Testberichte

ZTE Blade S6 ausprobiert

zte blade s6 test header

Nachdem wir euch im Mai bereits das ZTE Blade S6 vorstellten, hat ZTE selbst uns nun noch ein Blade S6 zum Test zur Verfügung gestellt.

Auf den ersten Blick teilen die Geräte nicht nur das fast identische Aussehen, sondern auch viele innere Werte, wie folgende Übersicht der technische Daten zeigt:

  • 5 Zoll IPS-Display mit 1280×720 Pixeln
  • Qualcomm Snapdragon 615 (4x 1,5 + 4x 1,0 GHz)
  • 2 GB Arbeitsspeicher
  • 16 GB interner Speicher, per microSD erweiterbar
  • Kameras: 13 und 5 Megapixel
  • 2.400 mAh Akku
  • Dual-SIM, beide Nano (einmal LTE, einmal GSM)
  • LTE-Frequenzen: 700, 800, 900, 1800, 2600 MHz
  • Android 5.0.2

Unboxing und Verarbeitung

blade s6 ovp

Wie immer wenig Spektakuläres beim Unboxing. Der weiße Pappkarton kommt mittlerweile bei fast jedem Hersteller zum Einsatz und misst in Breite und Höhe nur etwas mehr als das Smartphone selbst. Der Markenname von ZTE findet sich nur klein in der linken, oberen Ecke wieder, umso größer der Schriftzug von ZTEs Mittelklasse-Serie Blade.

Unter dem Smartphone selbst findet dann das Zubehör Platz. Beim Blade S6 gehören dazu ein Headset, Ladegerät mit recht kurzem micro-USB-Kabel, Tool zum Öffnen des SIM-Slots sowie ein relativ dicker Quick Start Guide, dessen Dicke allerdings vor allem in der Multilingualität begründet liegt und nicht ausführlichen Informationen.

zte blade s6 tlieferumfang

Das beigelegte Headset weist eine erstaunliche Ähnlichkeit zu jenem auf, welche den älteren iPhones beigelegt war und macht generell keinen allzu hochwertigen Eindruck. Dafür wirkt vor allem das Ladegerät aber gut verarbeitet und auch die Qualität des Ladekabels fällt nicht negativ auf.

Das Blade S6 ist ausschließlich mit weißer Gehäusefront erhältlich, wer sich das Gerät zulegen möchte, hat also keine große Auswahl. Ich hätte eine schwarze Front zwar bevorzugt, da das Display im ausgeschalteten Zustand nicht so hervor sticht, schick ist das S6 aber auf jeden Fall. Über dem 5 Zoll großen Bildschirm prangen Frontkamera, kleiner Speaker-Grill sowie die üblichen Sensoren.

blade s6 rückseite

Auf der Rückseite sticht neben dem Herstellerlogo vor allem die Kamera ins Auge, welche von einem einfachen LED-Blitz unterstützt wird. Zusätzlich sitzen dort Lautsprecher, diverse Logos und ein kleines Mikrofon mittig oben, welches der Unterdrückung von Nebengeräuschen dient. Insgesamt sind doch einige Parallelen zum iPhone erkennbar, als einen Klon würde ich es jedoch nicht bezeichnen.

Durch die abgerundeten Kanten liegt das Blade S6 sehr angenehm in der Hand und hinterließ durch den Kunststoff in Aluminium-Optik bei mir einen wertigen Eindruck, in anderen Testberichten wird von genau dem Gegenteil berichtet. Durch die vergleichsweise kompakte Größe stellt eine Ein-Hand-Bedienung in den meisten Fällen kein Problem dar, zudem ist das Gerät mit einem Gewicht von etwas über 130 Gramm ein richtiges Leichtgewicht.

Ginge es nach mir, dürften Gerät und vor allem Display gern noch einen Ticken größer sein, dafür gibt es aber schließlich das Blade S6 Plus und anderen dürften diese 5 Zoll bereits zu groß sein.

zte blade s6 logo 1

Die Verarbeitungsqualität bietet kaum Grund zur Beanstandung, Spaltmaße sind gleichmäßig und ein Knarzen der Rückseite ist nicht festzustellen. Unsauber wirkt lediglich der Bereich um das glänzende ZTE-Logo auf der Rückseite des Smartphones, welches scheinbar eingedrückt wurde.

Der micro-USB-Anschluss ist auf der unteren Seite und leider nicht mittig angebracht, was das Gerät für meine universale Aufladestation unbrauchbar macht. Wieso man das Mikrofon für Telefonate nicht direkt in der Mitte platziert hat, weiß ich nicht, diese Asymmetrie stört mich jedoch.

