Kommentar: Intel Arc G3 und Gaming-Handhelds – Das Imperium schlägt zurück

Bildquelle: Intel Corporation

Erst mit der Veröffentlichung des Steam Decks von Valve und insbesondere der Nintendo Switch von Nintendo vor einigen Jahren hat das Geschäftsmodell der Gaming-Handhelds wieder richtig an Fahrt gewonnen. Seitdem sind diverse Modelle auf den Markt gekommen. Einige der Gaming-Handhelds befinden sich bereits in der zweiten Generation und wurden in Bezug auf das Display (Größe und OLED-Technik), den Formfaktor und die Prozessoreinheit verbessert.

In der Anfangszeit war AMD als Prozessor-Ausstatter bei den Gaming-Handhelds stark vertreten. Das Unternehmen verstand schnell, dass es, um die Hersteller zu überzeugen, spezifische Chips brauchte, die für mobile Geräte viel Leistung bei gleichzeitig hoher Effizienz boten. Besonders beliebt war der Ryzen Z1 Extreme aus der Ryzen Z1-Serie mit der Prozessorarchitektur Zen 4, den ASUS im ROG Ally verbaut hat. Später folgten weitere Varianten: der Ryzen Z2 AG, der Ryzen Z2 GO, der Ryzen Z2 und der Ryzen (AI) Z2 Extreme.

Sie stellen bereits die zweite Generation dar und kommen unter anderem im Legion Go S, im Legion Go 2 und im ASUS ROG Xbox Ally (X) zum Einsatz. Mit den Ryzen-Prozessoren hat AMD also einen Nerv getroffen, auch wenn die Unterschiede zwischen dem Z1 Extreme und dem Z2 Extreme nicht so groß sind, wie man glauben mag. Dennoch eignen sich die High-Performance-Prozessoren bestens für mobile Gaming-Handhelds, egal ob Z1 Extreme oder Z2 Extreme. Während AMD breit aufgestellt war bzw. ist und sich bereits einen großen Marktanteil sichern konnte, lag Intel lange Zeit zurück.

Prozessoren und Gaming-Handhelds: Wo ist Intel?

Anfangs konnte der US-amerikanische Halbleiterhersteller Intel mit Hauptsitz im kalifornischen Santa Clara keine passende Prozessorreihe für Gaming-Handhelds bereitstellen. Im Dezember 2023 wurden die Mittelklasse-CPU der Meteor Lake H-Serie mit der Bezeichnung Intel Core Ultra 5 135H und die Highend-CPU mit der gleichen Prozessorarchitektur Intel Core Ultra 7 155H offiziell angekündigt.

Von den großen Herstellern setzt teilweise nur der taiwanesische Hersteller MSI auf die beiden Prozessoren und verbaut sie im MSI Claw A1M. Das hat in der Chefetage später wohl für mächtig Kopfschmerzen gesorgt. Nach dem Verkaufsstart musste sich das Unternehmen nämlich viel Kritik anhören. Keines der beiden Modelle konnte in Sachen Performance und Akkulaufzeit mit der Konkurrenz, insbesondere dem Valve Steam Deck und dem ASUS ROG Ally, mithalten.

Infolgedessen geriet auch Intel in die Defensive, denn kaum ein Hersteller wollte auf die Prozessoren setzen, da AMD eine deutlich bessere Performance bieten konnte. Vor allem war Intel im Nachteil, da die Prozessoren deutlich mehr Leistung benötigte, um eine vergleichbare Leistung wie die AMD-Alternative zu bieten. Die Akkulaufzeit war daher stets ein Thema bei Intel-Prozessoren – allerdings eher negativ behaftet.

Alles auf Anfang: Intel schafft die Kehrtwende

Das Kapitel war jedoch noch nicht endgültig abgeschlossen: Intel lieferte unzählige verbesserte Treiber für die Prozessoren Intel Core Ultra 5 und Intel Core Ultra 7 nach, sodass die Besitzer des MSI Claw A1M einige Monate nach der Veröffentlichung in den Genuss der verbesserten Leistung und Performance kommen konnten. In einigen Games konnte der Handheld sogar eine bessere Leistung als der ROG Ally von ASUS erzielen, sodass er sich langsam, aber sicher zum Geheimtipp entwickelte.

