Samsung Galaxy Nexus Testbericht

Das Samsung Galaxy Nexus im Test zu haben, ist für mich eine recht bedeutende Sache. Denn es ist nicht nur das Smartphone, welches mein persönlicher Begleiter über das nächste Jahr werden soll, sondern auch ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung von Android. Es gab bisher einige Geräte, die mit einer Android-Version ausgestattet waren, welche direkt von Google kam und im Grunde keine Veränderungen erfahren hat. Nach dem HTC Dream aka T-Mobile-G1 war dies zum Beispiel auch mein HTC Magic.

Nun um die drei Jahre später tritt das Galaxy Nexus die Nachfolge zweier recht beliebter Nexus-Smartphones an und muss beweisen, was Google mit Android und was Samsung in Sachen Hardware auf dem Kasten hat. Es ist nicht irgendein Smartphone. Es ist das erste Seriengerät mit der neuesten Android-Version mit dem Namen Ice Cream Sandwich und gleichzeitig auch ein Vorzeigegerät. Ein Anti-iPhone, das einzige Smartphone, welches mit Apples Verkaufswunder verglichen werden kann, da Google das Betriebssystem direkt an die Hardware angepasst hat, sowie Updates selbst ausliefern wird.

Was haben wir nicht alles schon im Vorfeld über das Galaxy Nexus hören müssen. Bevor es überhaupt vorgestellt wurde, war es für viele schon veraltet. “Nichts neues” oder “viel zu teuer für alte Technik” durfte ich mir in letzter Zeit sehr häufig anhören. Sicher, dies kam meist von Nutzern, die das Gerät nicht selbst in den Fingern hatten und jede Menge Kohle für ihr aktuelles Gerät ausgegeben haben. Dies zeigt auf jeden Fall, wie erhitzt die Gemüter derzeit sind. Denn während Samsung sich mit der Galaxy-Serie einen guten Namen machen konnte und Google diesen gleichzeitig für die Nexus-Serie nutzt, treffen automatisch verschiedene Käufergruppen aufeinander.

Am 19. Oktober 2011 war es dann soweit, Google und Samsung stellen das Galaxy Nexus und Android Ice Cream Sandwich offiziell vor. Die Optik und die technischen Daten entsprachen den bereits im Vorfeld bekannt gewordenen Informationen und dennoch spürte man bereits bei der Präsentation des Gerätes, dass es etwas Besonderes ausstrahlte. Es ist eben nicht eines von den vielen Android-Smartphones auf dem Markt, sondern DAS Android-Smartphone.

Auf den ersten Blick entspricht es der Optik eines Nexus S, was auch ein Grund war, warum mir das Galaxy Nexus spontan zusagte. Ich habe nämlich knapp ein Jahr das Nexus S genutzt und war damit rundum zufrieden. Es war damals der Nachfolger vom Nexus One, welches noch von HTC produziert wurde und konnte im Alltag regelmäßig seine Stärken ausspielen. Die Kamera war überzeugen und ist heute noch eine der besten Linsen in einem Smartphone. Der Akku erreichte solide Laufzeiten und der Super AMOLED Screen hatte es mir sowieso angetan. Dazu kamen natürlich die regelmäßigen Updates von Google und einfach eine gelungene Anpassung der Software an die Hardware.

Hardware

Wie macht man also ein Nexus S noch besser? Ganz einfach, man lässt es erwachsen werden. Das Galaxy Nexus ist größer, schlanker und schneller. Aber es schaut immer noch irgendwie aus wie ein Nexus S. Das mag ich. Wenn man jetzt glaubt, Samsung hätte aus den Fehlern der Vergangenheit nicht gelernt, dann irrt man. Die Tasten am Galaxy Nexus sitzen fest und haben einen sehr feinen Druckpunkt. Klingt simpelt, aber ist ein Beispiel dafür, wie Samsung die Wertigkeit im Detail verbessern konnte. Nicht nur der Rahmen wirkt hochwertig, obwohl er aus Kunststoff ist, sondern auch die Rückseite ist angenehm gummiert. Der typische Knubbel auf der Rückseite sowie die durchgängige schwarze Front gefallen mir persönlich ganz gut, wobei ich durchaus auch andere Stimmen gehört habe, die lieber auf eine flache Rückseite gesetzt hätten.