Ansonsten gibt es keine Überraschungen, die Klinkenbuchse befindet sich auf der Oberseite (Juhuu) und ein IR-Sender ist nicht vorhanden. Die Lautstärketasten mit gutem Druckpunkt befinden sich rechts über dem Anschalter, das erfordert eine kurze Zeit der Umgewöhnung vom Note 4 kommend.

zte blade s6 tasten + display

Unter dem Display lässt sich im ausgeschalteten Zustand lediglich ein Kreis erstellen, bei Tastendruck oder eingegangener Benachrichtigung leuchtet dieser zusammen mit zwei kleinen Punkten auf. Diese Lösung gefällt mir nicht nur optisch ganz gut, da die beiden Punkte zwei weitere Bedientasten darstellen, kann auf On-Screen-Tasten verzichtet werden.

Software

zte blade s6 willkommen

Das Blade S6 kommt mit Android in Version 5.0.2 vorinstalliert und im Einrichtungsprozess scheint es noch so, als hätten die Chinesen ein reines Android vorinstalliert. Auf dem Homescreen zeigt sich dann aber bereits der ZTE-eigene Launcher MiFavor 3.0, welcher mich ziemlich an jenen von Huawei erinnerte, vor allem mit Sicht auf das Icon-Pack im Comicstil.

Der Launcher kennt keinen App-Drawer, alle neu installierten Apps werden also der Startseite hinzugefügt. Die Bedienung erinnert so also ziemlich an jene von iOS, bei meiner Menge an installierten Apps bin ich kein Freund dieser Anordnung und würde mir für längere Nutzung als nur den Testzeitraum sicher eine andere Oberfläche aus dem App Store laden.

Galerie

Wie beispielsweise Samsung liefert auch ZTE eine Menge an eigenen Apps mit, darunter beispielsweise eine 0815-Taschenlampen-App, einen Taschenrechner im iOS-Stil oder auch Datei-Manager und Notiz-App. Von Material Design in den Apps hält man wenig, lediglich die Uhr ist aus Vanilla Android bekannt und orientiert sich demzufolge an der Designsprache.

Auf der anderen Seite verzichtet man darauf, die Benachrichtigungsleiste zu bearbeiten, sodass die Bedienung dort dem eines Nexus-Geräts gleicht. Auch an der Optik des Einstellunsgmenüs hat man nicht geschraubt, sondern lediglich einige Punkte hinzugefügt, beispielsweise zum Konfigurieren der Bedientasten.

tasten anpassen

Das Wort Konfiguration ist hier aber fast schon wieder etwas übertrieben, bietet sich lediglich die Option des Umschaltens zwischen zwei Layouts. So kann der Menü-Button entweder auf den linken oder rechten Punkt gelegt werden. Gerade, wo der Menü-Knopf mittlerweile in kaum noch Apps integriert ist, hätte ich es mir gewünscht, diesen durch eine Multitasking-Taste austauschen können. Das ist leider nicht möglich.

Zusätzlich zu den eigenen Apps gehört auch Facebook zur Grundausstattung, im Gegensatz zur Lage bei Samsung-Geräten ist eine direkte Deinstallation zwar kein Problem, das gibt trotzdem einen Abzug an Symphatiepunkten. ZTE bewirbt groß die Gestensteuerung „Smart Sense“, hier ist allerdings nichts dabei, womit man sich groß von der Konkurrenz abhebt. Funktionen wie „Zum Stummschalten umdrehen“ sind beispielsweise bei Samsung ein alter Hut.

zte blade s6 tasten

Aussicht auf ein Software-Update dürfte nicht bestehen, immerhin ist jedoch eine separate App dafür vorinstalliert, über das Einstellungsmenü kann nur eine Aktualisierung per SD-Karte angestoßen werden. Bei Verbindung mit dem PC kann sogar noch der gute, alte Massenspeichermodus aktiviert werden, das hatte ich lang nicht mehr.

Display

zte blade s6 display

Fünf Zoll Diagonale bei 1280×720 Pixeln Auflösung, resultierend in knapp 300 Pixeln. Bei dieser Größe noch gut ausreichend, App-Icons und Text wirken scharf, ein Unterschied zu QHD beim Note 4 ist in puncto Schärfe nur schwer erkennbar. Deutlicher sind die Unterschiede zum mindestens doppelt so teuren Gerät vor allem beim Kontrast, ist AMOLED für die Stärke in diesem Bereich bekannt.

Das IPS-Display des Blade S6 macht jedoch eine sehr gute Figur, die Farben wirken keinesfalls blass und auch die Ablesbarkeit im Sonnenlicht ist durch eine hohe maximale Helligkeit gegeben. Ein Schutz durch Gorilla Glass ist nicht gegeben, die Alternative scheint jedoch ebenfalls gute Arbeit zu leisten, im Testzeitraum machten sich keine Mikrokratzer bemerkbar.

