Urteil gegen EWE Go könnte Ladepreise deutlich verändern

Das Landgericht München I untersagt EWE Go, dem Roaming-Anbieter DCS höhere Ladepreise als eigenen Vertragskunden zu berechnen.

Das noch nicht rechtskräftige Urteil könnte weitreichende Folgen für öffentliche Ladetarife haben. Das Gericht wendet das Diskriminierungsverbot der EU-Ladeverordnung AFIR auch auf Unterschiede zwischen Roaming-Anbietern und eigenen Vertragskunden eines Betreibers an.

EWE Go verlangte zum 1. Januar 2025 von Mobilitätsanbietern wie Digital Charging Solutions (DCS) 0,837 Euro je kWh. Ad-hoc-Kunden zahlten 0,79 Euro und registrierte EWE-Go-Kunden lediglich 0,52 Euro. Der Aufschlag gegenüber Vertragskunden betrug damit rund 60 Prozent.

Urteil könnte Roaming-Preise unter Druck setzen

Das Landgericht München I beanstandete mehrere Punkte:

  • DCS soll grundsätzlich nicht mehr als 0,52 Euro je kWh zahlen.
  • Der Preisaufschlag von 0,317 Euro je kWh sei nicht ausreichend begründet.
  • Auch eine nur für Mobilitätsanbieter erhobene Blockiergebühr wurde beanstandet.
  • EWE Go soll zudem Schadenersatz für Schäden seit dem 13. April 2024 leisten.

Die genaue Höhe des möglichen Schadenersatzes steht noch nicht fest. EWE Go will zunächst die Urteilsbegründung prüfen und anschließend über das weitere Vorgehen entscheiden.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden und auf andere Betreiber ausstrahlen, könnten die Einkaufspreise von Roaming-Anbietern deutlich sinken. Das dürfte auch günstigere Ladetarife für deren Kunden ermöglichen.

Wenn Betreiber Roaming-Anbietern tatsächlich ähnliche Preise wie ihren eigenen Kunden anbieten müssen, könnte der schwer durchschaubare Tarifdschungel beim öffentlichen Laden zumindest ein gutes Stück kleiner werden.


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  1. Jan Graupner 👋

    Spannender Punkt: Ad-hoc-Kunden zahlten an den EWE-Go-Säulen 0,79 €/kWh, DCS dagegen 0,837 €/kWh im Einkauf. Spontan mit Karte zu zahlen war dort also kein Notbehelf, sondern oft die günstigere Wahl. Mein Tipp, bis klar ist, was in der nächsten Instanz passiert: an fremden Säulen kurz Ad-hoc- und Ladekartenpreis vergleichen, bevor du startest. Mich würde interessieren, ob ihr seit dem Urteil schon Preisänderungen bei euren Roaming-Tarifen bemerkt habt.
    Transparenzhinweis: Ich betreibe LadeSofort, eine kostenlose Karte für Ladesäulen, an denen man ohne Ladekarte laden kann.
    Jan Graupner, LadeSofort

  2. René H. 🔱

    Wenn man preisblinde Dienstwagenfahrer unbemerkt abziehen kann, dann macht man’s halt. Nun, das Preisgebahren mancher CPOs ist schon frech – seit Jahren. Ob das Preisniveau im Roaming nach einem solchen, dann rechtskräftigen Urteil wirklich sinkt, hoffe ich zwar, wage ich aber zu bezweifeln.

  3. Manni 🏅

    Das ist dringend notwendig!

  4. Alfons 🌀

    Hoffentlich. Dieser Aufpreis ist einfach nur krank.

    1. rot 🏅

      DCS könnte aber auch einfach eigene LadeInfrastruktur aufbauen und sie allen günstig anbieten.

      1. Burnthill 👋

        nee, das Prinzip ist eher das ich im Supermarkt quasi immer den gleichen Preis bezahle egal ob ich mit visa, master, amex oder bar bezahle.

      2. Marco Bamberg ☀️

        Ich bin auch nicht so überzeugt, dass dieses Urteil nur positiv ist. Ich denke, mehr als den Ad-hoc-Preis zu verlangen, ist vielleicht nicht gerade so cool. Aber warum sollte jemand dann noch Ladeinfrastruktur aufbauen, wenn man eh mit jeder Karte an jeder Ladestation den Vertragspreis des Betreibers der Ladestation bekommt?

        Fragen über Fragen.

        1. Stefan 👋

          In Italien läufts doch glaub schon so?

        2. EnergieChanche 👋

          Na klar gibt es grundsätzlich solche Akteure, wenn man an mittelständische Eigenerzeuger von Ladestrom denkt, z.B. aus der Landwirtschaft. Die spielen bislang wohl kaum eine Rolle.