Porsche Cayenne Electric: 10 Besonderheiten im Test

Der Porsche Cayenne Electric ist das Vorzeigemodell aus Zuffenhausen, wenn es um Elektroautos geht. Eigentlich sollte einst ein neuer Sportwagen als Flaggschiff (Mission X) kommen, aber dieser wurde einkassiert und kommt als Verbrenner (Mission S). Und auch der K1 (SUV über dem Cayenne) wird doch ein Verbrenner.

Dieses Auto, als Turbo mit der fast vollen Ausstattung, ist also das beste, was der VW-Konzern aktuell als Elektroauto zu bieten hat. Ich konnte ihn eine Woche im Alltag fahren, was nicht für einen vollwertigen Test reicht, also bin ich es hier etwas anders angegangen und habe 10 Besonderheiten des Cayenne herausgesucht.

Das Auto ist hochwertig, gut verarbeitet, hat tolle Materialien, viel Leistung, das ist alles bekannt, da würde ich euch nichts Neues erzählen. Bei einem Preis von über 200.000 Euro (218.853,65 Euro, um genau zu sein), kann man das alles erwarten. Da hat mich der Cayenne nicht positiv oder negativ in den sieben Tagen überrascht.

Der elektrische Cayenne ist da

Optisch finde ich den elektrischen Cayenne übrigens schöner als den Verbrenner, aber es bleibt kein schöner Porsche, egal mit welchem Antrieb. Da sind die anderen Auto der Marke für mich attraktiver, mit SUVs verdient man aber eben Geld. Doch darum soll es heute weniger gehen, kommen wir also direkt meinen Stichpunkten:

