Huawei P20 Pro Test

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Huawei P20 Pro

Das Flaggschiff-Jahr 2018 hat begonnen und Huawei möchte mit dem P20 Pro ein Zeichen setzen: Es ist das erste Smartphone mit drei Kameras.

Mehr ist nicht immer besser. Huawei möchte mit dem P20 Pro jedoch genau das beweisen, daher gibt es mehr Kameras (3) auf der Rückseite und mehr Megapixel (40). Man verspricht damit eine Renaissance der Fotografie und das ist eine ziemlich gewagte Ansage, denn mit der Kamera steht und fällt nun die Empfehlung für das Huawei P20 Pro. Ich habe mir das Modell bereits einige Tage angeschaut.

Huawei P20 Pro Test14

In der heutigen Zeit ist es verdammt schwer sich auf dem hart umkämpften Markt abzuheben, denn so gut wie alle Hersteller meistern mittlerweile die wichtigsten Punkte: Performance, Akkulaufzeit, Display und Kamera. Das Gesamtpaket stimmt bei vielen und so richtig gepatzt hat in letzter Zeit eigentlich niemand. So ziemlich alle Smartphones haben kleine Stärken und Schwächen, man merkt jedoch, dass es immer schwieriger wird die Nutzer Jahr für Jahr zu begeistern.

Nokia hat vor einigen Jahren mal für Aufsehen gesorgt, als man das Lumia 1020 mit 41 Megapixel präsentierte (ein Jahr vorher gab es übrigens schon das Nokia 808 PureView mit 41 Megapixel) und auf diesen Effekt hofft nun auch Huawei. Ob die Kamera das bietet, was man verspricht, ist eine Sache, aber man hat damit definitiv einen Punkt geschaffen, mit dem man sehr gut Werbung machen kann.

Bevor wir zum Video und Test kommen hier noch der Hinweis: Wir haben auch schon einen ersten Eindruck und ein Unboxing vom Gerät online. Alle drei Berichte runden das Gesamtpaket ab. Bei Fragen könnt ihr uns jederzeit schreiben.

Huawei P20 Pro: Test als Video

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Huawei P20 Pro: Spezifikationen

  • Hersteller: Huawei
  • Modellbezeichnung: P20 Pro
  • Preis: 899,- Euro
  • Verfügbar: Seit April 2018
  • Größe: 155 x 73,9 x 7,8 mm
  • Gewicht inklusive Akku: 180 g
  • Betriebssystem: Android 8.1 Oreo und EMUI 8.1
  • Akku: 4000 mAh
  • Display: 6,1″ OLED-Display mit 2240 x 1080 Pixel
  • Kamera: Triple-Kamera (40 + 20 + 8 Megapixel)
  • Speicher: 128 GB
  • CPU: Kirin 970 mit 8 Kernen
  • RAM: 6 GB

Das sind nicht alle Spezifikationen des Huawei P20 Pro, sondern nur die wichtigsten. Auf der Webseite von Huawei bekommt ihr weitere Informationen zum Gerät.

Huawei P20 Pro: Design, Verarbeitung und Haptik

Die Verarbeitung des Huawei P20 Pro ist sehr gut und bietet keine Angriffsfläche. Diese bietet Huawei aber schon seit einer ganzen Weile nicht mehr. Das P20 Pro fühlt sich wie ein typisches Flaggschiff aus dem Jahr 2017/2018 an. Es gibt Glas auf der Front- und Rückseite und einen Rahmen aus Aluminium.

Die Übergänge vom Aluminium zum Glas sind gut, vor allem auf der Rückseite spürt man so gut wie keine Kante. Beim Übergang zum Display ist so eine Kante leicht zu spüren, aber nicht scharf, also auch nicht störend. Aber man merkt sie.

Eigentlich hätte ich hier fast den Text des Huawei Mate 10 Pro kopieren können, doch beim Design hat sich dann doch einiges geändert. Bei der Haptik nehmen sich die beiden Modelle aber im Grunde nicht viel, da sie auch fast gleich groß sind.

