden. Bixby kann auch über eine Taste auf der linken Seite aktiviert werden. Diese befindet sich direkt unter den Tasten für die Lautstärke.

An dieser Stelle kam in der ersten Version von meinem Test die Anmerkung, dass der Dienst zwar komplett überflüssig und eher ein Kritikpunkt (weil maximal Beta-Status), aber die extra Taste sehr nützlich ist. Es war nämlich möglich die Taste mit einer anderen App, oder dem Google Assistant, zu belegen. Diese Option blockiert Samsung aber mittlerweile und verteilt dafür ein Firmware-Update.

Das Samsung Galaxy S8 hat also eine extra Taste, die einen halbfertigen Dienst startet, für den es bessere Alternativen gibt. Wer diese Taste in Zukunft anders belegen möchte, der wird sein Gerät rooten müssen und die Garantie verlieren.

Jetzt kann man sagen: Das ist verständlich, immerhin ist es logisch, dass Samsung seinen eigenen Dienst pushen möchte. Ja, wenn man eine finale Version parat hätte. Hat man aber nicht. Die benutzerfreundlichste Lösung wäre wohl ein Eintrag in den Einstellungen, wo man die Taste mit einer App (oder Aktion, wie zum Beispiel „Starte Frontkamera und mache ein Selfie“) belegen könnte.

Samsung hat Bixby bereits im Vorfeld mit einer eigenen Pressemitteilung als die beste Option auf dem Markt angekündigt. Tatsächlich ist es meiner Meinung nach die schlechteste Option. Bei anderen Diensten gibt es mittlerweile ein Ökosystem mit zusätzlicher Hardware, bei Samsung einen unfertigen Dienst, der nicht mal die Spracheingabe beherrscht und den man auf nur einem Gerät nutzen kann.

Samsung Galaxy S8: Sonstiges

  • Die Telefonie-Funktion ist bei mir irgendwo an vorletzter Stelle. Ich kann also nicht so viel dazu sagen. In meinem Test habe ich ein kurzes Gespräch geführt und war zufrieden. Aber wie gesagt, meine Ansprüche sind hier sehr gering.
  • Das Galaxy S8 besitzt eine IP68-Zertifizierung, ist also gegen Wasser und Staub geschützt. Für mich im Jahr 2017 ein Standard.
  • Der interne Speicher ist 64 GB groß. Das ist grenzwertig, aber für mich (noch) ausreichend. Immerhin kann man diesen erweitern. Ich würde mir trotzdem eine zusätzliche 128 GB-Version wünschen.
  • Der Home-Button erkennt unterschiedliche Druckstärken. Allerdings nur der Home-Button, der übrigens auch im Standby-Bildschirm immer angezeigt wird. Das restliche Display nicht. Seltsame Entscheidung. Es wirkt so, als ob Samsung gerne ein druckempfindliches Display gehabt hätte. Ich vermute die gebogenen Seiten haben hier Probleme gemacht. Ein fester Druck hat auch nur eine Funktion: Gerät aus dem Standby holen. Mehr nicht.
  • Bei meinem Gerät war die Standard-Auflösung FHD+ und nicht WQHD+. Der Unterschied ist nicht groß, aber man merkt, dass Samsung mit diesem Trick die Akkulaufzeit etwas verbessern möchte.
  • Die Ecken des Displays sind, wie beim G6, rund. Kann man machen, muss man aber nicht. Ich persönlich würde glaube ich eckige Ecken bevorzugen.