  1. Was mir direkt aufgefallen ist, was ich auch beim Taycan immer wieder beeindruckend finde, ist die „Agilität“ des Autos. Leistung ist eine Sache, davon gibt es mit über 1.000 PS mehr als genug, aber man merkt oft nicht, dass man hier ein 5 Meter langes und über 2,7 Tonnen schweres Schiff fährt. Das ist zwar kein Sportwagen, und ich verstehe nicht, wieso Porsche noch ein Modell über dem Cayenne baut (also ich verstehe es, die Nachfrage in den USA und China will das, aber es passt nicht zum neuen „Sportwagenschmiede“-Image), aber die meisten (und vor allem kompakteren SUVs) fahren sich weniger sportlich. Das muss man Porsche lassen, das können sie und dieses Wissen haben sie bisher sehr gut mit in die Elektromobilität genommen, selbst bei so einem großen Auto wie hier.
  2. Ein bisschen „trickst“ Porsche aber natürlich auch, denn es gibt sehr viel Leistung, die beispielsweise das Gewicht ausgleicht, aber bis heute macht man das auch mit einem guten Fake-Sound. Im Alltag will ich es lautlos, ich möchte kein lautes Brummen, wenn ich den Junior in die Kita fahre oder einen Ausflug mit der Familie mache, im Gegenteil. Aber hin und wieder schaltet man doch in Sport Plus und da sorgt der Sound von Porsche für Fahrspaß – man würde es als „Emotion“ als Autohersteller vermarkten. Ich benötige keine Fake-Gangschaltung, der Schaltvorgang war bei mir bei einem Verbrenner auch nie ein Highlight, auf das ich mich gefreut habe, aber der elektrische Sound im Cayenne ist, wie auch schon in den anderen Modellen von Porsche, echt gut gelungen. Und ich bleibe dabei und glaube, dass das etwas ist, mit dem auch andere Marken (wie Tesla oder Polestar) mehr Kunden abholen könnten. Als „Mensch, der gerne auffällt“ braucht man noch das laute Brummen für die Außenwelt, von mir aus, aber ein Sound-Feedback beim Fahren ist durchaus ein Mehrwert und das macht Porsche wirklich gut.
  3. Was mich hingegen bis heute enttäuscht, ist die Interpretation der Rekuperation, denn in kaum einem anderen Elektroauto muss ich so oft die Bremse wie bei Porsche betätigen. Es fehlt bis heute echtes One Pedal Driving. Porsche hat zwei Modi, komplett freies gleiten, was ich auch gut finde, und Rekuperation, aber das „bremst“ das Auto nicht wirklich ab. Am Ende ist es doch so: Als Kunde will ich die Wahl und das machen viele Marken gut. Gebt mir 3 oder 4 Modi und je nach Modus bremst die Rekuperation stärker oder nicht. Und in der maximalen Stufe will ich die Bremse kaum tätigen und zum Stehen kommen, diese nutze ich übrigens zu 90 Prozent im Alltag in der Stadt und im Umfeld. Es ist ja nicht so, dass das dann Pflicht für alle ist, aber bei Porsche fehlt mir bis heute die Wahl.
  4. Kommen wir noch kurz zu einem technischen Aspekt des Ladens, denn der Cayenne lädt mit bis zu 400 kW am Schnelllader und bis zu 22 kW an der Wallbox daheim, auf Wunsch sogar kabellos, was ich echt stark finde (aber nicht testen konnte). Doch mein eigentliches Highlight waren mal wieder die zwei Ladeports. Es gibt auf beiden Seiten des Autos einen Ladeport, was ich im Alltag wirklich praktisch finde. Nur einer kann DC, aber ich hatte mit Elektroautos schon so oft die Situation bei Parkplätzen, dass der Ladeanschluss nicht optimal nach dem Parken war, das ist hier besser. Ein Konzept, auf das Porsche seit dem ersten Taycan setzt, was die Konkurrenz aber leider kaum kopiert hat.
  5. Kommen wir langsam zum Innenraum und ich fangen direkt mit dem Display in der Mitte an. Das Fahrerdisplay bleibt ein Highlight, das lobe ich seit dem Taycan, es ist bis heute das beste dieser Art für mich. Und auch ein Beifahrerdisplay habe ich am Anfang belächelt, finde ich aber gar nicht mehr so schlecht. Doch das Display in der Mitte, das ist nicht gut. Die Biegung spiegelt, die Inhalte sind oft komisch verzerrt und gebrochen, was im Auto unpraktisch ist, und die Inhalte im unteren Bereich kann man bei der Fahrt nicht gut lesen oder bedienen. Und wenn, dann muss der Fokus so sehr auf diesen Part des Displays rücken, dass das nicht mehr sicher ist. Nette Spielerei für ein Konzept, aber kein Mehrwert im Alltag. Und viele Inhalte werden nur im oberen Bereich angezeigt, was nach der Biegung gar nicht mal so viel Fläche ist. Dieses ganze Konzept des Displays ist für mich ein Rätsel, denn…
  6. … das restliche Bedienkonzept ist hervorragend. Die Tasten, die Regler, das ist wirklich gut und hochwertig umgesetzt. Die Tasten fühlen sich toll an, man kann die wichtigsten Dinge damit einstellen, es gibt Regler für die Temperatur, die sich echt gut anfühlen und nach einer Fahrt blind zu bedienen sind. Gut gemacht Porsche. Umso ärgerlicher, dass a) das Display darüber so schlecht ist und b) dieses Konzept nicht im neuen Taycan gelandet ist, der weiterhin die mittelmäßige Touchbedienung in der Mitte hat. Man merkt aber, dass die ganzen VW-Marken in einer „Bedien-Krise“ stecken und nach den Fehlern der letzten Jahre so langsam ihre Linie finden. Und ich mag zwar moderne Bedienkonzepte und Touch, aber im Auto sollten gewisse Elemente physisch bleiben, das erhöht die Sicherheit.
  7. Und noch ein Punkt, der mir beim Infotainment direkt aufgefallen ist, ist der Aufbau der Displays. Das erinnert mich an das erste Konzept, welches Porsche damals als eine der ersten zwei Marken von Apple CarPlay Ultra teilte. Jede Wette, dass der Cayenne damit hätte kommen sollen. Neues Flaggschiff, neue Software, neue Plattform. Kam er aber nicht und Porsche schließt den Schritt nicht komplett aus, aber da man hier kein CarPlay Ultra findet, ist das Thema erledigt. Schade. Auch wenn ich die Software passabel finde. Es gibt Android Automotive (wenn auch ohne Google, dafür mit dem hauseigenen Store von VW) und kabelloses CarPlay funktionierte auch einwandfrei. Ich hätte aber lieber CarPlay Ultra in diesem Auto gesehen.
  8. Bleiben wir beim Innenraum, aber nicht bei der Software und den Displays, sondern einem Highlight, was ich so bisher noch nie testen konnte. Als ich keine Sitzheizung hatte, habe ich das belächelt und heute will ich nicht mehr darauf verzichten. Ähnlich war es später bei der Lenkradheizung. Im Cayenne gibt es aber, wenn auch gegen Aufpreis, eine Armlehnenheizung. Diese ist sowohl in der Tür als auch in der Mittelkonsole verbaut. Ich fahre gerne etwas kühler und mag warme Heizungsluft von vorne nicht, daher finde ich diesen Weg angenehm. Ich hatte letztes Wochenende eine längere Fahrt mit Sitzheizung, Lenkradheizung und Armlehnenheizung, alles auf der geringsten Stufe, die Lüftung selbst habe ich recht kühl eingestellt, es war perfekt. Dieses Extra würde ich mir auf jeden Fall dazubuchen (wer sich so ein Auto kauft, dem sollte Geld sowieso egal sein, also rein damit).
  9. Porsche hat eine gute App, inklusive Widgets, Watch-App und Komplikationen auf der Uhr, außerdem kann man den digitalen Schlüssel als CarKey festlegen, da ist das volle Paket als Apple-Nutzer dabei, was ich bin, und mag.
  10. Und noch eine kleine Anmerkung zum Schluss, die Coupé-Version des Cayenne gefällt mir wesentlich besser als der normale SUV. Für mich als Familienvater mit zwei Kindern ist der SUV die logischere Wahl (wobei da für ein 5 Meter langes Auto doch erstaunlich „wenig“ Platz ist), aber rein emotional würde ich den Coupé wählen. Die Woche stand ich mit meinem Cayenne neben einem Coupé (laut Nummernschild einem Firmenwagen) und dieser hat mir in dieser Version sogar zugesagt. Der Cayenne ist optisch nicht meine erste Wahl, war er noch nie, aber der neue Coupé sieht passabel aus.