Huawei P20 Pro Test2

Bedeutet auch: Das Huawei P20 Pro ist ein sehr großes Smartphone. 6,1 Zoll und dann noch ein Rand auf der unteren Seite des Displays machen es vor allem recht lang. Bei der Breite fällt die Größe nicht so sehr auf (ich bevorzuge daher auch die aktuellen Displays mit knapp 2:1-Seitenverhältnis), bei der Länge jedoch schon.

Die Rückseite ist etwas unauffälliger (wenn man nicht Twilight wählt), die Kamera ist nun in der Ecke und wie beim iPhone X angeordnet und der Fingerabdrucksensor ist auf die Frontseite gewandert. Das bedeutet, dass wir vorne wieder einen Home-Button haben. Der Rand unten ist jedoch kaum dicker als beim Mate 10 Pro.

Diese Entscheidung wird die einen freuen, denn die Frontseite ist in der Regel die beliebteste Position für so einen Sensor, das Design leidet jedoch darunter. Das P20 Pro besitzt nämlich eine Notch und sehr wenig Rand auf der oberen Seite, dafür aber deutlich mehr auf der unteren Seite. Das wirkt am Anfang etwas unstimmig. Man gewöhnt sich daran, ich hätte mir aber vermutlich lieber einen Sensor auf der Rückseite und noch weniger Rand auf der Front gewünscht.

Wenn schon Fullscreen-Display mit Notch, dann „all in“ und auf allen Seiten.

Huawei P20 Pro Test22

Das P20 Pro wird übrigens wie jedes Huawei-Modell mit einer Displayfolie auf der Frontseite ausgeliefert. Normalerweise lasse ich diese drauf, doch beim P20 Pro habe ich mich mal dazu entschieden sie zu entfernen. Kratzer habe ich bisher keine gesehen, ich denke es kommt aber auch Gorilla Glas 5 zum Einsatz.

PS: Die Probleme des P10 (Stichwort: Displaybeschichtung) habe ich beim P20 Pro nicht feststellen können. Einer der Gründe, warum ich die Folie entfernt habe.

Die On-Screen-Tasten kann man deaktivieren und das Gerät dann über den Home-Button steuern. Damit komme ich immer noch nicht ganz klar bei Huawei. Am Ende wären mir glaube ich Touch-Tasten links und rechts am liebsten gewesen. Damit hätte man die gewohnte Bedienung und mehr Platz auf dem Display.

Huawei P20 Pro: Display, Performance und Akku

Das Display des Huawei P20 Pro ist sehr gut, es ist auch besser als beim Mate 10 Pro. Ich denke man hat jedoch weiterhin den gleichen Produzenten, die Qualität kommt nämlich nicht ganz an die eines Samsung Galaxy S9 oder Apple iPhone X heran, ist jedoch besser als beispielsweise einem LG V30. Ich vermute, dass man das Display im Bereich der Software optimiert, oder eine aktuellere Generation eingekauft hat.

Anmerkung: Huawei nennt den Produzenten des Displays offiziell nicht.

Das Display kann durchaus hell werden (Vorteil bei OLED im Sonnenlicht), ist mir aber im „unteren Bereich“ (bis 50 Prozent Helligkeit) etwas zu dunkel. Ich habe es im Test bei knapp 60-70 Prozent genutzt, da ich es hier optimal finde.

Huawei P20 Pro Test20

Über die FHD-Auflösung kann diskutiert werden, ich war bei QHD-Displays auch erst der Meinung, dass mehr besser sei, finde das mittlerweile aber nicht mehr.

Vor allem im Alltag sehe ich keinen Unterschied. Vielleicht in gewissen Szenarien und Bedingungen, aber nicht bei dem was man „normal“ mit dem Smartphone macht.

PS: Für VR wäre QHD ein deutlicher Vorteil, doch dieser Bereich ist vor allem bei Smartphones für mich mittlerweile komplett irrelevant geworden. Huawei selbst scheint das auch nicht zu interessieren, die Google-Plattform Daydream wurde im Mate 9 Porsche Design mal unterstützt, seit dem aber nicht mehr.