Wir müssen nicht drumherum reden. Wer lieber Metall mag, ist mit dem Galaxy Nexus nicht gut beraten. Wie gesagt wirkt das Gerät zwar keineswegs billig und der Kunststoff hat durchaus seine Vorteile beim Gewicht, aber er wird sich wohl nie so anfühlen wie ein Unibody aus Alu, wie ihn zum Beispiel HTC oftmals einsetzt. Ich kann sehr gut damit leben, da ich lieber ein leichtes Geräte mit mir rumtrage. Gerade bei der Größe des Galaxy Nexus wäre das Gewicht mit Metall wohl deutlich erhöht.

Diverse kleinere Verbesserungen halten zudem Einzug. So wurde der Abstand zwischen Display und Rahmen verkleinert und Dock-PINs an der Seite verbaut, welche natürlich direkt zu dem dazugehörigen Dock passen. Besonders freuen dürfte einige Nutzer die verbaute Benachrichtungs-LED, welche in diversen Farben genutzt werden kann. Die Packung des Samsung Galaxy Nexus (siehe Bild) ist recht groß und länglich. Im Inneren schlummern neben dem Gerät eine Kurzanleitung, ein Netzteil mit USB-Anschluss, ein In-Ear-Headset, dessen Klang sich durchaus hören lassen kann, sowie ein USB-Kabel. Rein technisch schaut es so im Galaxy Nexus aus:

  • Android 4.0.1 Ice Cream Sandwich
  • 1,2 GHz Dual-Core-Prozessor TI OMAP 4460 + PoweVR SGX540 GPU
  • 1 GB RAM
  • 16 GB interner Speicher
  • 5 Megapixel Kamera mit LED-Blitz und 1080p-Videoaufnahme
  • 1,3 Megapixel Frontkamera
  • HSPA+ (LTE-Version nicht für Deutschland)
  • W-Lan b/g/n
  • Bluetooth 3.0, GPS
  • NFC, Wi-Fi Direct-Unterstützung
  • 1750 mAh Akku
  • Gewicht: 135 Gramm
  • Kompass, Beschleunigungssensor, Gyroskop, Näherungssensor, Lichtsensor, Barometer
  • Größe: 135,5 x 67,94 x 8,94 mm

Ist das Gerät zu groß? Für mich nicht, aber es ist hart an der Grenze. Ich kann durchaus verstehen, wenn einige Leute nicht mit solch einem großen Gerät rumlaufen möchten, denn es erfordert schon etwas Aufwand, bis man seine angelernten Bedienweisen geändert hat. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es eigentlich Quatsch ist, generell zu sagen, ich komme nur bis Größe xyz klar, denn es kommt eben immer auf das jeweilige Gerät an. Ich mag manche 4-Zoll-Geräte weniger, als das Galaxy Nexus, weil sie einfach nicht so eine abgerundete Form haben und darum weniger gut in der Hand liegen. Wer sich wirklich unsicher ist, sollte vorher einfach mal beim Elektrofachmarkt um die Ecke vorbeischauen und testen. Weitere Details dazu auch im Beitrag zum Größenvergleich oder in folgendem Video, in dem unser Oliver einige aktuelle Geräte mit dem Galaxy Nexus vergleicht.