Während die verbesserten Treiber also aus dem Hause Intel kamen (und auch weiterhin entwickelt und veröffentlicht werden), arbeitete man im Hintergrund an der neuen Prozessorgeneration Intel Core Ultra 200V Series auf Basis der Lunar Lake-Generation. Diese ist auf eine möglichst hohe Effizienz ausgelegt.

Intel Core Ultra – Mehr als nur ein Hoffnungsschimmer für Intel | Bildquelle: Intel Corporation

Bei der Ankündigung der neuen Claw-Generation von MSI ist es daher nicht überraschend, dass der Hersteller erneut auf einen Intel-Prozessor setzt. Sowohl das Claw 7 AI+ als auch das Claw 8 AI+ sind mit dem neuen Prozessor der zweiten Generation ausgestattet und konnten auf Anhieb überzeugen.

Das Feedback nach der Veröffentlichung war sehr gut und beide Gaming-Handhelds etablieren sich als erstklassige Kaufempfehlung für mobiles Gaming – abgesehen vom recht hohen Preis, der allerdings die gesamte Branche betrifft. Besonders der neue Intel-Prozessor in Verbindung mit der Weiterentwicklung und Optimierung der Treiber sowie die Effizienz des Prozessors in Kombination mit dem 80Wh-Akku hoben den MSI Claw 8 AI+ auf eine neue Stufe – die langersehnte und von vielen gewünschte Kehrtwende von Intel gegenüber AMD war da.

Arc G3: Das sind die Zukunftspläne von Intel

Während AMD in diesem Jahr keine neue Generation seiner Ryzen-Prozessoren für Gaming-Handheld plant, was für viel Verwunderung sorgte, will sich Intel nicht ausruhen und hat vor einigen Monaten die neue Intel Arc G-Series offiziell angekündigt. Die inzwischen dritte Generation soll die Anstrengungen des Unternehmens weiter vorantreiben und laut Pressemitteilung einen „neuen Standard im Handheld PC-Gaming“ setzen.

Weiter heißt es, dass die neue Intel Arc G-Modellreihe für „Jahre fokussierter Innovation und ein tiefes Engagement für Gaming“ steht. Diese Vision soll mit dem Arc G3 und dem Arc G3 Extreme, die auf der Prozessorarchitektur Intel Core Ultra Series 3 („Panther Lake“) basieren, umgesetzt werden.

Die Chip-Entwicklung von Intel im Überblick | Bildquelle: Intel Corporation

Sowohl der Arc G3 als auch der Arc G3 Extreme sollen eine optimierte Performance und Effizienz gegenüber den Vorgängern mit sich bringen und sind erstmals speziell für Gaming-Handhelds entwickelt worden. Beide Varianten nutzen eine 14 Kern-CPU, die aus jeweils zwei Performance-Cores, acht Efficiency-Cores und vier Low-Power Efficiency-Cores im Intel 18A-Fertigungsprozess besteht. Die GPU des Arc G3 Extreme bietet 12 Xe3-Kerne der Arc B390, beim Arc G3 sind es 10 Xe3-Kerne der Arc B370. Zusätzlich sind Bluetooth 6 und WiFi 7 ab Werk integriert, was insbesondere beim Cloud-Streaming von Bedeutung ist.

Laut Intel soll der G3 Extreme im Vergleich zum AMD Ryzen Z2 Extreme bei 35 W im Durchschnitt ganze 42% schnellere Performance bei einer Vielzahl von Games bieten. Bei einigen ausgewählten Games wie ARC Raiders, Returnal, Red Dead Redemption 2 oder Death Stranding 2: On the Beach sind es sogar über 50%.

Auch im unteren Watt-Bereich leistet der Intel-Prozessor eine deutlich bessere Performance, was wiederum langfristig für eine weitaus bessere Akkulaufzeit sorgen soll. So soll beispielsweise der Intel Arc G3 schon bei 17W im Vergleich zum Ryzen Z2 Extreme bei 35W eine ähnliche Leistungsperformance bieten. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und stellen eine erhebliche Weiterentwicklung gegenüber den vorherigen Prozessoren dar.