Über die Notch kann man streiten, ich habe sie noch nicht mal bei meinem ersten Eindruck bemerkt. Ich kann es glaube ich nicht oft genug erwähnen: Man gewöhnt sich sehr schnell daran. Ich kann verstehen, dass es optisch nicht die beste Wahl ist, aber so lange wir keine Sensoren und Kameras unter dem Display (oder woanders) haben, ist das meiner Meinung nach die beste Option, da man nicht einfach nur Rahmen, sondern oben auch noch etwas Display hat.

P20 Pro Notch Einschnitt

Huawei hat übrigens eine Software-Funktion eingebaut, welche die Notch verbirgt. Der Bereich links und rechts wird dann Schwarz und da es ein OLED-Display ist sieht man die Notch dann auch nicht wirklich. Habe ich mir kurz angeschaut, aber da ich kein Problem mit einer Notch habe direkt wieder deaktiviert.

Was mir gefällt: Bei Videos ist die Notch immer versteckt und Huawei nutzt die maximale Breite bis zur Notch. Videos sind der einzige Punkt, bei dem mich die Notch beim iPhone X ab und an stört, das wurde hier besser gelöst.

Was man bei der Notch noch erwähnen könnte: Sie ist deutlich kleiner, als beim iPhone X, das hat Huawei auch ganz stolz auf der Keynote erwähnt. Dafür gibt es auch weniger Technik in der Notch. Huawei arbeitet an einer Lösung wie Apple, das P20 Pro besitzt diese jedoch noch nicht. Vielleicht dann das nächste Mate.

Der relativ dicke Rand auf der Frontseite bringt aber wie gesagt den Vorteil mit, dass der Fingerabdrucksensor vorne ist und der ist wie immer verdammt schnell. Es ist schon fast lächerlich, wie sehr ein P20 Pro hier einem Galaxy S9 überlegen ist.

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Mit der Performance des Huawei Mate 10 Pro war ich am Anfang nicht wirklich zufrieden, es wurde dann jedoch mit Firmware-Updates besser. Man hat bis heute kein Pixel 2-Niveau erreicht, aber es wurde deutlich besser. Das P20 Pro steigt auf dem Level des Mate 10 Pro ein, ich spüre keinen Unterschied (obwohl hier schon Android 8.1 statt Android 8.0 zum Einsatz kommt).

Diese Entscheidung mit Android 8.1 finde ich übrigens sehr gut, denn während sich Samsung ausgeruht und das Galaxy S9 noch mit Android 8.0 ausgeliefert hat, war es Huawei wichtig die aktuellste Version (und den aktuellen Sicherheitspatch) parat zu haben. Die Update-Politik ist nicht die beste, aber sowas darf man ruhig auch loben – egal wie groß/klein der Einfluss am Ende ist.

Würde ich mir wünschen, dass EMUI verschwindet? Nichts lieber als das, ganz ehrlich. Von allen Oberflächen ist es die hässlichste für mich. LG kommt nah ran, übertroffen wird diese nur von der alten Sony-Oberfläche. Nichts, was man nicht mit einem Launcher und Anpassungen regeln kann, aber ich nutze Testgeräte auch gerne mal eine Weile mit der UI des Herstellers und da habe ich mir oft überlegt, dass eine Android One-Edition von diesem Modell super gewesen wäre.

Anmerkung: Komplett kann man das UI mit einem Launcher nicht verbergen und ich habe mit Huawei-Modellen auch immer wieder Probleme mit Launchern. Der Action Launcher wollte gar nicht erst starten und der Nova Launcher lief schon beim Mate 10 Pro nicht besonders rund. Ich habe mich beim P20 Pro kurzerhand für den Pixel Launcher entschieden und diesen größtenteils genutzt.

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Die Akkulaufzeit des Huawei P20 Pro ist sehr gut, aber bei einem Akku mit 4000 mAh habe ich auch nichts anderes erwartet. Das Mate 10 Pro kam schon nicht ganz an die Akkuleistung eines Mate 9 heran und beim P20 Pro ist es auch nicht anders. 4000 mAh in dieser Größe sind jedoch eine Ansage und sie sorgen dafür, dass man gut über den Tag kommt. Trifft man hier und da ein paar Optimierungen, dann wird ein „normaler Nutzer“ vermutlich auch zwei Tage damit auskommen.