Der vollelektrische Porsche Cayenne hat nach einer Woche einen eher gemischten Eindruck hinterlassen. Was aber bei mir auch daran liegt, dass der Cayenne zwar eine Cashcow für Porsche ist, für mich bis heute aber nicht richtig zur Marke passt.

Das ist immerhin ein fast 3 Tonnen schweres Auto, da kann man noch so oft das Wort „Sportwagenschmiede“ in den Raum werfen und die Optik des Coupé in die Nähe des 911ers rücken, es ist keiner. Erstaunlich agil für so ein Auto, das muss man Porsche lassen, aber die Physik hat dann am Ende eben doch ihre Grenzen.

Doch wer sich einen so großen und schweren SUV kauft, der geht sicher nicht davon aus, dass er die Kurven auf Landstraßen ausreizt, der fährt damit die Kinder in die Schule. Kleiner Spaß mit Vorurteilen am Rande, aber ich sehe doch einige Cayenne-Fahrer am Morgen, wenn ich den Junior mal wieder in der Kita abgebe.

Porsche kann das durchaus als Flaggschiff positionieren, auch wenn es hier und da ein paar Dinge gab, die ich anders gemacht hätte. Vor allem im Innenraum und im zentralen Bereich beim mittleren Display, den Touchelementen und der Software.

Und auch technisch gäbe es ein paar Dinge für das neue Modelljahr, denn einige Mitbewerber im Premiummarkt haben mittlerweile eine 8 bei ihren SUVs vorne, wenn es um die Reichweite geht, das neue AMG-Flaggschiff von Mercedes knackt immerhin die 700 km. Bei Porsche ist man gerade so bei über 600 km (WLTP).

Nicht schlecht, aber wir sprechen hier immerhin über das größte und teuerste Auto im Lineup der Elektroautos von Porsche, die Reichweite ist da eben sehr wichtig.

Es wird jedenfalls spannend bei Porsche in den nächsten Jahren, denn da ist so einiges im Umbruch und die Elektromobilität rückt in den Hintergrund. Das Geld fließt wieder in die Verbrenner, von daher bin ich mal gespannt, wie die nächsten Schritte beim Cayenne aussehen. Das Modelljahr 2027 ist ja kaum der Rede wert.


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  1. gork 🏆

    Ich bin eigentlich liberal, aber solche Monstrositäten an Ressourcenverschwendung gehören echt verboten.