  • Das Samsung Galaxy S8 ist das erste Smartphone mit Bluetooth 5.0. Das ist aktuell noch nicht so wichtig, doch ein sehr großer Pluspunkt. Das sind so Kleinigkeiten, die auf lange Sicht entscheidend sein können.
  • Im Lieferumfang des Gerätes findet man einen USB-auf-USB-Typ-C-Adapter und einen microUSB-auf-USB-Typ-C-Adapter. Finde ich persönlich sehr löblich, vor allem den zweiten Adapter kann man gebrauchen, da USB Typ C noch nicht so weit verbreitet ist.
  • Samsung hat sich beim Galaxy S7 von der Infrarot-Schnittstelle verabschiedet und diese auch beim Galaxy Note 7 nicht mehr eingebaut. Das Galaxy S8 macht hier keine Ausnahme, Infrarot ist damit also Geschichte bei Galaxy-Flaggschiffen. Mir persönlich ist das aber egal.
  • Es gibt eine separat erhältliche DeX-Docking-Station, mit der man das Galaxy S8 an einen Monitor anschließen und es dann im Desktop-Modus nutzen kann. Ich besitze einen PC/Laptop und Inhalte vom Smartphone, die ich auf dem großen Display sehen möchte (Videos) streame ich auf den TV. Für mich war, ist und bleibt ein Desktop-Modus im Smartphone sinnlos. Aber, das S8 besitzt diesen und für 150 Euro kann man die Funktion nutzen.
  • Egal ob ihr das S8 jetzt, oder in drei Monaten kauft, eine Gear VR gibt es leider nicht mehr dazu. Die VR-Brille ist mittlerweile ein extra Zubehör und kostet mit 130 Euro auch nicht gerade wenig. Hätte ich, statt den AKG-Kopfhörern, bevorzugt. Was ich auch schade finde: Samsung unterstützt kein Google Daydream. Aktuell ist die VR-Plattform von Samsung besser, das wird sich aber glaube ich bald ändern. Als Nutzer möchte ich jedenfalls die Wahl haben.
  • Die 360 Grad-Kamera Gear VR gibt es in einer 2017-Neuauflage. Man kann diese für 250 Euro kaufen.
  • Samsung verkauft eine große Auswahl an Covern für das Galaxy S8. Einige davon sehen sehr praktisch, andere (2Piece Cover) skurril aus.
  • Für mich wäre die neue induktive Ladestation mit Fast Charge für 80 Euro ein Pflichtkauf. Samsung hätte natürlich auch eine günstige Lösung mit in den Lieferumfang legen können, doch dann würden weniger Leute die 80 Euro bezahlen und die Gewinnmarge würde sinken.

Das Samsung Galaxy S8 kann für 799 Euro und das Galaxy S8+ für 899 Euro gekauft werden. Das Samsung Galaxy S8 wird ab dem 20. April 2017 erhältlich sein.

Samsung Galaxy S8: Das Fazit

Das Samsung Galaxy S8 ist ein beeindruckendes Gerät, wenn man es das erste Mal in der Hand hält. Das Display macht Spaß und sieht super aus. Doch nach ein paar Tagen bemerkt man dann einige Schwächen. Und vom Infinity Display abgesehen ist der Mehrwert im Vergleich zum Galaxy S7 Edge nicht besonders groß.

Ein Samsung Galaxy S8 kostet 800 Euro. Ein Galaxy S7 Edge bekommt man für die Hälfte. Wegen der Performance und Kamera würde ich das S8 nicht kaufen. Wegen der Akkulaufzeit und Bixby auch nicht. Es bleibt das Display. Doch ob man die 0,3 Zoll mehr in der Länge benötigt? Müsst ihr selbst entscheiden.

Für mich ist das Samsung Galaxy S8 aktuell das beste Android-Smartphone auf dem Markt. Allerdings gibt es einige Gründe, die gegen einen Kauf sprechen. Sei es die Position des Fingerabdrucksensors, das Fehlen von anderen Funktionen wie zwei Lautsprechern auf der Frontseite, oder ein halbfertiger digitaler Assistent.

Das Samsung Galaxy S8 ist noch mal 100 Euro teurer, als es das Galaxy S7 letztes Jahr war. 800 Euro ist eine Hausnummer, vor allem da der härteste Konkurrent in meinen Augen von Samsung selbst kommt. Es gibt nicht viele Leute, denen ich den Aufpreis von 400 Euro empfehlen würde. Würde ich es selbst bezahlen? Vielleicht, denn das Display ist schon beeindruckend. Wäre ich ein Galaxy S7 Edge-Nutzer, würde ich diese Generation allerdings überspringen und das Geld sparen.

Abschließendes Fazit in einem Abschnitt: Das Samsung Galaxy S8 ist eines der besten Android-Smartphones auf dem Markt, es hat jedoch klare Schwächen und eine harte Konkurrenz. Vor allem das Galaxy S7 Edge für die Hälfte des Geldes ist eine empfehlenswerte Alternative. Nach der ersten Begeisterung merkt man sehr schnell, dass die 0,3 Zoll mehr Display in der Länge nicht unbedingt der große Mehrwert sind, den einen Samsung beim Marketing verkaufen möchte.

Würde ich persönlich zum Galaxy S8 greifen? Vermutlich ja, da ich ein Geek bin. Ich zahle gerne mal mehr Geld, wenn ich dafür nur eine kleine Verbesserung bekomme. Doch ich bin Tech-Blogger und berichte über Smartphones. Rational betrachtet sind die 400 Euro Aufpreis im Vergleich zum Galaxy S7 Edge kaum zu rechtfertigen.

Das Samsung Galaxy S8 wurde uns von O2 für diesen Testbericht zur Verfügung gestellt. Falls ihr Fragen zum Gerät habt, dann ab in die Kommentare damit.

Wertung des Autors

Oliver Schwuchow bewertet Samsung Galaxy S8 mit 4.0 von 5 Punkten.

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