Es ist jedenfalls schön, dass die P-Serie nun auf dem Niveau der Mate-Serie ist, doch ich habe auch mit anderen Testern gesprochen, an die „alten Mate-Tage“ kommen die neueren Geräte nicht heran. Im Vergleich mit einem Galaxy S9 und so ziemlich allen anderen Smartphones besitzt das P20 Pro jedoch einen klaren Vorteil bei der Akkulaufzeit. Kein aktuelles Modell kann hier mit dem P20 Pro mithalten.

Ihr wisst: Das ist wie immer ein sehr subjektiver Punkt, ich habe das Modell mit relativ hoher Displayhelligkeit und in den ersten Tagen auch schon am Abend leer bekommen und etwas später mit vielen Anpassungen hätte ich auch fast zwei Tage auskommen können. Es hängt sehr stark vom Verhalten der Nutzer ab und die Displayhelligkeit ist einer der größten Einflussfaktoren bei der Akkulaufzeit.

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Bonus: Das Modell lädt sehr schnell, Huawei nutzt aber seine eigene Technologie namens SuperCharge und nicht den „offiziellen“ USB Fast Charge Standard.

Großer Kritikpunkt: Huawei hat wieder eine Glasrückseite verbaut, verzichtet jedoch auf Qi. Vor allem dieser Punkt ist für mich noch der letzte große Kritikpunkt für ein optimales Gesamtpaket. Beim Huawei Mate RS gibt es bereits Qi. Ich vermute, dass das ab dem nächsten Mate im Herbst auch Standard bei Huawei sein wird.

Huawei P20 Pro: Die Triple-Kamera

Kommen wir zum interessantesten und gleichzeitig schwierigsten Punkt bei diesem Testbericht, der Kamera. Es ist das Alleinstellungsmerkmal und viele werden sicher auch den anderen Part übersprungen und direkt zu dieser Stelle gescrollt haben.

Das Huawei P20 Pro ist das erste Smartphone mit drei Kameras auf der Rückseite. Ein Sensor besitzt 40 Megapixel (RGB, f/1.8), der zweite 20 Megapixel (Monochrom, f/1.6) und der letzte 8 Megapixel (Telephoto, f/2.4). Auf der Frontseite gibt es 24 Megapixel (f/2.0). Insgesamt wurden hier also vier Kameras verbaut.

Ist es nun die beste Smartphone-Kamera auf dem Markt? Diese Aussage hat Huawei immerhin getroffen und DxOMark hat dem P20 Pro ebenfalls Platz 1 spendiert.

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Mein subjektiver Eindruck: Ja. Beim Mate 10 Pro hat man den Mund für meinen Geschmack etwas zu voll genommen und ich war etwas enttäuscht. Es war keine schlechte Kamera, aber Huawei hatte mehr versprochen. Das P20 Pro kann bei normalen Fotos aber definitiv mit einem Pixel 2 und iPhone X mithalten.

Bei normalem Tageslicht und optimalen Bedingungen ist mal das eine, mal das andere Smartphone vorne. Etwas, was beim Mate 10 Pro bei mir aber nicht der Fall war. Ob nun das eine oder andere Smartphone besser ist, ist schwer zu sagen, da viel über die Software herausgeholt wird und beim Ergebnis wird es subjektiv. Dem einen gefallen die Ergebnisse von Huawei, dem anderen vielleicht nicht.

Doch Huawei hat auch ein paar Tricks eingebaut. Die KI finde ich ganz nett, aber nicht immer passend. Vor allem mit Menschen hatte ich öfter mal meine Probleme, da die Anpassungen beim Hautton nicht immer gut aussehen. Finde ich zumindest. Aber das ist Geschmacksache und die KI kann deaktiviert werden. Ich habe sie aber aktiviert gelassen und lasse sie auch weiter aktiv, denn ein Mitarbeiter von Huawei gab an, dass die Ergebnisse beim Mate 10 Pro mit der Zeit (dank KI) immer besser wurden. Das möchte ich nun mal beim P20 Pro testen.