Mehr Akkulaufzeit im Fokus

Mit der Intelligent Bias Control in Version 3.5 sollen zusätzliche Optimierungspotenziale freigeschaltet werden. Die Prozessoren sind so konzipiert, dass sie je nach Bedarf automatisch entsprechende Performance-Cores und Efficiency-Cores zuschalten oder deaktivieren. Intel hat nämlich in der Vergangenheit bemerkt, dass sowohl die CPU als auch die GPU in den Prozessoren eher „gegeneinander“ als miteinander arbeiten – die Folge ist eine zusätzliche und unnötige Prozessorleistung.

Künftig soll der Prozessor je nach Bedarf die entsprechende Leistung abrufen können, während die Performance-Cores oder Efficiency-Cores im System „ruhen“. Im Durchschnitt soll sich die Performance bei 12 W somit um 13 % steigern lassen. Besonders kleinere Spiele wie Indie-Games werden laut Intel davon sehr stark profitieren.

Doch Intel möchte die neue Prozessorgeneration noch effizienter machen und kündigt mit dem „Endurance Gaming Mode“ einen neuen allgemeinen Modus an. Mit voreingestellten FPS-Einstellungen im Bereich von 30, 40 und 60 FPS soll dieser die optimale Akkulaufzeit aus den Gaming-Handhelds herausholen. Dadurch werden Games, die auch mit über 100 oder 200 FPS laufen könnten, in den FPS „begrenzt“, um eine deutlich längere Spielzeit zu erreichen.

So sieht der MSI Claw 8 EX AI+ im Detail aus | Bildquelle: Intel Corporation

Laut Intel soll die Akkulaufzeit von 2:47 Stunden auf knapp 6 Stunden steigen, wenn man das Games Forza Horizon 6 zum Beispiel mit dem neuen Modus laufen lässt. Das Beispiel des Games Team Fortress 2 ist kaum zu glauben: Der „Endurance Gaming Mode“ lässt die Akkulaufzeit von 3:37 Stunden auf unglaubliche 11:45 Stunden steigen.

Intel XeSS soll den Unterschied machen – AMD im Nachteil?

Das weitere Zusammenspiel mit Software-Funktionen wie DirectX 12 Ultimate, Ray Tracing und Intel XeSS soll zusätzlich optimiert werden, um eine noch höhere Leistung und Performance zu erzielen. Bei XeSS handelt es sich um eine KI-gestützte Upscaling- und Frame Generation-Technologie.

Sie rendert Games in einer niedrigeren Auflösung, um die FPS massiv zu steigern. Um die Bildschärfe und die Details wieder auf das gleiche Niveau anzuheben, wird künstliche Intelligenz eingesetzt. Die Technologie hat in den letzten Jahren erheblich an Wert gewonnen. Intel konkurriert in diesem Segment mit DLSS von Nvidia und AMDs Upscaling-Technik FSR.

Mit dabei ist auch Acer, und zwar mit dem Predator Atlas 8 | Bildquelle: ACER

Auch Intel XeSS ist inzwischen wie die neue Prozessor-Generation in der dritten Generation angelangt. Es besteht aus drei Einzeltechnologien: XeSS Super Resolution bietet KI-basiertes Upscaling für eine höhere Leistung. XeSS Multi Frame-Generation ergänzt das Game um mehrere „interpolierte“ Frames, um eine flüssigere Spielerfahrung zu ermöglichen. Xe Low Latency ist direkt in die Game-Engine integriert und soll laut Intel „eine schnellere Reaktion auf die Eingaben der Spieler ermöglichen und so für ein responsiveres Spielerlebnis sorgen“.

Intel will alle drei Technologien in den kommenden Jahren weiterentwickeln und durch ständige Treiber-Updates verbessern, was besonders in Sachen Game-Unterstützung wichtig ist. Denn ohne offizielle Unterstützung bringt die Intel XeSS keinen Vorteil in den Games, die Entwicklerstudios müssen sie nämlich „aktiv“ integrieren.

