Wero startet ab heute im niederländischen Onlinehandel. Die Ablösung von iDEAL könnte auch die Akzeptanz in deutschen Onlineshops erhöhen.
Die European Payments Initiative (EPI) hat die nächste Phase der Umstellung vom niederländischen Bezahlsystem iDEAL auf Wero eingeleitet. Ab sofort können Zahlungsdienstleister die neue Bezahlmethode schrittweise für niederländische Onlinehändler bereitstellen. Beteiligt sind unter anderem ING, Rabobank, ABN AMRO, bunq und weitere Banken.
Bis Ende 2027 soll die Migration möglichst abgeschlossen sein. Rund 15 Millionen Verbraucher in den Niederlanden sind von der Umstellung betroffen. Für sie ist zunächst keine aktive Registrierung erforderlich, die Banken informieren ihre Kunden über die jeweiligen Änderungen.
Warum der iDEAL-Wechsel auch für Deutschland interessant ist
Die Umstellung könnte über den niederländischen Markt hinaus Auswirkungen haben. Denn iDEAL wird nicht ausschließlich in den Niederlanden eingesetzt. Auch international tätige Onlineshops, darunter Anbieter mit deutschen Verkaufsplattformen, haben die Zahlungsmethode bislang für Kunden mit niederländischen Bankkonten angeboten.
Mit Wero entsteht nun die Möglichkeit, über eine gemeinsame technische Integration Kunden aus mehreren europäischen Ländern zu erreichen. Für Händler könnte das ein wichtiger Anreiz sein, die neue Zahlungsmethode nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in Deutschland anzubieten.
Dafür sprechen mehrere Entwicklungen:
- Bestehende Händleranbindungen: Zahlreiche Händler akzeptieren bereits iDEAL. Durch die notwendige Migration zu Wero entsteht ein konkreter Anlass, die eigene Zahlungsintegration zu modernisieren.
- Grenzüberschreitende Nutzung: Wero soll über eine einzige Integration Zahlungen von Kunden aus verschiedenen unterstützten europäischen Märkten ermöglichen.
- Weniger technischer Aufwand: Händler müssen für die einzelnen Länder grundsätzlich keine vollständig getrennten Wero-Integrationen aufbauen.
- Unterstützung durch Zahlungsdienstleister: Anbieter wie Stripe begleiten die Migration von iDEAL zu Wero und empfehlen Händlern, die Zahlungsmethode auch für deutsche Kunden einzuführen.
- Größere Reichweite: Wero zählt bereits rund 60 Millionen Nutzer bei Zahlungen zwischen Privatpersonen in Belgien, Frankreich, Deutschland und Luxemburg. Mit den Niederlanden kommt ein weiterer großer Markt hinzu.
Diese Punkte sprechen dafür, dass die Umstellung mittelfristig auch die Zahl der Wero-Akzeptanzstellen in Deutschland erhöhen könnte. Gerade für Händler, die ohnehin Kunden in mehreren europäischen Ländern bedienen, wird eine einheitliche Bezahlmethode damit interessanter.
Eine automatische Freischaltung gibt es allerdings nicht
Eine wichtige Einschränkung bleibt: Wer bisher iDEAL angeboten hat, akzeptiert dadurch nicht automatisch Wero-Zahlungen deutscher Bankkunden. Händler beziehungsweise ihre Zahlungsdienstleister müssen die entsprechenden Funktionen technisch bereitstellen und gegebenenfalls aktivieren.
Auch lässt sich derzeit nicht beziffern, wie viele zusätzliche deutsche Onlineshops durch die niederländische Migration tatsächlich Wero einführen werden. Die technischen Voraussetzungen und wirtschaftlichen Anreize verbessern sich allerdings.
Weitere Funktionen folgen 2027 und 2028
EPI plant bereits zusätzliche Funktionen für den Onlinehandel. Im zweiten Quartal 2027 sollen unter anderem Abonnements und Zahlungen bei Lieferung unterstützt werden. Damit würde Wero über klassische einmalige Onlinezahlungen hinausgehen.
Für niederländische Verbraucher ist außerdem ein integrierter Käuferschutz bis Januar 2028 vorgesehen. Die konkrete Ausgestaltung wird noch mit Händlern, Banken, Zahlungsdienstleistern und Verbraucherorganisationen abgestimmt. Erste Details sollen im ersten Quartal 2027 vorgestellt werden.
Wero ist für Zahlungen zwischen Privatpersonen bereits in mehreren europäischen Ländern verfügbar. Zahlungen im Handel werden ebenfalls schrittweise ausgebaut. Die Ablösung von iDEAL dürfte diesen Prozess beschleunigen, weil sie bestehende Händler und Zahlungsdienstleister unmittelbar in die Umstellung einbindet.
Für deutsche Verbraucher wäre vor allem eines interessant: Wenn internationale Händler ihre Wero-Anbindung künftig länderübergreifend nutzen, könnte die Zahlungsmethode in deutlich mehr Onlineshops auftauchen, ohne dass jeder Markt eine eigene technische Lösung benötigt.