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Kleine Schwächen: Bei Videos ist das Huawei P20 Pro nicht das beste Modell und bei Porträtfotos (mit Fake-Bokeh) ist es auch nicht auf dem Niveau eines Pixel 2. Die 960 fps Aufnahme bei Videos (mit 720p) ist für mich übrigens mehr eine Spielerei, als sinnvolle Funktion. Die Qualität der Videos würde mir nicht ausreichen. Aber es ist möglich und daher baut man es ein, es ist ja auch kein Nachteil.

Es gibt auch eine Zoom-Funktion (3x und 5x), die bei mir im Test super funktioniert hat. Natürlich bekommt man nicht die Qualität eines echten Zooms, aber es kommt nah ran und ist in vielen Situationen ein Mehrwert. Es ist eine Funktion, mit der man sich von der Konkurrenz abhebt und bei der ich im Vorfeld ehrlich gesagt nicht gedacht hätte, dass sie so gut funktioniert. Selbst bei 5x Zoom kommen da oft sehr gute Bilder raus, spätestens hier kann kein anderes Smartphone mithalten.

PS: Laut Huawei arbeiten beim Zoom immer alle drei Kameras zusammen. Das mit der Stabilisierung klappt auch meistens gut und das obwohl nicht alle Kameras mit OIS ausgestattet sind (diese Frage steht ja aber nun im Raum, Huawei macht dazu jedoch keine Angabe). Man nutzt für die Stabilisierung die KI und nennt es AIS.

Die absolute Stärke des P20 Pro sind aber Nachtaufnahmen. Hier spielt es in einer anderen Liga. Bei diesem Punkt ist es nicht nur minimal besser, gefühlt hat Huawei hier wirklich eine Generation übersprungen und stellt alle anderen Modelle klar in den Schatten. Ich dachte wirklich, dass das am Ende nur viel Marketing-Gelaber ist, aber Huawei hat abgeliefert (auch wenn sie auf der PK übertrieben haben).

Man kann mit der Kamera-App sehr viel herausholen, aber selbst im normalen Standard-Modus (und den werden die meisten die meiste Zeit nutzen) liefert die Kamera unglaublich gute Fotos bei schlechtem Licht. Schaut euch bei Interesse mal meine Galerie bei Google+ an. Außerdem kann ich diesen Beitrag empfehlen.

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Das Huawei P20 Pro ist das derzeit beste Kamera-Smartphone auf dem Markt. Es ist nicht perfekt und hat auch noch Schwächen, aber es ist der Konkurrenz in vielen Punkten ebenbürtig und einigen überlegen. Die Frontkamera ist übrigens auch solide, ich würde sie aber maximal als durchschnittlich bezeichnen.

Bei Selfies sollte man dran denken den Beauty-Filter abzuschalten. Es sei denn man mag die künstliche Optik, ich finde diese immer noch fürchterlich.

Bonus: Die Kamera-App des P20 Pro ist sehr gut. Ich nutze bei einem Test zwar oft den Standard-Modus mit den Auto-Optionen (95 Prozent der Bilder müssen schnell gehen), doch der Pro-Modus ist sehr umfangreich und bei einem Workshop vor Ort haben wir bei einem professionellen Fotografen gesehen, was man da noch so alles raus holen kann. Man benötigt hier eigentlich keine weitere Kamera-App, die von Huawei bietet alles und sogar mehr, als viele andere Kamera-Apps.

Das P20 Pro besitzt die Option für einen Schnellstart der Kamera und die ist sehr schnell, jedoch ungünstig belegt. Statt der Power-Taste nutzt man nämlich die Taste für „Leiser“ (zwei Mal schnell drücken und die Kamera startet in wenige Sekunden) und wie ihr euch denken könnt ist das nicht immer (Musik) optimal.

PS: Standardmäßig werden Fotos mit 10 Megapixel aufgenommen, man kann aber auch (mit der Standard-Kamera-App) RAW-Dateien mit 40 Megapixel speichern.