Daumen hoch für das Display, hier kann man heutzutage selbst in der Mittelklasse schon einiges erwarten. Auf Eingaben reagiert das Gerät schnell, kein Unterschied zur Oberklasse erkennbar.

Hardware und Performance

zte blade s6 slots

Da der Akku des Geräts nicht abnehmbar ist, fällt das obligatorische Foto der Akkuabdeckung in diesem Abschnitt weg, einen Blick in die Innereien gibt es also nicht, sondern lediglich zwei Einschübe am linken Rand des Smartphones. Diese werden mit dem mitgelieferten Stück Metall geöffnet und wirken recht fragil.

Der interne Speicher misst 16 Gigabyte und fällt damit nicht allzu knapp aus, viele Nutzer werden trotzdem von der Möglichkeit Gebrauch machen (müssen), eine microSD-Karte einzulegen. 64 GB wurden problemlos unterstützt, sodass auch die 200-GB-Karte von SanDisk funktionieren sollte.

Zu den beiden wichtigsten technischen Spezifikationen gehören der Snapdragon 615 von Qualcomm sowie 2 Gigabyte an Arbeitsspeicher. Das ist der Preisklasse absolut würdig, gehört der 615 zu den stärksten Modellen der CPU-Mittelklasse des Herstellers. Ganze acht Rechenkerne sind gegeben, vier davon mit bis zu 1,5 GHz, für die anderen ist bereits bei einem Takt von einem Gigahertz Schluss.

Die Kombination sorgt im Alltag für einen flüssigen Betrieb und auch anspruchsvollere Spiele wie der Flugsimulator Aerofly 2 machen Spaß. Durch die vergleichsweise geringe Displayauflösung konnte genanntes Spiel sogar eine bessere Performance aufweisen als der Snapdragon 805 im Note 4, schließlich fallen 75% der zu berechnenden Pixel weg.

antutu blade s6

Für die Freunde der Benchmarks gibt es immerhin 30.000 AnTutu-Punkte und damit 50 Prozent mehr als beim Hisense Sero 5. Die Performance liegt so etwa auf dem Niveau der Geräte mit Snapdragon 800 als ehemalige Highend-CPU, wie dem LG G2, wobei natürlich nicht nur der Prozessor mit in den Test einfließt.

Ausdauer

zte blade s6 ladegerät

Mit 2.400 mAh liegt die Kapazität des Akkus im (oberen) Mittelfeld, leider kann er jedoch nicht entnommen werden, um unterwegs schnell wieder auf 100 Prozent Ladestand zu kommen. Zusammen mit der relativ stromsparenden Hardware bei knapp 200 installierten Apps komme ich auf eine bessere Laufzeit als beispielsweise beim Note 4, welches sich in diesem Aspekt aber sowieso nicht mit Ruhm bekleckert.

Über den Tag kam ich damit gut und vor dem Einschlafen nach zwei ein halb Stunden Display-On-Time blieben noch 30 Prozent übrig. Die Hoffnung auf eine Nutzung über zwei Tage habe ich bei meiner intensiven Nutzung sowieso schon lange aufgegeben, Hauptsache, der eine Tag ist drin. Das stellt mit den 2.400 mAh keine Probleme dar

Qualcomms Cuick Charging 2.0 ist in der Mittelklasse leider immer noch nicht angekommen, gerade bei dem nicht wechselbaren Akku hätte ich mir jedoch die Unterstützung eines höheren Ladestroms gewünscht. Bei einem Ampere ist hier Schluss und mehr spuckt das Ladegerät auch nicht aus., bei Nacht laden ist also Pflicht.

blade s6 akku

Kamera

zte blade s6 cam

Bei Tageslicht legt die Kamera gute Bilder in den Speicher, Farben wirken lebendig, lediglich ein paar Details werden verschluckt. Sofern die Lichtbedingungen stimmen, gibt es allerdings bei so gut wie keinen Smartphones mehr viel zu meckern, die wahre Herausforderung liegt in schlechteren Situationen.

Und in diesem Fall hat es auch der Sony-Sensor aus dem Blade S6 schwer. Zwar kommt nicht nur Pixelmatsch heraus, viele Fotos werden jedoch selbst als Schnappschüsse unbrauchbar. Wer hier mehr will, muss also immer noch deutlich tiefer in die Tasche greifen, insofern sind die Low-Light-Qualitäten weniger ein Problem speziell des Blade S6 als generell der Smartphone-Mittelklasse.