Auch beim Samsung Galaxy Nexus setzt Samsung nicht auf Gorilla Glass für das Display, was meines Erachtens nicht weiter schlimm ist, da ich diese Marke eh mehr für eine Werbemaßnahme, als für extra-solides Glas halte. Ich habe nun fast ein Jahr mein Nexus S und bis heute nicht einen Kratzer auf dem Screen. Ich behandle meine Geräte aber auch nicht besonders rabiat. Ich denke bzw. hoffe der Screen beim Galaxy Nexus wird ähnlich solide wie der des Nexus S sein. Bisher macht er eine gute Figur und auch die Beschichtung ist wieder überraschend fettabweisend. Sollte ich mir das Display wirklich irgendwann selbst zerstören, werdet ihr es sicher hier im Blog erfahren.

Alle die zudem Angst haben, das Display könnte durch seine PenTile-Matrix nicht überzeugen, werden mit dem Galaxy Nexus eines Besseren belehrt. Der Screen ist wirklich Hammer und überzeugt mich komplett! Die Farben sind satt, wenn auch nicht ganz so satt, wie bei der Option “Dynamisch” beim Galaxy S2. Die Schärfe ist unübertroffen, gerade im AMOLED-Bereich. Leider hat Google die automatische Helligkeit ein wenig zu dunkel eingestellt. Hier ging es wohl mehr um die Akkulaufzeit. Ich bin vollkommen zufrieden und erkenne mit bloßem Auge keine Pixel. Mehr erwarte ich aktuell nicht von einem Smartphone-Display und ich bin zuversichtlich, dass ich es damit ca. ein Jahr aushalten könnte.

Das verbaute Barometer ist wohl etwas ungewöhnlich. Dafür gibt es aber eine einfach Erklärung. Es dient in erster Linie dazu, einen schnelleren GPS-Fix zu erhalten. Man kann es zwar auch für die Wetter-Apps und andere Dinge benutzen, aber in erster Linie wurde es verbaut, da es im Grunde wie eine Art Höhenmesser fungiert und so eine weitere Ebene in die Standortbestimmung bringt, die es ermöglicht, sehr schnell die richtige Position zu finden. In der Praxis funktioniert das erstaunlich gut. Ich will jetzt die Zeit der Suche nicht in Sekunden angeben, aber mein Standpunkt wurde zu Fuß, wie auch im Auto immer äußerst flott gefunden.

Auch interessant ist die native Unterstützung von Android Ice Cream Sandwich für Eingabestifte und Gamecontroller. Zwar gibt es bisher bereits Android-Geräte, die einen Eingabestift nutzen (HTC FlyerSamsung Galaxy Note). Die Umsetzung basiert aber auf einer eigenen Lösung der Hersteller. Zudem muss man mit einer teilweise erheblichen Verzögerung bei der Eingabe leben, die ein normales Schreiben nicht gerade komfortabel gestalten. Hier kann man bei nativem Support auf Verbesserungen hoffen. Die Unterstützung für Gamecontroller über den USB-Host-Anschluss macht vor allem Sinn, wenn man sein Gerät per HDMI bzw. MHL an ein TV-Gerät anschließt. Dies ist beim Galaxy Nexus problemlos möglich, wie ich selbst mit einem passenden MHL-Adapter bereits testen konnte. Das Bild wird im Querformat über den Adapter ganz normal per HDMI am TV ausgegeben.

Ein Punkt der zeigt, dass Google mit Android Ice Cream Sandwich näher an Honeycomb liegt, als an Gingerbread, ist der fehlende Massenspeichermodus im Samsung Galaxy Nexus. Dieser sollte in der Praxis zu weniger Nachteilen führen, als man erstmal vermutet. Nur Zubehör wie einige Autoradios oder Soundsysteme, die auf solch einen Modus angewiesen sind, könnten Probleme mit dem Gerät bekommen. Das Smartphone unterstützt das Media Transfer Protocol aka MTP, was eine Weiterentwicklung vom Picture Transfer Protocol aka PTP ist und nach außen hin so gut wie keinen Unterschied zum Massenspeichermodus mit sich bringt. Unter Windows wird das Gerät dann als Medienwiedergabegerät statt als reiner USB-Speicher erkannt. Dies erlaubt das problemlose Übertragen von Dateien. Wie sich das unter Linux bzw. Mac verhält, kann ich euch nicht sagen. Der PTP dürfte aber auch dort funktionieren. In meinem Test konnte ich jedenfalls keinerlei Probleme an einem PC mit Windows 7 (64 Bit) feststellen.