PPS: Huawei hat sich einige (PureView-)Mitarbeiter von Nokia geschnappt, hier wird in Zukunft also vermutlich noch mehr passieren. Man hat uns auch schon bestätigt, dass sehr bald ein Update kommen soll, dass die Qualität weiter verbessert.

Huawei P20 Pro: Sonstiges

  • Das Huawei P20 Pro besitzt kein Bluetooth 5. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum Huawei auch im Jahr 2018 immer noch nicht auf den aktuellen Standard setzt. Er wird seit Android 8.0 offiziell unterstützt.
  • Das Huawei P20 Pro besitzt eine Gesichtserkennung, die sehr schnell ist. Nicht ganz so schnell wie beim OnePlus 5T, dafür aber auch „nur“ ähnlich sicher. Heißt: Keine 3D-Gesichtserkennung wie beim iPhone X. Eine solche wird bei Huawei aber auch bald kommen.
  • Das P20 Pro besitzt keinen 3,5 mm-Anschluss, dafür gibt es einen Adapter im Lieferumfang. Auch hier bleibe ich dabei: Stört mich nicht, ich bin seit vielen Jahren nur noch mit Bluetooth unterwegs.
  • Die Stereo-Lautsprecher sind okay, aber auch nicht überragend. Ich finde sie klingen bei voller Lautstärke etwas „blechern“. Huawei nutzt die Hörmuschel als zweiten Lautsprecher und dieser Lautsprecher ist bei kaum einem Hersteller wirklich gut. Er reicht aus und immerhin sind zwei Lautsprecher verbaut. Mit dem Pixel 2 kann das P20 Pro aber nicht mithalten.
  • Das Huawei P20 Pro besitzt einen Dual-SIM-Slot, jedoch keinen Slot für Speicherkarten. 128 GB sind ausreichend (für mich), aber etwas mehr Auswahl (eine Version mit 64 und eine mit 256 GB) wären schön.
  • Das Always-On-Display (AOD) ist immer noch sehr rudimentär aufgebaut und auch nicht von Haus aus aktiviert. Huawei versteckt es immer noch unter „Sicherheit & Datenschutz“ und nicht bei der „Anzeige“ in den Einstellungen.

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  • Das P20 Pro ist IP67-Zertifiziert, was für mich in der heutigen Zeit ein Standard geworden ist. Schade, dass das normale P20 diesen Schutz nicht besitzt.
  • Das Modell besitzt einen Desktop-Modus, wenn man es über HDMI mit einem Monitor verbindet. Das funktioniert, ist aber sehr rudimentär. Ich habe das mal kurz genutzt, würde es aber nur für Dinge wie Fotos und Videos verwenden, wirklich arbeiten kann ich damit nicht.
  • Als Nutzer eines iPhone X bin ich vom Vibrationsmotor verwöhnt, die Taptic Engine gehört für mich zu den besten Technologien auf dem Markt. Der Motor des P20 Pro war mir oft etwas zu „hart“ und hier könnte Huawei gerne auch etwas ähnliches einbauen.
  • Das P20 Pro besitzt einen Infrarotsensor, mit dem man dann zum Beispiel den TV bedienen kann. Das ist jetzt kein Killer-Feature, finde ich aber ganz nett.
  • Für meinen Geschmack ist immer noch zu viel Bloatware vorinstalliert. Die kann man entfernen, aber das muss bei einem Gerät für 900 Euro einfach nicht sein.
  • Zur Sprachqualität kann ich wie immer nicht viel sagen, ich habe dieses Mal aber tatsächlich viele Minuten mit dem P20 Pro telefoniert und war zufrieden. Im Schnitt sind es bei mir aber weniger als 20 Minuten im Monat, daher ist dieser Punkt für mich nicht entscheidend.