Im Dunkeln kann dann auch der „Profi-Modus“ der Kamera-App nicht mehr viel herausholen, welcher die Anpassung von bspw, dem ISO-Wert ermöglicht und einen künstlichen Horizont einblendet. Tagsüber ist das auf jeden Fall nice-to-have, natürlich stehen auch diverse Szenen-Modi zur Verfügung und HDR-Aufnahmen sind ebenfalls möglich.

blade s6 experten modus

Für die Frontkamera gilt grundsätzlich Ähnliches wie für die Hauptkamera, im Gegensatz zur Konkurrenz verzichtet man auf einen dämlichen, voreingestellten Weichzeichner, getarnt als „Beauty-Modus“.

Und sonst noch?

blade s6 schlitten

Das Blade S6 bietet wie bereits erwähnt Dual-SIM-Funktionalität. Mangels einer zweiten Nano-SIM-Karte (ich bin da ja ein Freund der micro-Karten) konnte ich auf diesen Aspekt jedoch nicht eingehen. Die zweite SIM unterstützt jedoch lediglich das GSM-Netzwerk, taugt also nur für Telefonie und SMS. Das dürfte im Ausland trotzdem recht praktisch sein.

Ich habe es nicht hinbekommen, den Ton beim Aufnehmen eines Screenshots oder Fotos zu deaktivieren. UKW-Radio ist mit an Bord, für die Nutzung ist wie üblich das Einstecken eines Kopfhörers notwendig, welcher dann gleichzeitig als Antenne fungiert. Das GPS fällt weder positiv noch negativ auf und ist bspw. für Runtastic gut geeignet, auch der Empfang des Mobilnetztes liegt im Mittelfeld.

zte blade s6 speaker

Der Lautsprecher ist nicht ideal auf der Rückseite angebracht, ein kleiner Knubbel sorgt dafür, dass der Ton bei Ablage auf dem Tisch nicht unterdrückt wird. Die Qualität ist nicht schlecht, für das eine oder andere Filmchen am Abend völlig ausreichend und insgesamt trotz der kleinen Öffnung besser als erwartet.

zte blade s6 logo 2

Einen negativen Eindruck hinterließ ein offensichtlicher Verarbeitungsmangel beim Testgerät. Der anfangs schon nicht allzu hochwertig anmutende, wellige Kunststoff um das Logo blätterte trotz pfleglicher Behandlung und Transport in einer Schutzhülle zum Ende des Testzeitraums ab, zum Vorschein kam der darunter liegende weiße Kunststoff. Zu diesem Fehler konnte ich im Internet keine weiteren Fälle finden, es scheint sich also tatsächlich um einen Einzelfall zu handeln. Trotzdem unschön.

Um wieder zum Positiven zu kommen: WLAN nach ac-Standard wird unterstützt, in der Mittelklasse leider) alles andere als selbstverständlich, das ein Einwählen in 5-GHz-Netze macht also keine Probleme. Die Sprachqualität bei Telefonaten geht in Ordnung, ich telefoniere aber sowieso nur noch zu Testzwecken mit dem Smartphone.

Fazit

zte blade s6 boot

Das ZTE enttäuscht als typischer Vertreter der Mittelklasse nicht. Das Display ist mehr als ausreichend, es kommt ein halbwegs aktuelles Android-System zum Einsatz und auch die Performance kann ich sehen lassen. Die Laufzeit des leider nicht wechselbaren Akkus geht in Ordnung und Bonus gibt es noch die Dual-SIM-Möglichkeit, perfekt für den Auslandsurlaub.

Die zwei Gigabyte Arbeitsspeicher eine deutliche Verbesserung gegenüber der beispielsweise im Moto G 2014 verbauten 1 GB dar, hier wurde zum Glück ebenso wenig gespart wie dem ac-WiFi. Kleine Abzüge gibt es für das langsame Laden und die Kameraqualität bei schlechten Lichtverhältnissen, das war aber nicht anders zu erwarten.

Sofern der Verarbeitungsmangel beim Testgerät wirklich auf einen Einzelfall zurückzuführen ist, kann dem S6 eine Empfehlung ausgesprochen werden. Zum Preis von öfters knapp unter 200 Euro aus dem Ausland bekommt man kaum besseres, bei 230 Euro im Amazon Marketplace ist die Konkurrenz in Richtung Oberklasse dann aber schon nicht mehr weit.

Wer sich mit 16 GB zufrieden geben kann, kann sich dann beispielsweise das OnePlus One für etwa 250 Euro einmal anschauen, ab 300 Euro geht es dann so richtig los. Wer nicht so viel investieren möchte, ist mit dem Moto G LTE für 159 Euro gut beraten, dann allerdings ohne Dual-SIM-Funktionalität.

Wertung des Autors

Peer Linder bewertet ZTE Blade S6 mit 4.05 von 5 Punkten.

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