Das Gerät zeigt sehr schön, was Apples iPhones seit Generationen vormachen. Es kommt nicht nur auf die einzelnen Bauteile, sondern auf die Anpassung der Software an. Sind Betriebssystem, Treiber und Hardware perfekt aufeinander abgestimmt, kann man einiges an Leistung bieten. Die GPU ist zwar eine etwas ältere SGX540, durch die Übertaktung kann sie aber noch ganz gut mithalten. Der verbaute TI Omap 4460-Prozessor verrichtet seinen Dienst solide und bringt auch in Sachen Akkulaufzeit akzeptable Werte hervor. Zudem ist der TI-Chipsatz für diverse Funktionen von Ice Cream Sandwich optimiert. So ist er z.B. für die Gesichtserkennung oder die nahtlosen Fotoaufnahmen verantwortlich. Weitere lesenswerte Infos (auf englisch) dazu gibt es auch im Blog von Texas Instruments.

Ein weiteres interessantes Thema ist die Hardwarebeschleunigung. Mit Android 3.x Honeycomb konnte man diese zwar nutzen, aber nur, wenn Entwickler sie auch in ihren Apps aktiviert haben. Dies soll sich nun mit Android 4.0 Ice Cream Sandwich ändern. Standardmäßig ist die Hardwarebeschleunigung also für alle Apps ab API-Level 14 aktiv, was deutlich dazu beitragen könnte, dass Apps flüssiger laufen. Ob dies auch in der Praxis der Fall sein wird, muss sich aber noch zeigen. Denn nicht nur die Funktion muss aktiviert sein, sondern auch die Hardware an sich muss natürlich genügend Power haben. Im Fall des Galaxy Nexus schaut es derzeit noch relativ bescheiden damit aus. Selbst recht bekannte Programme wie die offizielle Twitter-App stocken nur so vor sich hin.

Für mich persönlich wäre noch das Zubehör interessant. Hier wird es eventuell einen 2000 mAh starken Akku geben, sowie diverse Dockingstationen bzw. Autohalterungen. Leider gibt es in diesem Bereich noch keinerlei Infos zu den Preisen oder der Verfügbarkeit. Ganz billig dürften die kleinen Ergänzungen aber nicht werden. In diesem Zusammenhang will ich direkt noch mal auf die Akkulaufzeit hinweisen, mit der ich persönlich sehr zufrieden bin. Ich habe bereits von diversen Nutzern diverse Meinungen zu der Akkulaufzeit des Galaxy Nexus gehört und kann immer nur darauf hinweisen, dass eine Einschätzung in diesem Bereich einfach von der persönlichen Nutzung abhängt. Ich komme locker über den Tag. Ich installiere mir aber auch nicht viele Apps und mache den Daten-Sync schon mal aus, wenn ich weiß, dass ich eine Weile nicht aufs Smartphone schauen kann.

Kamera

Einiges an Kritik musste die Kamera des Samsung Galaxy Nexus einstecken, denn diese hat “nur” 5 Megapixel (alle, die das stört mal hier lesen) und wäre nicht so gut, wie die vom Samsung Galaxy S2, an dem sich das Nexus ja nun dauernd messen lassen muss. Ich bin von der Kamera des Nexus S recht verwöhnt, denn mit dieser war ich voll zufrieden. Die Aufnahmen mit Blitz gefallen mir beim Galaxy Nexus besser. Die Einschätzung der Qualität überlasse ich aber jedem selbst. Für mich ist die Kamera okay. Sie haut mich nicht vom Hocker und an das Nexus S oder Sony Ericsson Xperia Arc S kommt sie meines Erachtens nicht heran, aber okay ist sie allemal. Ob man da softwareseitig noch etwas drehen kann, muss man abwarten. Hier gibt es die Galerie bei Google+ und in diesem Beitrag findet ihr einige 1080p-Demovideos. Einen kurzen Clip in den Abendstunden gibt es nachfolgend.

