Kommentar: Die Sache mit den „gezielten Leaks“

Ich kenne mehrere Fälle, in denen ein Unternehmen ganz bewusst Details für ein neues Produkt vorab „versehentlich“ geleaked hat, um die Aufmerksamkeit etwas zu erhöhen. Oder um (ohne viel Marketingbudget) überhaupt gesehen zu werden.

Und ich kenne Fälle, in denen sogar Geld geflossen ist, damit gewisse Leaker ein Produkt „leaken“. Aber bis heute hält sich der Mythos, dass Leaks zum festen Marketing der Unternehmen gehören. Gibt es, aber man muss hier unterscheiden.

Große Marken lieben die Kontrolle

Wie beispielsweise bei den neuen AirPods mit Kamera, bei denen es diese Woche sogar ein Video im Internet gab. Oder dem massiven Leak rund um GTA 6, bei dem wir nach vier Jahren endlich wieder echtes Gameplay vom Spiel gesehen haben.

Solche Dinge sind nicht gewollt, und vor allem nicht von Unternehmen wie Apple oder Rockstar, die Kontrolle lieben. Und auch nicht jeder Leak ist gutes Marketing.

Das Video der AirPods mit Kamera zeigt beispielsweise nur wenig und wirft mehr Fragen als Antworten auf, sowas ist drei Wochen vor dem Event nicht im Sinne von Apple. Und eine Woche vor der offiziellen Preview von GTA 6, bei der Rockstar alle Szenen selbst auswählen kann, will man sicher kein altes Gameplay von 2024.

Ein anderes Beispiel wäre Porsche, die beim Taycan zwar selbst nicht mehr von einer langfristigen Zukunft sprechen, die nach der Modellpflege aber sicher keine Headlines wollen, in denen über ein Ende des ersten Elektroautos berichtet wird.

Diese Leaks schaden dem Produkt eher und ich weiß es zwar nicht mit Sicherheit, kann mir aber kaum vorstellen, dass diese Details „gezielt“ ins Netz gestellt wurden.

Leaks können auch Marketing sein

Dann gibt es da noch das „Mittelding“, also Leaks, die vermutlich nicht gewollt sind, bei denen man aber nichts dafür kann und es nicht schlecht ist. Wie der neue Fitness-Tracker von Google oder die neuen Produkte von Sonos, die bald kommen.

Das sind nur ein paar aktuelle Beispiele der Woche, aber vor allem die Leaks rund um GTA haben die Diskussion der „gezielten Leaks“ doch wieder etwas stärker entfacht. Es gibt nicht wenige, die glauben, dass Rockstar das Material selbst ins Netz gestellt hat. Ich will hier daher nur aufzeigen, dass es unwahrscheinlich ist.

Für Nerds mag es spannend sein, wenn man Jason in einer alten Version von GTA 6 eine Minute beim Wurf eines Basketballs zuschaut, aber das ist sicher nicht die „Geschichte“, die Rockstar mit diesem neuen Spiel im Herbst erzählen möchte.

Also ja, es gibt gezielte Leaks, ich kenne selbst mehrere, aber mir ist sowas bisher eher von kleinen Marken bekannt, die sich damit Aufmerksamkeit erhoffen. Apple ist nicht daran interessiert, dass wir einen Monat vor dem iPhone 18 Pro über das iPhone 20 Pro sprechen, was 2027 kommt und wohl ein großer Schritt sein wird.

Es ist wichtig im Gespräch zu bleiben, das weckt Begehrlichkeit nach der Marke und dem Produkt, keine Frage. Ich glaube auch, dass die meisten Leaks eher von Vorteil für das Marketing sind. Aber ich weiß eben auch, wie sehr die meisten der großen Unternehmen die Kontrolle lieben und die Geschichte beeinflussen wollen.

tl;dr Es gibt gezielte Leaks und Leaks gehören in der heutigen Zeit sicher auch zum Marketing dazu, Apple weiß beispielsweise, dass der Code von iOS 27 untersucht wird und Details darin hat man vielleicht auch bewusst „versteckt“, aber nicht alle Leaks sind gut und mit Sicherheit auch nicht immer vom Unternehmen gewollt.


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