Laut Intel unterstützen aktuell über 400 Spiele XeSS Super Resolution und über 100 Spiele XeSS Multi-Frame Generation. Entwicklerstudios (Intel nennt die Zahl von über 500) werden zudem mit Arc GPUs versorgt, damit die Unterstützung direkt ab Veröffentlichung integriert ist.

Das Motto lautet: Treiber-Updates sind wichtig

Ein paar Worte zur Treiber-Thematik: Lenovo hat sich zuletzt mit der Veröffentlichung von Treibern für das Legion Go 2 und Legion Go S keine Freunde gemacht. Diese erscheinen immer stark verzögert, was bei den Besitzern für viel Ärger sorgt – besonders, wenn neuere Games Probleme bereiten oder gar nicht erst starten. Das alte Sprichwort „Eine CPU kann nur so gut sein, wie ihre Treiber“ gilt seit jeher und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Bei MSI und seinen Gaming-Handhelds sieht halbwegs gut aus. Auch ASUS macht einen „relativ“ guten Job bei der Bereitstellung neuer Treiber – alle Beispiele mit AMD-Prozessor.

Am besten machen es jedoch wiederum MSI mit den Modellen Claw A1M, Claw 7 AI+ und Claw AI 8+, die allesamt einen Intel-Prozessor verwenden. Bis auf Updates für das BIOS oder die Verwaltungssoftware MSI Center muss bei der Treiberversorgung kaum Zusatzarbeit geleistet werden. Intel entwickelt die Treiber in Eigenregie weiter und stellt diese wöchentlich, mindestens jedoch einmal im Monat, zum Herunterladen und Installieren bereit.

Intel Arc G3 soll alles besser machen | Bildquelle: Intel Corporation

Anwender können also direkt ab der Veröffentlichung auf die neueren Treiber-Versionen zugreifen, ohne auf die OEM-Hersteller zu warten. In der Pressemitteilung wird dieses Thema zwar eher klein gehalten, aber mit einem Augenzwinkern und dem Begriff „Day-0 Driver Optimizations“ erwähnt. Gerade diese Treiber-Thematik wird für einige Personen ein entscheidender Kaufgrund sein, den Intel am besten ausspielen kann.

Intel macht ein eindrucksvolles Comeback

Insgesamt ist das starke Engagement von Intel deutlich spürbar. In den letzten Jahren hat man sich von AMD (und teilweise auch Qualcomm) abhängen lassen und gerade in der aktuellen Zeit, in der Prozessoren eine große und wichtige Rolle spielen, keine ernsthafte Alternative im Bereich Gaming-Handhelds präsentiert. Mit dem Intel Arc G3 und Arc G3 Extreme ist man aber auf einem sehr guten Weg, verlorene Marktanteile und besonders das verlorene Vertrauen der Käufer zurückzugewinnen.

Die Technik und die Unterstützung durch Hersteller, die die Prozessoren in ihren Geräten verbauen, sehen gut aus. Den Anfang machen hierbei die Modelle Predator Atlas 8 von Acer und der OneXPlayer des Herstellers OneXPlayer. Wie erwartet ist auch MSI wieder mit dabei und wirkt mit dem Claw 8 EX AI+ von Anfang an mit. Laut Intel sollen in den nächsten Monaten weitere Geräte folgen.

Bei der ganzen Sache gibt es nur einen Wermutstropfen: Die kommenden Gaming-Handhelds werden unabhängig vom Hersteller nicht günstig sein. Die Preise kennen leider nur eine Richtung – steil nach oben. Siehe dazu auch meinen Kommentar vom April, in dem ich schreibe, dass der Legion Go 2 von Lenovo aufgrund der gestiegenen Preise als Gaming-Handheld nicht (mehr) wettbewerbsfähig ist. Das Hobby „Gaming“ und der Kauf eines Gaming-Handheld wird langfristig mit hohen Kosten verbunden sein.

mobiFlip zuerst in deinen Google News – jetzt als Quelle setzen Haken setzen ↗

Weitere Themen
Hinterlasse deine Meinung

1 Kommentar aufrufen

Die mobile Version verlassen