Der meines Erachtens wichtigere Punkt bei der Kamera ist das “Zero Shutter Lag”, was bedeutet, dass man beim Fotografieren im Grunde keine Verzögerung hat und das Beste daran ist, dass dies auch mit Blitz funktioniert. Einfach nacheinander “durchknipsen”, ohne Wartezeit. Davon bin ich schon recht beeindruckt. Verschiedene weitere Dinge wie der Touch-Fokus sind oftmals hilfreich und sollten vor allem vor der Aufnahme von Bilderserien angewandt werden. Ein integrierter Videoeditor rundet den Funktionsumfang ab und lässt zumindest mobil kaum noch Wünsche offen.

Folgendes Video wurde bereits während der offiziellen Vorstellung vom Samsung Galaxy Nexus kurz gezeigt und steht in voller Länge und 1080p-Auflsöung bei YouTube bereit. Es wurde mit dem Samsung Galaxy Nexus aufgenommen. Allerdings mit dem neuen integrierten Zeitraffermodus (Time lapse), sowie einem recht hochwertigem Aufbau aus Stativ und Führungsschiene. Die Nachbearbeitung erfolgte dann mit Adobe After Effects CS5. Macht euch also nicht all zu viel Hoffnungen, dass eure Videos dann später auch so aussehen werden. Als kleine “Protzdemo” ist es ganz nett anzuschauen.

Preislich gab es beim Galaxy Nexus keine großartigen Überraschungen, denn es kam zum Marktstart für 529 Euro in den Handel, obwohl die UVP bei 679 Euro lag. Hier kann ich nur sagen: “Typisch Samsung”. Ich hatte Glück und konnte bei Media Markt zuschlagen, denn dort war das Gerät durch einen Deal mit Samsung als erstes zu haben. Leider verlief der Marktstart nicht sonderlich glücklich, denn der 17. November für den Europastart konnte hierzulande nicht eingehalten werden. Zudem hatte Samsung bereits frühzeitig mit einem Bug der ersten Geräte zu kämpfen und behob diesen Fehler “mal eben”, indem man die Smartphones mit einem Software-Fix bestückte.

Das dies dazu führte, dass die ersten verkauften Chargen eine andere Software aufgespielt hatten, mit der es zum Beispiel nicht möglich war, die vorinstallierten Google-Apps über den Android Market zu aktualisieren, war natürlich mehr als ärgerlich. Die Lösung in Form einer originalen Google-Firmware erfolgte dann einmal von Samsung offiziell und einmal von uns inoffiziell. Eine gesunde Informationspolitik und ein guter Service, der die Kunden mit solch speziellen Problemen nicht im Regen stehen lässt, schaut anders aus.

Da aktuell verkaufte Geräte dieses Problem nicht mehr haben und sich Nutzer darüber keine Gedanken machen müssen, ist das ganze Thema für mich abgehakt. Der Lautstärke-Bug, bei dem anscheinend die Funksignale im 900 MHz-Bereich zu stark waren, sodass das GSM-Modul im 2G-Netz Störungen verursachte, gehören damit zum Glück auch der Vergangenheit an. Ich hoffe jedenfalls, dass in Sachen Software-Updates nun alles in die richtige Richtung läuft, denn von meinem Nexus S war ich es gewohnt, immer sehr flott die neueste Systemversion von Google zu erhalten. Wie lange das Galaxy Nexus am Ende unterstützt wird, muss sich noch zeigen. Eine interessante Disskusion zu diesem Thema findet ihr auch im Beitrag: “Wie lange sollten Smartphones Updates erhalten?“.