Ich habe mich beim Testmodell ganz bewusst für die Farbe „Twilight“ entschieden. Persönlich würde ich mir diese Farbe vermutlich nicht für den Alltag kaufen, aber ich mag sie. Huawei wagt etwas Neues und hebt sich damit vom Einheitsbrei ab und das darf man ruhig loben. Optisch auf jeden Fall ein Hingucker. Aber wie es bei einer Glasrückseite nunmal so ist: Fingerabdrücke kommen sehr schnell:

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Aber man kann sich auch eine (offizielle) Hülle für das P20 Pro kaufen:

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Was aber einige wundern wird: Das Huawei P20 Pro in „Pink Gold“ wird nicht in Deutschland angeboten und eine weiße/silberne Version gibt es auch nicht. Wenn man Twilight nicht mag, dann bleiben nur relativ dunkle Farben übrig und das ist vermutlich nicht unbedingt eine gute Wahl. Ich glaube Huawei sollte hier noch mit einer weiteren, schlichten und hellen Farbe nachlegen.

Huawei P20 Pro: Das Fazit

Das Huawei P20 Pro ist ein rundum gelungenes Gesamtpaket. Es ist mir ein kleines bisschen zu lang, die Größe des P20 (mit 5,8 Zoll) hätte mir ausgereicht. Dazu noch der Home-Button weg und das Modell wäre deutlich kompakter. Aber das ist eine Frage der persönlichen Vorliebe, es wird sicher auch Personen geben, denen 6,1 Zoll zu wenig sind. Und auch die Haptik ist ein sehr subjektiver Punkt.

Die Verarbeitung ist gut, es ist hochwertig, es ist schnell und besitzt die vielleicht beste Kamera im Moment. Vor allem bei schlechtem Licht überzeugt es und um meine eigene Frage vom ersten Eindruck zu beantworten: Ja, die Kamera wäre für mich ein Grund nicht zum Mate 10 Pro, sondern zum P20 Pro zu greifen.

EMUI kann man mögen, ich mag es immer noch nicht. Ein Punkt, der sich aber wohl nie ändern wird. Hier und da könnte man noch ein paar Kleinigkeiten verbessern, aber wirklich viel gibt es da nicht mehr. Mir fehlt immer noch Bluetooth 5, was ich mittlerweile ehrlich gesagt seltsam finde, da es alle anderen haben. Und Qi.

Hätte Huawei dem P20 Pro noch Qi für kabelloses Laden spendiert, es wäre für mich eines der besten Gesamtpakete bei den Android-Smartphones. Qi, Bluetooth 5 und reines Android mit Updates von Google und es wäre das beste Gesamtpaket.

Huawei P20 Pro Test1

Ihr seht aber schon: Es ist meckern auf hohem Niveau. Einige Punkte sind für die breite Masse nicht so wichtig, ich möchte sie bei einem Preis von 900 Euro aber erwähnt haben. Huawei spielt beim Preis ganz oben mit und da achte ich auf jedes Detail. Ich habe jedoch keinen Punkt gefunden, wegen dem ich von diesem Modell abraten würde und es gibt einen Punkt, wegen dem es eine Kaufempfehlung von meiner Seite gibt: Die Kamera. Hier hat man wirklich abgeliefert.

tl;dr Huawei hat ein sehr rundes Gesamtpaket beim P20 Pro geschnürt. Es gibt kaum Kritikpunkte und von Qi abgesehen sind sie für mich zu vernachlässigen. Dafür gibt es eine der besten Smartphone-Kameras auf dem Markt. 900 Euro ist eine Ansage, allerdings verlangen Samsung, HTC und LG auch nicht weniger und im Vergleich mit diesen Modellen würde ich wohl das P20 Pro bevorzugen.

Es gibt nur ein Modell, auf das ich schon jetzt sehr gespannt bin und welches ein für mich in diesem Jahr besseres Gesamtpaket bei den Androiden liefern könnte: Das Google Pixel 3. Doch das kommt erst im Herbst. Und bis es soweit ist, ist das Huawei P20 Pro das für mich beste Android-Smartphone 2018.

Das Testgerät wurde von uns von Huawei gestellt. Weitere Details gibt es auf der Produktseite von Huawei. Falls euch interessiert, wie wir Produkte testen, dann schaut hier vorbei. Bei Fragen zum P20 Pro schreibt uns in den Kommentaren.

Huawei P20 Pro: Gerät kaufen

Wertung des Autors

Oliver Schwuchow bewertet Huawei P20 Pro mit 4.5 von 5 Punkten.

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