Software

Android 4.0 Ice Cream Sandwich ist so heftig runderneuert worden, dass es eine Weile dauert, bis man alle Details wirklich entdeckt hat. Es ist auf dem Galaxy Nexus in Version 4.0.1 vorinstalliert, die Build-Nummer ist hier ITL41F. Die Einrichtung lief flott und gerade für Einsteiger wurden hier diverse Dinge verbessert. Nachdem man das Gerät mit seinem Google-Account verbunden hat, wird man durch die verschiedenen Bereiche mit einer kleinen Hilfe geleitet. Man hat wie immer bei Android die Möglichkeit, sein Geräte in Googles Datenwolke zu sichern, oder Apps sowie einige Einstellungen wie z.B. den W-Lan-Schlüssel wiederherzustellen. Ich habe die Wiederherstellung nicht gemacht, da ich mit einem “sauberen” System starten wollte.

Die Optik von Android 4.0 trifft genau meinen Geschmack, wobei man sagen muss, dass sie doch eher männlich und an Honeycomb angelehnt daher kommt. In den ersten Minuten der Nutzung gab es das ein oder andere Stocken, was wohl an diversen Hintergrundprozessen bei der Einrichtung lag. Jedenfalls haben die Google-Apps im Hintergrund erstmal kräftig gewerkelt und vor allem Daten gesaugt. Seitdem rennt das Teil geschmeidig ohne Ende und ich kann mich nicht beschweren.

Die einzelnen Apps sind solide umgesetzt. Zu diversen Punkten in Android 4.0 haben wir uns ja hier im Blog bereits mehrfach geäußert. Ich möchte auf folgende Systemapps noch kurz genauer eingehen, wobei ihr diverse Screenshots zu allen angesprochenen Punkten unten in der Galerie findet.

  • Screenshots: Endlich gibt es die Möglichkeit Screenshots anzufertigen und das auch ohne Root-Zugang. Durch gleichzeitiges drücken der Power- und Leisertaste macht das Gerät ein Bildschirmfoto und legt dieses im internen Speicher ab.
  • Einstellungen: Die Einstellungen erinnern stark an Android 3.0. Sowohl die Optik, also auch der Aufbau ist durchdacht. Dennoch treffen Laien immer wieder mal auf Begriffe und Optionen, die sie sicher nicht gleich verstehen. Einige nützliche Dinge wie z.B. die W-Lan-Standbyrichtline sind weiterhin ziemlich versteckt in einem Untermenü.
  • Benachrichtigungen: Die Benachrichtigungen landen immer noch im entsprechenden Bereich, den man einfach herunterziehen kann. Besonders gut gefällt mir aber hier, dass ich einzelne Benachrichtigungen wegwischen kann und so selektiv entscheide, was mir noch angezeigt werden soll. Zudem werden sämtliche Symbole, die von irgendwelchen Apps in den Benachrichtigungsbereich gepackt werden, in der Optik an ICS angepasst.
  • Datenverbrauch: Der Datenverbrauch lässt sich nun deutlich besser kontrollieren. Es gibt die Möglichkeit, ein Limit, den Abrechnungszeitraum seines Vertrages oder eine Warngrenze, ab der man informiert werden soll, festzulegen. Hier wäre es schön gewesen, ähnliches auch für Telefonminuten oder SMS einstellen zu können.
  • Display: Das Display kann, wie bereits erwähnt, überzeugen, auch wenn die Abstimmung der automatischen Helligkeit nicht wirklich überzeugend ist. Praktische Option ist die Möglichkeit die Schriftgröße festzulegen. Die Benachrichtigungs-LED, welche auf der Unterseite (für manche evtl. ungünstig) angebracht ist, lässt sich hier deaktivieren.
  • Sicherheit: Die Sicherheit wurde unter Android 4.0 auch verbessert, was mich aber nicht weiter juckt, da ich weder die Hardwareverschlüsselung noch Spielereien wie den Face Unlock nutze.
  • Programmmenü: Das Programmmenü schaut nicht nur gut aus, sondern läuft auch flüssig. Hier ist es nun möglich, direkte Infos über eine App in Erfahrung zu bringen, oder diese sogar ohne den Umweg über den Android Market zu deinstallieren. Neben den Programmen befinden sich die Widgets, welche sich direkt in ihrer finalen Form präsentieren. Das gefällt mir sehr gut, denn so sehe ich gleich wie ein Widget dann später auf dem Homescreen aussehen wird.
  • Taskmanager: Einen richtigen Taskmanager gibt es nicht über die Kurzwahl in der Menüleiste, aber zumindest eine Übersicht der zuletzt genutzten Apps. Dort sieht man in kleinen Vorschaubildchen, was als letztes in der App los war. Jedes Programm kann per Wischgeste dann aus der Liste entfernt werden.
  • Dialer und Kontakte: Der Dialer macht das was er soll, er wählt Nummern. Praktisch ist die automatische Abtrennung der Vorwahl. Ergänzt wird er von einer Favoritenverwaltung der Kontakte sowie einer Art Kontaktsammlung mit der Anbindung an soziale Netzwerke. Generell lassen sich nun Kontakte besser verwalten und das System bietet praktische Funktionen, um verschiedene (Online)Accounts in einer Visitenkarte zu verbinden. Optisch passt leider noch nicht jede App zusammen, denn während der Dialer eher gediegen daher kommt, wirkt die Kontaktverwaltung mit dem grellen Babyblau etwas kindisch.
  • Browser: Der Browser rennt nur so vor sich hin. Derzeit gibt es noch keinen Flash-Player dafür und ich vermisse diesen kein Stück. Auf eine Installation werde ich in Zukunft wohl komplett verzichten. Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem Browser. Die Tabs lassen sich per Gesten schließen und das Scrollen ist super geschmeidig, auch wenn die Webseite mal etwas größer ist. Zudem kann man über das Menü eine Desktop-Version von Webseiten erzwingen, was mir persönlich sehr gut gefällt.
  • Google Mail: Der Client zu Google Mail ist für mich die unangefochtene Nummer eins in Sachen mobiler Mail-Verwaltung. Die Optionen überzeugen, die Schnelligkeit ist unerreicht und die Label-Verwaltung ist ein Traum. Kleine Verbesserungen würde ich mir noch bei den Benachrichtigungen wünschen, hier kann man nämlich keine Farbe für die LED wählen.
  • Galerie: Die Galerie erinnert auch stark an Honeycomb. Sie läuft deutlich flotter als die “alte” 3D-Gallery, die damals auf dem Nexus One Einzug hielt. Das Teilen der Inhalte ist etwas schneller erledigt und häufig genutzte Ziele werden zum schnelleren Teilen sogar am oberen Rand fixiert.
  • Kalender: Der Kalender beherrscht nun Multitouch, was gerade bei Einträgen, die etwas länger sind, durchaus hilfreich sein kann. Ansonsten habe ich bis auf die Optik nicht sonderlich viele Neuerungen gefunden. Mit der Geschwindigkeit bin ich auf jeden Fall zufrieden und auch das Widget ist recht nützlich.
  • Musik: Ich höre mobil kaum Musik, aber den Player habe ich natürlich angetestet. Die Musik wird schnell geladen und mit meinem Account bei Google Music abgeglichen. Die Wiedergabe von lokaler und auch der Musik aus der Wolke läuft problemlos und flott ab. Die Designlinie von Android 4.0 zieht sich durch diese wie auch durch die anderen System-Apps. Dadurch wirkt alles eher rund.

Galerie Android 4.0 Ice Cream Sandwich (Klicken zum Anzeigen)

[gallery link="file" order="DESC" orderby="title" include="65081, 65080, 65079, 65078, 65077, 65076, 65075, 65074, 65073, 65072, 65071, 65070, 65069, 65068, 65067, 65066, 65065, 65064, 65063, 65062, 65061"]

Auch für die Bastler gibt es natürlich schon etwas zu tun. Auch wenn das meines Erachtens bei Nexus-Geräten nicht unbedingt erforderlich ist. So kann man zum Beispiel mit einem kleinen Tool sein Geräte rooten und so weitreichende Veränderungen auf Systemebene vornehmen oder aber die originale Google-Firmware flashen, wenn beim Basteln mal etwas schief gegangen ist. Ich greife extra zu einem Nexus, weil ich mir den Stress nicht geben will. Ich weiß allerdings, dass gerade durch die aktive Community unendlich viele Dinge möglich sind. Aktuelle Infos dazu findet ihr wie immer regelmäßig im Blog.

In Sachen Software hat man beim Galaxy Nexus wirklich das Gefühl, mit einer rundum durchdachten Sache zu arbeiten. Wenige Dinge wie einige Farben oder die Optik mancher Symbole sagen mir zwar nicht zu, aber das ist ja immer Geschmackssache. Wichtig für mich ist, dass das System rund läuft, macht was es soll und das am besten noch so flott wie möglich. Grobe Sache für mich als “Nicht-Rooter”, die ich wieder mal zu bemängeln habe, ist die fehlende Prozentanzeige beim Akkustand in der oberen Statusbar. Bei einer 720p-Auflösung vom Display würde die meines Erachtens nicht mal hässlich ausschauen.

Fazit

Wer auf Geräte mit Displaydiagonalen unter 4 Zoll steht, die einen Alu-Unibody haben, wer Musik gerne auf einer SD-Karte lagert, wer ein Autoradio hat, welches einen echten Massenspeichermodus erfordert, um auf Musik zugreifen zu können, wer sein Smartphone als echten Kameraersatz nutzen möchte, wer auf LCD-Screens steht, wer eine extra Kamera-Taste will, wen es stört, dass der Audioanschluss an der Unterseite ist, wer mobiler Hardcore-Gamer ist, der die maximale Leistung einer Grafikeinheit benötigt, der kauft sich das Samsung Galaxy Nexus nicht.

Das Google-Smarphone bietet viel. Es bietet nicht alles, aber das was es bietet, macht es zum großen Teil gut. Der Speaker ist laut, klar und kratzt nicht, das Display ist von der Auflösung sowie den Farben her genial, die Verarbeitung solide und das System optimal auf die Hardware abgestimmt. Die Benachrichtigungs-LED sowie die ins Gehäuse eingelassenen Dock-PINs sind nette Extras. Durch seine Form und den gummierten Akkudeckel liegt es optimal in der Hand. Es ist ein Gerät das einfach Spaß macht und zu gleichen Teilen durch Hardware und Software überzeugen kann. Es ist nicht nur ein Smartphone, es ist ein Versprechen. Ein Versprechen von Google, welches besagt, dass man sich um das eigene Baby kümmern wird. Es ist ein Optionsschein auf die neueste Android-Version. Während in Zukunft Kunden mit Herstelleroberflächen wie Sense, TouchWiz und Co. auf ihre System-Updates warten, werden Besitzer eines Galaxy Nexus nur müde lächeln. Android 4.0 Ice Cream Sandwich ist gelungen, es erscheint rund, bedient sich mit einer gewissen Leichtigkeit und ist mittlerweile ein wahres Multitalent.

Mich hat das Samsung Galaxy Nexus überzeugt. Es ist ein Schritt nach vorne, es muss sich nicht verstecken. Im Gegenteil, es sollte bevorzugt werden, meines Erachtens vor jedem anderen Androiden.

Autor

Weitersagen und Speichern
WhatsApp